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Alkoholismus

Alkohol und Gewalt
in der Partnerschaft

Alkohol und Gewalt in der Partnerschaft
violence concept

Alkohol und Gewalt:
Vor den Augen des Kindes verdroschen

Alkohol und Gewalt- das ist das Thema, mit dem ich mich herumschlagen muss.

Vor etwa einem Jahr bin ich zusammen mit meiner kleinen Tochter, die ich mit einem anderen Mann bekommen habe, zu meinem neuen Freund gezogen. Er ist eigentlich ein sehr schüchterner Typ und sehr ruhig. Wir passen auch prima zusammen, haben die gleichen Interessen, mögen Sport- und er hat mich zu Anfang echt rundum verwöhnt.

Leider neigt er aber auch zu ziemlichen Wutausbrüchen, meist aus total nebensächlichen Gründen. Er hat schon mal eine Flasche neben mir auf dem Tisch zerschlagen und mit einem Stuhl nach mir geworfen. Da hatte er vorher wohl etwas zu viel getrunken. Beim Autofahren macht er absolut halsbrecherische Fahrmanöver, wenn er sich über irgendetwas aufregt, das ich gesagt habe.

Ein paar Mal wollte er mich und mein Kind auch schon mitten in der Nacht aus der Wohnung rausschmeißen, wenn ich nach solch einem Streit nicht zu ihm ins Bett wollte, sondern lieber im Wohnzimmer schlafen. Das hat dann auch meine Tochter übel mitbekommen. Letztlich hab ich mich dann jedes Mal durchgesetzt und mich im Wohnzimmer mit meiner Tochter eingeschlossen.

Ich war auch schon drauf und dran, wieder auszuziehen. Einmal hatte ich sogar schon die Koffer gepackt. Da kam er dann mit roten Rosen an, hat sich riesig entschuldigt und mich angefleht, dass ich ihn nicht verlassen soll.
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Vor 14 Tagen gab es nun die bisher größte Krise. Ich hatte ihn am Abend wieder einmal ein paar klare Worte gesagt, dass er so gar nicht im Haushalt mithilft und immer das Geschirr stehen läßt usw. Ich bin dann mit meiner Tochter schlafen gegangen in unser großes Ehebett. Als wir gerade eingeschlafen waren, kam er dann rein, drängte sich an mich, versuchte bei mir einzudringen. Ich bat ihn, mich in Ruhe zu lassen, und sagte, dass es echt nicht in Ordnung wäre, dass er mich ständig alles im Haushalt alleine machen läßt. Dann bat ich ihn, mich jetzt endlich weiterschlafen zu lassen.

Darauf ist er dann aus dem Bett gesprungen, hat wie wild rumgebrüllt und hat mir einen kräftigen Stoß in den Magen verpasst und mir dem linken Arm verdreht, so dass ich vor Schmerz nur so geheult habe- all das vor den Augen meiner Tochter, die ebenfalls wie am Spies geschrien hat. Die Nacht ist er dann zu irgendwelchen Kumpeln abgehauen.

Am nächsten Tag bin ich dann tatsächlich ausgezogen- ins Gästezimmer zu meinen Eltern. Da hat das dann schon gleich wieder mit Anrufen auf dem Handy begonnen- die erste Woche habe ich das immer gleich weggeklickt, auch wenn er gefühlt alle 2 Stunden eine neue SMS mit „Entschuldigung!“ geschickt hat. Jetzt haben wir dann doch telefoniert. Eine ganz echte Entschuldigung kam dann aber doch nicht, nur so was wie: „Da haben wir wohl beide etwas zuviel getrunken an dem Abend… Soll echt nicht mehr vorkommen.“ Dabei bin ich mir komplett sicher, dass ich selber total nüchtern war an dem Abend.

Jetzt ist er sogar so weit, dass er bereit ist, eine Therapie zu machen. Aber nur dann, wenn ich zu ihm zurückziehe.

Ich selber weiß nicht, ob das eine gute Idee ist.

Emily H. (Name geändert)

Alkohol und Gewalt:
Zuerst ist das Alkoholproblem zu lösen

Hallo Emily,

Alkohol und Gewalt in der Partnerschaft ist eine sehr ungute Erfahrung: ausgerechnet dort, wo Sie Liebe, Zuneigung, Geborgenheit gesucht haben, erfahren Sie bei den Wutausbrüchen des Freundes genau das Gegenteil. Außerdem fügt Ihr Freund Ihnen körperliche Schmerzen zu und gefährdet durch sein Autofahren auch Ihr Leben und, wenn Ihre Tochter dabei ist, auch noch das Leben Ihres Kindes. Das kann ganz bestimmt so nicht weitergehen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist eine Alkoholkrankheit Ihres Freundes für solche Gewaltausbrüche verantwortlich- was Sie ja selbst auch schon vermutet haben. Auch Ihr Freund scheint ja darauf anzuspielen, wenn er sagt:„Da haben wir wohl beide etwas zuviel getrunken an dem Abend..“

Natürlich kann es für solches gewaltsames Verhalten auch noch andere psychische Gründe geben, die entweder noch zum Alkoholproblem hinzukommen oder sogar die eigentliche Ursache sind. Wenn Ihr Freund jetzt eine Therapie macht, werden die behandelnden Ärzte und Psychologen das sicher noch genauer abklären können.

Auf jeden Fall sieht es so aus, dass Ihr Freund zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage ist, die Beziehungsprobleme mit Ihnen zu bearbeiten. Solange durch den Therapieerfolg nicht sichergestellt ist, dass er nicht wieder in solche Zustände der Enthemmung und der Gewaltanwendung kommt, bedeutet eine Entschuldigung von ihm letztlich keine Verbesserung der Lage, selbst wenn er sie im Augenblick noch so ernst meint und mit roten Rosen ankommt.

Gewalttätigkeit und Enthemmung infolge von Alkoholmissbrauch sind letztlich körperliche Krankheitssymptome, die nur körperlich, d.h. durch ärztlich begleitete Allkoholentwöhnung, geheilt werden können. Ein psychologisches Anti-Agressionstraining kann dann später möglicherweise zusätzlich helfen- aber zuerst muss die körperliche Krankheitsursache beendet werden.

Alkohol und Gewalt- eine kritische Selbstanfrage

Auch wenn Sie schreiben, dass Sie selbst am Abend Ihrer Trennung vollkommen nüchtern waren, müsste ich Sie in meiner Praxis trotzdem fragen, ob auch in Ihrem Leben Alkohol eine Rolle spielt.

Falls Sie (mit oder ohne Ihrem Freund) als Frau täglich mehr als 0,1 Liter Wein oder Sekt, mehr als 0,25 Liter Bier oder 4 Zentiliter Schnaps pro Tag trinken (vgl. Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), befinden Sie sich bereits in einem gesundheitlichen Risikobereich- auch ohne dass Sie jemals betrunken gewesen sein müssen.

In diesem Fall könnte es sich auch für Sie lohnen, den Arzt aufzusuchen und nachzuprüfen, ob nicht auch Sie wegen des Alkohols zu Überreaktionen neigen, die Ihnen selbst gar nicht bewusst sind. Dann könnte es sein, dass Sie sich beide manchmal nicht richtig im Griff haben und dann durch unüberlegte Äußerungen hochschaukeln.

Das soll selbstverständlich nicht die Gewalt Ihres Freundes in irgendeiner Weise entschuldigen: Gewalt ist niemals akzeptabel. Aber eine solche Untersuchung könnte Ihr Beitrag dazu sein, die Situation in Zukunft runterzufahren und, falls Sie wieder zusammenziehen, Ihnen beiden helfen, Ihr neues Leben ohne den Alkohol und seine Nebenwirkungen zu führen.

Außerdem: Wenn Sie sich auf eine mögliche Alkoholkrankheit untersuchen lassen und, falls nötig, auch selbst eine Therapie anfangen, wird es auch Ihrem Freund leichter fallen, mit seiner eigenen Therapie durchzuhalten.

Und wenn Ihr Freund durch die Therapie erfolgreich vom Alkohol weggekommen ist, ist es wichtig, dass Sie selbst in seiner Gegenwart nie wieder Alkohol trinken.

Alkohol und Gewalt-
Ihre Partnerschaft braucht einen Neuanfang

Wenn es also mit Ihrer Partnerschaft weiter gehen soll, ist ein kompletter Neuanfang nötig. Und die Bedingung dafür ist, dass Sie beide zu einem Leben finden, in dem Alkohol, Drogen und Medikamente keine Rolle spielen. Das ist außerdem auch die Voraussetzung dafür, dass Ihre Tochter keine psychischen Schäden abbekommt.

Sollte Ihr Freund nicht die Kraft und das Durchhaltevermögen besitzen, von seiner Alkoholkrankheit geheilt zu werden, müssen Sie damit rechnen, dass sich die Ihnen bekannten Gewaltausbrüche auch weiterhin wiederholen.

Wenn Sie also zu ihm ziehen, bevor er seine Therapie erfolgreich beendet hat, werden Sie genau das Leben mit den Gewaltausbrüchen weiterführen wie bisher. Wenn Sie also den echten Neuanfang durchsetzen wollen, können Sie erst dann zu Ihrem Freund zurückkehren, wenn er seine Therapie erfolgreich abgeschlossen hat.

Mit allen gute Wünschen für Sie und Ihren Freund
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Alkohol- mein
Partner trinkt zu viel

Alkohol- er will auf den Genuss nicht verzichten

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Was soll ich bloß machen? Als ich meinen Freund vor zwei Jahren kennenlernte, hat er bereits jeden Abend ein Bier getrunken, dazu noch hin und wieder einen Wodka. Dabei habe ich mir eigentlich gar nichts gedacht, das ist bei meinen Eltern nicht anders.

Inzwischen sind aus dem einen Bier zum Feierabend immer gleich mehrere geworden, und am Wochenende oder im Urlaub gibt es dann schon vormittags den Frühschoppen. Weil das halt zum Urlaubsfeeling dazugehört, meint er.

Ich persönlich finde das richtig furchtbar, weil ich ihn allmählich gar nicht mehr ohne Alkoholfahne kenne.

Ein paar Mal ist es jetzt auch schon vorgekommen, dass er morgens nicht aus dem Bett kommt, um zur Arbeit zu gehen. Dann bin ich es, die beim Arbeitgeber anrufen muss, um ihn wegen Migräne zu entschuldigen. Dabei glaube ich, dass er schlicht und ergreifend einen Kater hatte.

Ich habe ihn mehrfach gebeten, mir zuliebe mal ein Wochenende auf Alkohol zu verzichten. Natürlich könnte er das, sagt er dann, aber er habe einfach keine Lust dazu. Warum am Wochenende darauf verzichten, es sich schön zu machen? Genauso gut könnten wir beschließen, am Wochenende nicht mehr Essen zu gehen oder nicht mehr auszugehen.

Was mir Sorgen macht, ist, dass sein Alkoholkonsum rein mengenmäßig immer mehr zunimmt. Er ist zwar noch nie richtig betrunken gewesen, wird in letzter Zeit ziemlich komisch und reizbar. Ich traue gar nicht mehr, ihm mit irgendwelchen eigenen Problemen aus der Arbeit zu kommen, weil er mir sowieso nicht zuhört.

Meine Sorge ist, dass er irgendwann richtig abhängig wird und vielleicht auch noch gewalttätig.


Monika L. (Name geändert)

Alkohol- Eine ärztliche Untersuchung ist wichtig

Hallo Monika,

in unserer Welt gehört Alkohol zum Leben dazu- allerdings gibt es einen Punkt, an dem Alkohol zum Problem werden kann. Und bei Ihrem Freund scheint das der Fall zu sein.

So wie Sie das schildern, ist zu vermuten, dass Ihr Freund bereits jetzt die Kriterien für das Vorliegen einer Alkoholkrankheit erfüllt. Ein Abhängigkeitssyndrom kann auch vorliegen, ohne dass Ihr Partner einen Vollrausch bekommt oder körperlich gewalttätig wird.

Deshalb ist eine ärztliche Untersuchung wichtig für Ihren Mann, um eine genaue Untersuchung durchzuführen und gegebenenfalls eine Therapie einzuleiten. Dass Sie beide, selbst wenn Sie es wollten, alleine eine Alkoholkrankheit Ihres Freundes ohne fachliche Hilfe in den Griff bekommen, ist nahezu ausgeschlossen. Dazu ist eine Alkoholkrankheit zu schwer. Sie würden ja auch bei einem Verdacht auf Lungenentzündung zum Arzt gehen und nicht selbst die Behandlung anfangen wollen.

Alkohol-
Wie motiviere ich ihn zur Untersuchung?

Das Hauptproblem liegt erfahrungsgemäß darin, einen Alkoholkranken dazu zu bewegen, überhaupt zum Arzt oder Therapeuten zu gehen und sich untersuchen zu lassen. Eine gewisse Chance haben sie dadurch, dass Ihr Freund möglicherweise Ihnen zuliebe dazu bereit ist, wenn Sie ihm zeigen, wie wichtig es Ihnen ist, dass er sich untersuchen läßt und dass Sie diesen Wunsch aus Fürsorge und Liebe zu ihm haben.

Vielleicht ist aber auch der Umweg über eine Paartherapie eine Möglichkeit. Sie erklären Ihrem Freund, dass Sie sich ganz allgemein die Beratung durch einen Therapeuten wünschen: Dann müssen Sie selbst das Alkoholthema gar nicht aufbringen. Ein geübter Therapeut wird die mögliche Alkoholkrankheit Ihres Freundes sehr schnell bemerken und Ihnen dann weitere Vorschläge machen.

Die Gefahr der Co-Abhängigkeit umgehen

Was sehr gut ist, dass Sie gemerkt haben, dass Ihr Freund ein Problem mit Alkohol hat. Es gibt häufig den Fall, dass die Menschen in der Umgebung eines Alkoholkranken diese Krankheit selber vertuschen oder verharmlosen (sogenannte Co-Abhängigkeit), möglicherweise aus sozialer Scham, mit einem „Alkoholiker“ zusammen zu leben.

Solche Co-Abhängigkeit ist insofern gefährlich, als dadurch dringend notwendige Hilfe für den Alkoholkranken verschleppt oder verhindert werden kann. Der Alkohol ist kein Thema, das Sie mit sich herumtragen müssen. Sie sind auch nicht dafür verantwortlich, Ihren Freund vor den Folgen des Trinkens zu schützen, also zum Beispiel beim Arbeitgeber anzurufen, wenn er wegen seiner Alkoholkrankheit nicht zum Dienst erscheinen kann.

Gerade dann, wenn Sie Ihren Freund lieben, sollten Sie ihm sehr deutlich machen, dass es nur langfristig nur dann mit ihnen beiden weitergehen kann, wenn er sich einer Untersuchung bzw. Therapie nicht entzieht.

Wenn Sie Fragen haben: Ich freue mich, wenn Sie mich nochmals kontaktieren.

Mit herzlichem Gruß

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Aggressiver Sex trotz
liebevoller Beziehung?

aggressiver Sex
aggressiver Sex

Aggressiver Sex-
Was tun, wenn der Sex gewaltsam wird?

Mein Freund und ich verstehen uns eigentlich bestens. Wir sind sehr glücklich miteinander, und ich weiß, dass er mich liebt. Nur beim Sex klappt in letzter Zeit gar nichts mehr.

Er packt mich jedes Mal immer gröber an, beschimpft mich: „Du dreckiges Luder, Dir zeig ich, was Sache ist!“  Er spuckt mich manchmal auch an und drückt mich beim Sex mit den Handgelenken so sehr nach unten, dass es mir richtig weh tut und ich schreien muss. Das geilt ihn dann offenbar noch mehr an, und er hört gar nicht mehr auf.

Nachher entschuldigt er sich dann und sagt, dass ich ja weiss, dass das nur ein Spiel ist. Dann ist er richtig zärtlich und liebevoll.Ich will ihn auf gar keinen Fall verlieren, habe auch schon versucht, ihm zu erklären, dass das so nicht geht. Er sagt dann, dass er alles versteht und sich ändern will. Doch beim nächsten Mal ist er nur noch brutaler.
Heike B. (Name geändert)

Aggressiver Sex: Oberste Spielregel:
Beim Sex geht nur, was beide wollen

Hallo Heike,
das Wichtigste gleich voran: Sex funktioniert nur so, wie ihn beide Partner wollen.

Ansonsten wird das Ganze sehr schnell sehr lustfrei- zuerst für den Partner, dessen Bedürfnisse nicht beachtet werden, und bald darauf auch für den zweiten Partner. Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem der Partner mit den vernachlässigten Bedürfnissen einfach nicht mehr mitspielen wird. Und an diesem Punkt scheinen Sie gerade zu stehen.

Gerade wenn Ihnen an Ihrer Beziehung etwas liegt: Es ist wichtig, dass Sie standfest bleiben und sich nicht beim Sex zu etwas hinreissen lassen, das Ihnen nicht gefällt.

Aggressiver Sex nach Alkohol oder Drogen

Zur Beurteilung Ihrer Situation ist eine weitere Frage wichtig, über die Sie selbst noch nichts geschrieben haben: Hat der Kontrollverlust Ihres Freundes möglicherweise etwas mit Alkohol oder Drogen zu tun?

Wenn das der Fall sein sollte, benötigt Ihr Freund unbedingt therapeutische Hilfe. Sie selbst und das Sex-Problem sind dann eher ein Nebenschauplatz, und eine grundsätzliche Lösung wird es nur dann geben, wenn Ihr Freund seine Suchtkrankheit in den Griff bekommen hat. Das kann ein sehr langer und schwieriger Weg sein, dessen Ausgang ungewiß ist. Mehr als die Hälfte aller Alkohol- oder Drogenabhängigen schaffen es niemals, ihre Suchtkrankheit zu überwinden.

Sollte also Alkohol oder Drogen der Grund für den aggressiven Sex sein, werden Sie dieses Thema für sich allein genommen niemals lösen können. Entscheidend ist allein der Punkt, ob Ihr Freund zu einer Entzugsbehandlung bereit ist. Da das Zusammenleben mit einem alkohol- oder drogenkranken Menschen psychisch immer sehr belastend ist, sollten Sie sich überlegen, ob Sie nicht auch für sich persönlich therapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen wollen.

Aggressiver Sex auch ohne Alkohol oder Drogen

Wenn Sie sicher sind, dass Alkohol und Drogen im Leben Ihres Freundes keine Rolle spielen, sieht die Situation natürlich anders aus.

Die beste Lösung wäre, gemeinsam mit Ihrem Freund einen Paartherapeuten aufzusuchen. Denn Ihr Problem erscheint bereits jetzt so gravierend, dass professionelle Hilfe sinnvoll ist. Da Ihnen beiden offensichtlich an Ihrer Beziehung etwas liegt, sollte Ihnen beiden diese Investition nicht zu teuer sein.

Ob nun im Rahmen einer Paartherapie oder außerhalb: In einem ersten Schritt ist es meiner Ansicht nach unbedingt erforderlich, dass Sie Ihrem Freund unmißverständlich erklären, dass Sie das nächste Mal den Sex komplett abbrechen werden, wenn es Ihnen keine Freude mehr macht. Und das sollten Sie nicht nur als Drohung in den Raum stellen, sondern tatsächlich auch so machen. Bei der ersten von Ihnen nicht gewünschten gewaltsamen Handlung ist Schluß mit Sex. Wenn er dann trotzdem weitermacht, erfüllt das den Tatbestand der sexuellen Nötigung bzw. Vergewaltigung nach § 177 Strafgesetzbuch.

Sollte es tatsächlich so weit kommen, könnten Sie sich überlegen, ob Sie die Beziehung tatsächlich noch weiter aufrecht erhalten wollen. In diesem Fall wäre therapeutische Hilfe für Sie beide sinnvoll.

Und wenn er Ihr Problem verstanden hat?

Es kann natürlich auch sein, dass Ihr Freund bis zu diesem Gespräch immer noch geglaubt hat, Ihr Widerstand als Frau gegen seine Gewaltausbrüche würde irgendwie zum Sex dazugehören.

Vielleicht hat er nach diesem Gespräch eingesehen, dass Sie wirklich nicht wollen, dass er Ihnen beim Sex wehtut oder Sie beleidigt. Aber auch, wenn Sie das erreicht haben, ist es sinnvoll, gemeinsam zu klären, welche Bedürfnisse Sie beide eigentlich beim Sex haben und was Sie beide brauchen, um mit Ihrem Sex zufrieden zu sein.
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Diese Frage ist für Sie beide sehr wichtig.
Denn nehmen wir einmal an, Sie haben ihn überzeugt und er verzichtet auf die bisherige Form von Gewalt beim Sex:. In Ordnung ist die Welt dadurch wahrscheinlich noch nicht.

Möglicherweise werden zwar Sie selbst jetzt mit dem Sex zufriedener sein, aber genauso wahrscheinlich ist, dass von nun an ihm etwas beim Sex fehlen wird, nämlich dieses gewaltsame Element. Für viele Menschen, männlich und weiblich, liegen Sex und Gewalt dicht beieinander. Gewaltsame Fantasien können sexuell sehr erregend sein und lustvoll. Manche Menschen benötigen sie unbedingt, um lustvollen Sex zu erleben.

Das heißt natürlich nicht, dass solche Gewaltfantasien auch 1:1 ausgelebt werden müssen, und schon gar nicht gegen den Willen eines anderen Menschen.

Aggressiver Sex-
Mögliche Lösungen auf der Spielebene

Das heißt aber auch nicht, dass Ihr Freund auf den Kitzel Gewalt beim Sex komplett verzichten muss. Es gibt sogar zwei mögliche Lösungen, bei der Sie seine Gewaltfantasien als spielerisches Element in den Sex einbauen können.

1. Sie besprechen vorab, was für Sie in Ordnung ist und was nicht. Z.B. könnten Sie es zulassen, sich die Augen verbinden zu lassen, aber nicht, dass er Ihnen körperlich weh tut. Danach vereinbaren Sie, wie in der BDSM-Szene üblich, einen Ampelcode: Wenn Sie „Gelb!“ sagen, weiß Ihr Freund, dass er sich beim Sex eine neue Stellung einfallen lassen muss und so nicht mehr weitermachen darf. Wenn Sie „Rot! sagen, muss er das Spiel abbrechen und mit Ihnen genau besprechen, was in diesem Moment Ihrer beider Bedürfnisse sind.

2. Die andere Lösung geht davon aus, dass Gewaltfantasien oft gar nicht daran gebunden sind, dass ein bestimmter Partner „oben“ und der andere „unten“ ist. Möglicherweise findet es Ihr Freund genauso erregend, wenn Sie für ihn ein bißchen die Domina spielen und ihn fesseln und beim Sex mit der Reitgerte schlagen- der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Nur dass es diesmal er ist, der „Gelb!“ oder „Rot!“ zu sagen hat. Und vielleicht macht es Ihnen sogar selbst Freude zu sehen, wenn es Ihnen gelingt, auf diese Weise das Bedürfnis nach Gewalt zu befriedigen, das Ihr Freund beim Sex empfindet.

Ihnen beiden alles Gute!
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Zuletzt aktualisiert am 19.09.2017.