Was ist eigentlich Impotenz? Arten und Ursachen

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Impotenz bedeutet auf lateinisch Nicht-Können. Der Begriff Impotenz für sich genommen ist wenig aussagekräftig, da hier ganz unterschiedliche körperliche und psychische Phänomene gemeint sein können. Hilfreich ist, hier genauer zu unterscheiden.
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Drei Arten von Impotenz

Auf sexuellem Gebiet unterscheidet man beim Mann drei Arten von Impotenz:

1. Impotenz als Erektionsunfähigkeit
(erektile Dysfunktion)

Die Unfähigkeit zur Erektion hat in der Regel körperliche Ursachen: Weil der Verlust der Erektionsfähigkeit in manche Fällen Vorbote für andere schwere Erkrankungen (insbesondere Schlaganfall/Herzinfarkt) sein kann, ist es unbedingt erforderlich, möglichst bald einen Arzt aufzusuchen. Auch Drogenkonsum oder Alkohol kann Ursache für Erektionsunfähigkeit sein. Erst wenn mögliche medizinische Ursachen abgeklärt sind, ist eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll.
Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Häufigkeit zu: Während nur etwa jeder 50. Mann unter dreißig betroffen ist, sind es bei den über Sechzigjährigen mehr als die Hälfte.

2. Impotenz als Unfähigkeit zum Samenerguss
(Anejakulation)

Die Unfähigkeit zum Samenerguss ist immer zuerst ein medizinisches Problem, das mit dem Arzt besprochen werden muss. In der Regel liegt eine neurologische Erkrankung zugrunde (z.B. Wirbelsäulenschädigung).

3. Impotenz als Zeugungsunfähigkeit

Auch hier ist eine medizinische Abklärung möglicher Ursachen wichtig, und zwar sowohl beim männlichen als auch beim weiblichen Partner in einer Beziehung. Für körperliche Ursachen bei einem oder beiden Partnern gibt es eine Vielzahl möglicher Behandlungsmethoden. Eine psychotherapeutische Begleitung der medizinischen Behandlung ist sinnvoll und kann den Behandlungserfolg wesentlich verbessern.

Es gilt für alle drei Formen der Impotenz:
Vor dem Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung ist ein Arztbesuch und die Abklärung möglicher medizinischer Ursachen unerläßlich.
Impotenz kann ein Warnsignal des Körpers für andere, noch nicht erkannte Erkrankungen sein.

Da Sexualität einer der Kernbereiche unseres Lebens ist und sich eine Störung auf diesem Gebiet auch auf die gesamte Lebensqualität eines Menschen auswirkt, ist es in allen drei Arten von Impotenz hilfreich, zusätzlich zur medizinischen Behandlung auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das gilt insbesondere dann, wenn körperliche Ursachen für eine der Formen von Impotenz durch den Arzt nicht gefunden werden konnten.

Impotenz- mögliche körperliche Ursachen

Es gibt eine ganze Reihe von Krankheiten, die zu Erektionsschwierigkeiten und Impotenz führen können, z.B. Nervenschädigungen oder bestimmte Formen der Rückenmarksschädigung, Diabetes, Bluthochdruck. Auch bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung zu Potenzschwäche führen. Aus diesem Grunde ist die medizinische Abklärung solcher Ursachen unbedingt erforderlich.

Daneben gibt es auch weitere körperliche Faktoren, welche die Potenz und den körpereigenen Hormonhaushalt negativ beeinflussen und die durch Änderung von Lebensgewohnheiten verbessert werden können:

  • Alkoholmissbrauch
  • Rauchen
  • Cholesterinüberschuss
  • Übergewicht
  • zu wenig Bewegung und Sport
  • zu viel Sport

Es ist nicht immer leicht, diese Faktoren alleine zu verändern. Deshalb ist es sinnvoll, sich hier fachlichen Rat durch einen Arzt oder Therapeuten einzuholen.

Impotenz- mögliche psychische Ursachen

Psychische Ursachen für Impotenz sind vielfältig und für jeden betroffenen Menschen unterschiedlich.

Auch wenn Impotenz häufig als generelles persönliches Versagen erlebt wird („Ich bin impotent“), kann es sich auch um ein Problem handeln, das nur in einer bestimmten Konstellation besteht.

Während der Betroffene möglicherweise keine Schwierigkeit hat, durch Masturbation allein einen Orgasmus mit Samenerguß zu erleben, ist das mit dem/der Sexualparterin nicht (mehr) möglich.
In so einem Fall ist Impotenz weder eine Eigenschaft („Ich bin jetzt impotent geworden“) noch eine körperliche Krankheit, sondern möglicherweise Ausdruck für einen Beziehungskonflikt. Hier könnte psychotherapeutsiche Hilfe ein sehr wichtiger Weg sein, um das Problem zu lösen.

Andere mögliche psychische Ursachen sind zum Beispiel mangelndes Selbstvertrauen, das auch in nichtsexuellen Bereichen des Lebens wurzeln kann (z.B. mangelnde Anerkennung im Beruf). Auch andere Lebensumstände wie z.B. Stress und Leistungsdruck können zu Potenzstörunge führen. Auch psychische Störungen wie z.B. eine unerkannte depressive Erkrankung kann Impotenz auslösen.

Impotenz und das eigene sexuelle Selbstbild

In manchen Fällen kann es auch das eigene sexuelle Selbstbild sein, welches die Störung verursacht: z.B. die eigene nicht erkannte Homosexualität oder ein unbewußter Protest gegen eine bestimmte Form des Männlichseins, wie sie (tatsächlich oder vermeintlich) von der Sexualpartnerin erwartet wird. Zu prüfen wäre insbesondere, ob bestimmte Erwartungen an das sexuelle Zusammenspiel (noch) sinnvoll sind, z.B. die Erwartung: „Der Samenerguss darf nur im Koitus erfolgen, andere sexuelle Spiele gibt es in unserer Beziehung nicht.“ Hier könnte die psychotherapeutische Arbeit an der Frage weiterführen: Warum ist eine solche Einengung des Sexualverhaltens überhaupt notwendig ist? Wie können sich die Sexualpartner von dieser Einengung zugunsten eines mehr spielerischen Umgangs mit der Sexualität lösen?
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Freude am Sex ist ein zentraler Punkt an Lebensqualität für jeden Menschen. Freude am Sex ist prinzipiell auch für jeden Menschen möglich. Es lohnt sich also, an diesem Punkt zu arbeiten und so in das ganz persönliche Lebensglück zu investieren.

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS: Vgl. auch den Artikel Normal oder nicht?- Normen für den Sex

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