Archiv der Kategorie: Probleme in der Partnerschaft

Probleme in der Partnerschaft

Klischees über Frauen-
Interview mit Dr. Michael Petery

Klischees über Frauen

Klischees über Frauen

Radiointerview Klischees über Frauen
Hier der Radiomitschnitt.
(wird nachgetragen)

Interview mit Dr. Michael Petery
in der Sendung Let´s talk about Sex bei Radio 89.0 RTL

Klischees über Frauen: die psychoogischen Hintergründe

Beispiele für Klischees über Frauen sind: Sie können zwischen Sex und Liebe nicht trennen, interpretieren überall etwas hinein…

Klischees über Frauen:
Wie entstehen solche Klischees?

Klischees über Frauen:
Nr.1: Frauen wollen nach dem Sex kuscheln, Männer nicht – warum?

Zuerst vorab als die Vorbemerkung: Alle Menschen sind unterschiedlich, Männer genauso wie Frauen.

Das heißt: Natürlich kann es auch Männer geben, die nach dem Sex kuscheln wollen und Frauen, die das nicht mögen. Und beides ist vollkommen normal.

Allerdings stimmt, dass bei Männern und Frauen die Erregungskurve beim Sex unterschiedlich verläuft. Bei Männern setzt nach dem Orgasmus schon nach wenigen Sekunden die sogenannte Refraktärphase ein, also die Phase des Rückgangs der sexuellen Erregung. In dieser Phase ist der Mann eine Zeit lang zu sexueller Erregung nicht fähig. Manchen Männern wird es dann sogar zu viel, weiter im Bett liegenzubleiben und mit der Partnerin zu kuscheln.

Frauen dagegen haben körperlich die Möglichkeit zu mehreren Orgasmen hintereinander. Sie können eine viel längere Zeit sexuell erregt bleiben. Es kommt bei mir bei Paartherapien immer wieder vor, dass Frauen enttäuscht davon berichten, dass ihre Männer sehr schnell mit dem Sex fertig sind, während sie eigentlich noch weitermachen könnten.

Mein Tipp ist, sich gemeinsam insgesamt viel mehr Zeit zu lassen- und als Mann ruhig einmal nachzufragen, ob die Frau nicht doch noch einen weiteren Orgasmus haben will. Das muss dann gar nicht unbedingt im Koitus sein- das kann dann auch durch Selbstbefriedigung der Frau passieren. Denn auch nebeneinander Sex zu haben ist eine Form des gemeinsamen Sex!

Klischees über Frauen:
Nr.2: Frauen können Sex und Liebe meist nicht trennen – warum?

Auch das ist eine sehr pauschale Zuschreibung. Natürlich gibt es Männer, für die Sex ohne Liebe nicht vorstellbar ist und es gibt Frauen, die beides trennen und hin und wieder einfach bloß Sex haben wollen.

Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau, die möglicherweise durch die Entwicklungsgeschichte des Menschen erklärbar sind. Amerikanische Forscher wie Irwin Silverman haben darauf hingewiesen, dass die unterschiedlichen Aufgabenbereiche in der Urhorde eine unterschiedliche Organisation des Gehirns bei Männern und bei Frauen begünstigt haben. Männer sind demnach mehr die „Jäger“, die auf schnelle Beute aus sind, Frauen eher „Sammlerinnen“, welche die Vorräte sorgfältig verwalten.

Demnach scheint die reine Lust am Sex ohne Liebe genetisch vor allem ein Interesse von Männern zu sein, die ihren Samen möglichst breit unter viele Frauen verteilen möchten.(Was modern auch heißen kann, sich virtuell mit zahlreichen Porno-Film-Frauen zu befriedigen.)

Bei Frauen ist Sex entwicklungsgeschichtlich dagegen immer auch mit Schwangerschaft und Kinderkriegen verbunden. So gesehen, ist es für Frauen wichtig, Sexualpartner zu finden, die nicht nur ihren Trieb abarbeiten wollen, sondern bereit sind, liebevoll für die Beziehung und auch den möglichen Nachwuchs einzustehen.

Heute haben sich Frauen durch moderne Verhütungsmittel aus dieser Zwangslage weitgehend befreit und können Sex auch pur und ohne Fortpflanzungsabsicht genießen. Trotzdem bleibt an dieser stammesgeschichtlichen Ausrichtung der Geschlechterrollen immer noch etwas dran.

In einer Partnerschaft ist es in jedem Fall eine etwas merkwürdige Idee, Sex und Liebe voneinander trennen zu wollen… Meiner Meinung nach gehört es zu einer funktionierenden Partnerschaft unbedingt hinzu, dass beide Partner nicht nur durch Sex, sondern auch durch Liebe miteinander verbunden sind und dass beide je nach ihren eigenen Bedürfnissen dazu auch noch sexuell die Befriedigung finden, die sie jeweils brauchen.

Trennung von Sex und Liebe wäre also eher ein Thema für One-Night-Stands als für die Partnerschaft.

Klischees über Frauen:
Nr.3: Warum interpretieren Frauen gern „in alles etwas rein“?

Das ist schon ein ziemlich heftiger Satz. Ich selbst kenne ihn vor allem von Männern in der Paartherapie, wenn sie ihrer Partnerin einfach nicht zuhören wollen.

Dann ist das die argumentative Superkeule: „Ihr Frauen interpretiert ja gern in alles etwas hinein.“ Und weil das nun einmal generell so ist, brauche ich als Mann mich auf keine weitere Diskussion mehr einzulassen.

Das Argument funktioniert natürlich auch mit umgekehrter Geschlechterverteilung. Auch die Frau kann zu ihrem Partner sagen: „Du interpretierst da in alles immer etwas rein.“

Und schon ist ein ernsthaftes Gespräch auf Augenhöhe nicht mehr möglich. Der oder die andere wird danach kaum noch Lust haben, Punkte in der Partnerschaft anzusprechen, die ihm gerade eben noch sehr wichtig waren.

Das Beispiel zeigt, wie gefährlich solche allgemeinen Zuschreibungen im Bereich der Psychologie sein können. Also: Vorsicht mit Sätzen an meinen Partner, die so ähnlich klingen wie: „Das ist doch bei allen Männern bzw. Frauen immer so!“

Viel besser, als das Gespräch mit einem solchen Dampfhammer abzubrechen, ist es, kurz innezuhalten und darüber nachzudenken, warum dem anderen das so wichtig ist, was er mir da sagen will. Und dann kann ich immer noch mit ihr oder ihm darüber weiterdiskutieren, ob der andere mit seinen Vermutungen recht hat oder nicht.

 

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Wenn Sie dazu Fragen haben, können Sie sich gern an mich wenden.

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery
Klischees über Frauen

PS:
Vgl. auch das Interview Klischees über Männer

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Zuletzt aktualisiert am 14.09.2017.

Sexuelle Probleme und
psychische Störungen

Sexuelle Probleme und psychische Störungen
Sexuelle Probleme und psychische Störungen

Der Sex und die Psyche: Sexuelle
Probleme und psychische Störungen

Viele sexuelle Probleme sind Folge von psychischen Erkrankungen. Sexualität ist ein zentrales Element im Wesen des Menschen- von daher ist nicht besonders erstaunlich, dass sich psychische Störungen und Erkrankungen oft zuerst als ein sexuelles Problem bemerkbar machen.

Nicht jedes sexuelle Problem
ist Folge einer psychischen Erkrankung

Das soll natürlich nicht heißen, dass jedes sexuelle Problem automatisch Folge einer psychischen Störung ist. Genauso häufig gibt es auch andere Ursachen wie zum Beispiel die Erziehung in der Herkunftsfamilie. Hier können Probleme entstehen, wenn die eigene Sexualität und das von sich selbst erwartete Rollenbild nicht zusammenpassen: so kommen immer wieder Männer zu mir in die Praxis, die Homosexualität irgendwo verwerflich oder schmutzig finden- und das, obwohl sie selber homosexuell sind.

Auch sexuelle Probleme in einer Partnerschaft liegen in der Regel nicht an psychischen Störungen von einem oder beiden Partnern, sondern daran, das in den wechselseitigen Erwartungen und Bedürfnissen unterschiedliche Vorstellungen vorliegen, die den beiden Partnern oft nicht bewusst sind und erst im Verlauf einer Paartherapie deutlich werden.

Sexuelle Probleme und psychische Störungen: die häufigsten Krankheitsbilder

Es ist also Vorsicht geboten, bei vorliegenden sexuellen Problemen sofort auf eine psychische Erkrankung zu schließen. Umgekehrt macht die Sache mehr Sinn: Viele psychische Erkrankungen haben Folgen, die sich auch auf sexuellem Gebiet auswirken.

1. Depression

Die Hauptanzeichen einer depressiven Erkrankung sind Antriebslosigkeit, Interesseverlust und depressive Symptomatik. Zu den häufigen Nebensymptomen zählt bei Männern und Frauen aber auch die Abschwächung oder der völlige Verlust der Libido.

Das kann sich bei Männern Potenzschwäche oder Erektionsstörung bemerkbar machen, bei Frauen als Vaginismus (Scheidentrockenheit) oder Unfähigkeit zum Orgasmus (Frigidität). Eine Depression kann aber auch dazu führen, wahllos Sex zu haben, ohne ihn überhaupt gewollt zu haben.

2. Suchtkrankheiten:
Drogen, Nikotin und Alkohol

Eine Suchterkrankung hat erhebliche Folgen für die eigene Sexualität. Viele Drogen führen zu einer Steigerung des Sexualtriebs und einer gestörten Impulskontrolle.

Unter Drogeneinfluss kommt es häufiger zu ungeschütztem und daher auch gesundheitlich gefährlichem Sex oder zu Wahllosigkeit in Bezug auf die Sexualpartner/innen.

Diese Wahllosigkeit kann sich bei Männern so weit entwickeln, dass sich die sexuelle Leidenschaft gleichermaßen auf beide Geschlechter richtet- und das, obwohl die Betroffenen ohne Drogeneinwirkung eindeutig heterosexuell veranlagt sind.

Ebenfalls nach Cannabis-Konsum treten nach meinen eigenen Erfahrungen mit Patienten vor allem bei jüngeren Männern häufiger homosexuelle Zwangsgedanken auf, bei denen sich die Betroffenen permanent hinterfragen, ob sie nicht homosexuell sein könnten. Diese Zwangsgedanken werden als extrem unangenehm erlebt (ganz im Gegensatz zu homosexuellen Tagträumen bei Männern, die tatsächlich homosexuell veranlagt sind).

Typische Folgen von jahrelanger Nikotin-Sucht sind neben dem allgemein bekannten gesteigerten Risiko für Krebserkrankungen vor allem der Verlust der Libido mit der Folge von Erektionsschwierigkeiten und Impotenz bei Männern bzw. Verlust der Orgasmusfähigkeit bei Frauen (Frigidität).

Eine Alkoholkrankheit kann je nach Krankheitsstadium sowohl zu einer Steigerung des sexuellen Verlangens führen (das oft bei gleichzeitiger Unfähigkeit zu Erektion oder Orgasmus) oder, vor allem in fortgeschrittenem Stadium, zum teilweisen oder völligen Verlust der Libido. Im Rahmen einer Partnerschaft führt die Alkoholkrankheit zu unbegründeten Gewaltausbrüchen gegenüber dem Partner, die häufig zu Trennung und sozialer Isolation führen. Weitere Infos unter Kenn Dein Limit.

3. Sexuelle Probleme und psychische Störungen
bei Trauma und Missbrauch

Traumatische Erfahrungen auf sexuellem Gebiet (Erlebnisse von Missbrauch und/oder Vergewaltigung in Kindheit und/oder Erwachsenenalter) können zu psychischen Erkrankungen führen. Eine häufige Folge ist eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), deren Symptome oft erst Jahre nach dem traumatischen Erlebnis deutlich werden. Typisches Kennzeichen sind Erinnerungslücken in Bezug auf das Trauma bei gleichzeitiger ständiger Präsenz des Erlebnisses. Diese Spannung kann zu dissoziativen Zuständen führen, also dem Auseinanderfallen von Elementen der Wahrnehmung, des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität und der Motorik.

Auf sexuellem Gebiet kann ein Trauma zu Vermeidungsverhalten führen (Vermeidung von Situationen, die zu Sex führen könnten, bis hin zu vollständiger sozialer Isolation) oder zu vollständigem Verlust von Libido und Orgasmusfähigkeit.

4. Zwangsstörungen:
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen

Zwangsgedanken kommen auf sexuellem Gebiet sehr häufig vor.

Das können katastrophisierende Gedanken sein wie zum Beispiel, dass der geliebte Partner bzw. die geliebte Partnerin einen schon bald verlassen wird- ohne dass es dafür in der Wirklichkeit irgendwelche tatsächlichen Hinweise gibt. Das kann auch umgekehrt die quälende Angst sein, man selber könnte plötzlich nichts mehr für seine/n Partner/in empfinden- und das, obwohl im Augenblick in der Partnerschaft alles in Ordnung ist.

Möglich sind auch andere quälende Gedanken, wie etwa die ständige bildhafte Vorstellung, wie der Sex des eigenen Partners bzw. der eigenen Partnerin mit vorherigen Exfreundinnen bzw. Exfreunden ausgesehen haben könnte.

Bei (heterosexuellen) Männern findet sich außerdem sehr häufig der Zwangsgedanke, „eigentlich“ homosexuell und damit unfähig zur Partnerschaft mit einer Frau zu sein.

Ein Beispiel für eine sexuelle Zwangshandlung wäre der permanente Drang, sich pornografische Videos ansehen zu müssen, auch wenn keine sexuelle Erregung besteht und dieser Drang als unangenehm empfunden wird..

5. Angststörungen

Auch Angst ist ein häufiges Thema in der Sexualtherapie. Zu beachten ist, dass Menschen mit Angststörungen selbst häufig die Angst gar nicht als das Hauptsymptom erkennen und vor allem körperliche Symptome erleben wie z.B. Schwindelgefühle, Herzrasen, Magenschmerzen etc.

Eine Angststörung bzw. phobische Störung liegt immer dann vor, wenn

  • die Angst der Situation nicht angemessen ist
  • die Angst länger deutlich anhält als die angsterregende Situation andauert
  • die besondere Form der Angst nicht erklärbar und beeinflussbar ist
  • die Angst zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führt
  • die Angst zu Einschränkungen im Kontakt mit anderen Menschen führt.

Auf sexuellem Gebiet gibt es vor allem die Versagensangst, die im Extremfall dazu führt, dass Betroffene sexuelle Begegnungen grundsätzlich vermeiden. Dazu kommen spezielle Formen der Angst wie etwa Gymnophobie, also die Angst, selber nackt zu sein oder andere Menschen nackt zu erleben.

6. Sexuelle Probleme und psychische Störungen
bei einer Borderline-Störung

Hauptmerkmal der Borderline-Störung ist eine kaum auszuhaltende innere Anspannung, die sich häufig in selbstschädigendem Verhalten Erleichterung verschafft.

Das können Selbstverletzungen sein (z.B. durch Ritzen), aber auch Hochrisikoverhalten wie Gebrauch von Suchtmitteln, riskantes Autofahren oder eine wenig kontrollierte Sexualität mit wechselnden Partner/innen. (Wobei in letzterem Fall dieses Verhalten gerade bei jungen Frauen auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, sexuell ausgenutzt zu werden.)

Das ist insofern besonders problematisch, da Menschen mit einer Borderline-Störung oft bereits in der Kindheit sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren, und sich somit traumatische Erfahrungen der Vergangenheit immer weiter fortsetzen. Vgl. dazu auch das Fallbeispiel Sexuelle Gewaltfantasien bei Frauen.

Menschen mit Borderline-Störung haben häufig eine große Sehnsucht nach einer engen und dauerhaften Beziehung. Da sie in ihrer Kindheit oft nicht erfahren konnten, was die Geborgenheit in einer Familie bedeutet (inkl. aller Aufs und Abs, die im Alltag dazugehören), haben Menschen mit Borderline-Störung oft unrealistische Erwartungen an eine Beziehung. Das zeigt sich in vielen Fällen durch
die Neigung, andere Menschen entweder stark zu idealisieren oder abzuwerten.

Das kann in einer Beziehung dazu führen, dass die Vorzüge des Partners bzw. der Partnerin zunächst völlig überhöht positiv gesehen werden mit der Folge einer um so tieferen Enttäuschung, wenn der Partner bzw. die Partnerin diese hohen Erwartungen später nicht auf Dauer erfüllen kann.

Von daher erklärt sich, dass Beziehungen, auch wenn sie mit großen Erwartungen begonnen wurden, oft nicht sehr lange anhalten- es sei denn, der Partner bzw. die Partnerin bringen sehr viel Verständnis für die Erkrankung auf und schaffen es, die Partnerschaft auf einem mittleren Level zischen Idealisierung und Entwertung zu stabilisieren.

Neben einer speziellen Therapie mit dem Ziel des Spannungsabbaus (und ggf. auch der Traumaverarbeitung) für den Borderline-Patienten bzw. die Borderline Patientin, kann also auch eine paartherapeutische Begleitung sinnvoll sein.

7. Sexuelle Probleme und psychische Störungen
bei Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind gemäß der ICD-10, dem Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation, „tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen.“

In der Regel verspüren Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung selbst nur geringen Leidensdruck- ihre Umwelt oder ihre Partnerinnen oder Partner dafür umso mehr. Rein statisch ist jede fünfte Partnerschaft betroffen.

Vgl. dazu den ausführlichen Beitrag über Perönlichkeitsstörungen in der Partnerschaft.

8. Sexuelle Probleme und psychische Störungen:
Weitere Störungsbilder

Hierzu gehören z.B. Störungen im Bereich des Autismusspektrums.
Auch wenn Autisten Schwierigkeiten haben, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, haben sie trotzdem sexuelle Bedürfnisse, die in der Regel durch Masturbation befriedigt werden.

Hier kommt es auf eine behutsame Sexualerziehung an, welche den Betroffenen nichts aufdrängt (und keinesfalls sexuell ausbeutet!), gleichzeitig aber auch vor Situationen schützt, die ihnen schaden (Masturbation in der Öffentlichkeit, Verletzungen durch Einsatz ungeeigneter Gegenstände bei der Masturbation).
Vgl. dazu den Aufsatz zu Sexualität und Autismus von Karin Dreisigacker.

Beim Asperger-Syndrom verspüren Betroffene oft den lebhaften Wunsch nach Partnerschaft und Sexualität. Eine große Schwierigkeit bereitet allerdings das Kennenlernen eines geeigneten Partners bzw. einer geeigneten Partnerin, die Verständnis für die Eigenheiten von Menschen mit Asperger-Syndrom hat (Spezialinteressen, Reizüberforderung bei sozialen Anlässen etc.). Um diese Schwierigkeit zu überwinden, kann eine einfühlsame Therapie sehr hilfreich sein, die darauf abzieht, soziale Skills einzuüben und zu trainieren.

ADHS im Erwachsenenalter kann sich im Bereich Sexualität auf sehr unterschiedliche Art und Weise auswirken. Während Frauen mit ADHS oft erst relativ spät mit Ende 20 ihre Freude an der Sexualität entdecken, haben junge Männer mit ADHS oft ein stark gesteigertes sexuelles Interesse („Hypersexualität„).

Beiden Geschlechtern gemeinsam ist bei ADHS oft eine überdurchschnittliche Experimentierfreude beim Sex und eine große Akzeptanz auch von Partnern, die nicht dem gängigen Idealbild entsprechen. Impulsivität und rasche Stimmungsumschwünge können in der Partnerschaft Beziehungsprobleme bereiten. In solchen Fällen kann eine Paartherapie dazu beitragen, das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Eigenheiten des anderen Partners zu fördern.

Sexuelle Probleme und psychische Störungen: eine Aufgabe für den Spezialisten

Ob eine psychische Erkrankung (Mit-)Ursache für sexuelle Probleme ist oder nicht, ist oft auch für den Spezialisten nicht auf den ersten Blick erkennbar. Deswegen sind spezielle Untersuchungen nötig, um genaue Klarheit zu gewinnen und auf dieser Grundlage das geeignete Therapieverfahren zu wählen (z.B. Verhaltenstherapie oder Gesprächstherapie).

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Hypersexualität-
ist zu viel Sex krank?

Arthur Schnitzler- ein Beispiel für Hypersexualität?
Hypersexualität: ist Arthur Schnitzler dafür ein Beispiel?

Hypersexualität-
was bedeutet das eigentlich?

Wörtlich übersetzt bedeutet Hypersexualität „zu viel an Sexualität“. Wissenschaftlich gesehen gibt es keine klare Definition. Objektiv lässt sich nur feststellen, dass Menschen sehr unterschiedlich häufig Sex haben: manche nie oder nur sehr selten, andere mehrmals am Tag. Und das kann sich bei genau dem gleichen Menschen phasenweise immer wieder ändern.

Der Wiener Arzt und Schriftsteller Arthur Schnitzler war zum Beispiel stolz darauf, es als junger Mann mit seiner damaligen Freundin in nur einem Jahr geschafft zu haben, über 1000 Mal Sex gehabt zu haben. Ist ein solcher Rekord als krank einzusstufen, als ein Zuviel an Sex, mit dem Krankheitstitel Hypersexualität? Ist er selber als Opfer von Hypersexualität anzusehen oder auch seine Freundin?

Für den amerikanischen Psychiater Martin Kafka wären beide krank: er hält alles, was über 6 Orgasmen pro Woche hinausgeht, für bedenklich, ebenso jede Beschäftigung mit Sex mehr als eine Stunde am Tag.

Hypersexualität-
eine Erfindung von Moralaposteln?

Tatsächlich kommen vor allem aus den USA Stimmen, welche ein zu viel an Sex als ein psychologisches Krankheitsbild festsetzen möchten. Wissenschaftliche Begründungen für eine solche Grenzsetzung gibt es nicht. Es ist zu vermuten, dass dieser Wille zur Sexbegrenzung vor allem in einer sehr konservativen Sexualmoral begründet ist.

In der wissenschaftlichen Diskussion in Europa ist man sich dagegen weithin einig, dass ein Verhalten nur dann einen „nosologischen Charakter“ (Krankheitswert) hat, wenn es mit physischen oder psychischen Schädigungen für den Betroffenen oder dessen soziale Umgebung einhergeht.

Mit dieser Definition lässt sich der Fall Schnitzler deutlich flexibler beurteilen: Wenn wir davon ausgehen wollen, dass es Schnitzler und seiner Freundin gemeinsam sehr viel Spaß gemacht hat, ihren gemeinsamen Sexrekord aufzustellen, dann wäre beider Verhalten zwar ungewöhnlich, aber keinesfalls eine Krankheit.

Wenn sich allerdings herausfinden ließe, dass es allein der junge Arzt war, der seine Freundin zu so viel Sex drängte, ohne dass die dazu eigentlich richtig Lust hatte- dann wäre der Krankheitswert vorhanden (Schädigung der sozialen Umwelt durch eigenes Verhalten).

Gleichfalls wäre Schnitzlers Verhalten problematisch, wenn er weniger aus Freude an der Sache zu so viel Sex gekommen wäre, sondern aus einem inneren Zwang heraus gehandelt hätte, der ihm aufgezwungen hätte, einen solchen Rekord aufstellen zu müssen.

Hypersexualität-
Kriterien für eine mögliche Erkrankung

Folgende Punkte können also Anzeichen sein, dass sehr viel Sex tatsächlich eine psychische Erkrankung darstellt:

  • Leidensdruck: Der oder die Betroffene empfinden das von ihnen ausgelebte Mass an Sex (mit oder ohne Partner) als zu viel und leiden darunter, z.B. weill sie dadurch andere wichtige Tätigkeiten vernachlässigen (z.B. berufliche Erfordernisse oder sonstige persönliche Interessen).
  • Nötigung des Partners oder der Partnerin: Unfähigkeit, in der Partnerschaft akzeptieren zu können, dass der oder die andere nicht so oft das Bedürfnis zum Sex hat als man selbst.
  • Unfähigkeit, auf eine Möglichkeit zum Sex zu verzichten, auch wenn dadurch einen persönlicher Schaden entstehen kann. Z.B. Nutzung des PC am Arbeitsplatz für privaten Pornokonsum, Sex mit Unbekannten ohne Abklärung des Risikos von Geschlechtskrankheiten und Verhütung…. (gestörte Impulskontrolle)
  • Belästigung anderer mit verbalen sexuellen Anspielungen oder Handlungen (Angrapschen etc.) ohne deren explizites Einverständnis
  • hohe Promiskuität (zahlreiche, wechselnde Sexualpartner) ohne expliziten Wunsch danach
  • Ausbleiben des Gefühls wirklicher sexueller Befriedigung trotz intensiver sexueller Betätigung
  • suchtartiges Sexualverhalten, bei dem keine eigene Kontrolle mehr möglich schient (vgl. dazu meinen Beitrag zu Wie erkennt man Pornosucht?)

Alle diese Hinweise weisen zwar auf mögliche psychische Erkrankungen hin, definieren allerdings kein klar feststellbares Krankheitsbild von Sexsucht bzw. Hypersexualität.

Die Störung im sexuellen Bereich ist also vor allem ein Hinweis darauf, dass es sich lohnen kann, das Thema mit einem kompetenten Therapeuten durchzusprechen- und abzuklären, ob eventuell andere psychische Erkrankungen im Hintergrund stehen, die psychotherapeutisch behandelt werden sollten.

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Weitere Beiträge zum Thema Hypersexualität

Wie erkennt man Pornosucht?
Exzessive Onanie trotz Partnerschaft
Ständig Sex- er will häufiger als ich

Literaturtipp

Schnitzler Jugend in WienArthur Schnitzler (1862-1931) interessierte sich als Arzt und Schriftsteller gleichermaßen für das Thema Sex. Bereits seine Jugenderinnerungen enthalten eine ganze Reihe von Sexerlebnissen. Berühmt (und berüchtigt) wurden seine freizügigen Sexschilderungen im Theaterstück „Der Reigen“ oder in der Erzählung „Elsa“. Seine „Traumnovelle“ von 1926 wurde Vorbild für Stanley Kubricks Film Eyes Wide Shut- einem Klassiker der BDSM-Szene.

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Das erste Mal Sex- worauf kommt es wirklich an?

Das erste Mal Sex

Das erste Mal Sex- Vorübung
oder entscheidender Eindruck?

Radiointerview Das erste Mal Sex
Hier der Radiomitschnitt.

Interview mit Dr. Michael Petery
in der Sendung Let´s talk about Sex bei Radio 89.0 RTL

Das erste Mal Sex- warum erinnern wir uns alle daran?

Erinnerungen werden dann besonders gut gespeichert, wenn eine emotionale Komponente beteiligt ist. Deswegen ist es leicht, sich an Personen und Erlebnisse zu erinnern, die uns etwas bedeuten- und aus genau dem gleichen Grund ist es für die meisten von uns schwer, sich mathematische Formeln zu merken, die uns emotional nur sehr wenig sagen.

Beim ersten Mal Sex sind wir alle mit unseren Gefühlen stark beteiligt. Das kann Stolz sein, Aufregung, Neugier, aber auch Angst oder sogar Ekel. Bei so starken Gefühlen ist das keine große Überraschung, dass wir uns alle an unser erstes Mal Sex gut erinnern können.

Dass wir Erlebnisse mit großem emotionalen Wert besonders gut erinnern, ist übrigens nicht sexspezifisch, sondern tritt auch auf bei anderen Lebensereignissen, die mit starken Gefühlen verbunden sind. Die meisten erinnern sich zum Beispiel sehr gut an den ersten Schultag, an die Abschlussprüfung oder an den Todesfall eines nahestehenden Menschen.


Das erste Mal Sex: Was sollte man beachten?

Das Wichtigste gleich als erstes:
Es gibt kein richtig oder falsch für den ersten Sex.

Es gibt auch keine festgesetzten Regeln, welches Programm da abzulaufen hat.

Das erste Mal muss nicht zwangsweise mit dem Orgasmus beider Partner im Koitus enden oder ein unglaublich schönes Erlebnis der Zweisamkeit werden. Eine solche Vorstellung ist insgesamt ziemlich unrealistisch.

Das gilt insbesondere dann, wenn bei der Frau das Jungfernhäutchen noch vorhanden ist und es beim ersten Sex durchtrennt wird. Das tut (in Maßen) weh- und danach sollte erst einmal Schluss mit dem Sex sein, außer die Frau erklärt ausdrücklich, dass sie weitermachen will.

Viele Menschen haben in Bezug auf das erste Mal eher zwiespältige Erinnerungen. Sex ist ein Spiel, das etwas Übung und Erfahrung braucht.
Viel wichtiger als die Frage nach dem ersten Sex ist aus sexualtherapeutischer Sicht, wie der Sex in der Gegenwart läuft.

Das erste Mal Sex: Was sollte man einfach „geschehen“ lassen?

„Geschehen lassen“ ist beim Sex nie eine gute Idee.

Wenn ich den Partner (oder auch die Partnerin) beim Sex Sachen machen lasse, die ich selbst nicht will, dann vergifte ich damit die Partnerschaft. Denn wenn ich etwas zugelassen habe, was ich aktiv gar nicht wollte, dann stauen sich innerlich Vorwürfe auf- nach dem Motto: Warum war der oder die denn so unsensibel, dass sie nicht gemerkt hat, dass ich gar nicht so weit gehen wollte?
Und so weit sollte es gar nicht erst kommen.

Wichtig ist also: Schlicht und einfach miteinander zu reden, auch in Sachen Sex. Dem Partner oder der Partnerin also schon vorher zu sagen, was man sich erwartet und wo die eigenen Grenzen sind.
Es ist nicht falsch, auch zwischendurch mal nachzufragen: Gefällt dir das so? Magst du das? Sollen wir so weitermachen oder vielleicht noch etwas anderes ausprobieren?

Sex funktioniert dann am besten, wenn beide aktiv mitspielen und sich beide Partner gemeinsam auf Entdeckungsreise begeben!


Wie ist das beim ersten Mal in einer neuen Partnerschaft?

Warum ist man dabei immer noch aufgeregt? Gibt es einen richtigen Zeitpunkt? Was sollte man beachten (Lachen können, Verhütung)?

Klar, wenn es in einer neuen Partnerschaft zum ersten Sex kommt, ist das immer eine aufregende Sache. Schließlich sind beide Partner neugierig, wie da der andere zu einem passt. Möglicherweise kommt auch noch der Wunsch dazu, beim ersten Sex einen tollen Eindruck machen zu wollen (was auch immer das sein soll).

Mein Tipp wäre, da ein bisschen Druck raus zu nehmen. Richtig guter Sex braucht in den meisten Partnerschaften Zeit. Es dauert eben, bis man sich richtig kennengelernt hat, auch auf sexuellem Gebiet. Deshalb sollten beide den ersten Sex in einer neuen Partnerschaft nicht überbewerten. Es ist völlig normal, wenn einer oder beide Partner erst nach ein paar Wochen beim Sex einen Orgasmus bekommen- auch wenn wir in unseren Köpfen vielleicht ein ganz anderes Bild vom feurigen Beginn einer Beziehung haben.

Ob es in einer neuen Partnerschaft gleich beim ersten Date oder erst nach ein paar Wochen zum ersten Sex kommt, hat neueren Studien zufolge keinen Einfluss auf die Dauerhaftigkeit der Beziehung. Deshalb ist es weder sinnvoll, den ersten Sex künstlich hinauszuzögern- und auch nicht, den ersten Sex möglichst gleich beim ersten Date zu erzwingen.

In einer Partnerschaft lernen sich zwei Menschen über kurz oder lang sowieso in all ihren Vorzügen und ihren Nachteilen kennen. Daher lohnt es sich auch nicht, dem anderen irgendetwas beim ersten Sex vorspielen zu wollen.

Wichtig ist allein der Wunsch und die Freude, genau mit diesem Menschen zusammen sein zu wollen: und eine gemeinsame Form des Sex zu entdecken, die beiden Spaß macht.

Dazu gehört natürlich, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Zu guten Sex gehört dazu, dass sich die Partner schon vorher darüber Gedanken machen, wo sie dabei nicht gestört werden und welche Form der Verhütung sinnvoll ist.

Und auch dafür gibt es ein gutes Mittel: einfach offen miteinander zu reden!

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Reden über Sex

Reden über Sex

Reden über Sex-
Interview mit Dr. Michael Petery

Reden über Sex- warum halten Sie es aus der therapeutischen Sicht für wichtig, das Thema Sex mit dem Partner bzw. Sexpartner von einer etwas trockeneren Seite anzugehen und zu besprechen?

Wir Menschen sind alle unterschiedlich, nicht nur genetisch, sondern auch durch unsere Erziehung, durch unsere persönlichen Erfahrungen. Das bedeutet: niemand kann davon ausgehen, dass seine Partnerin oder sein Partner bei Sex genau dieselben Vorstellungen haben wie man selber. Und das, obwohl im Zustand der Anfangsverliebtheit die meisten Paare glauben, der andere wäre die 100%-Ergänzung zu einem selbst.

Natürlich kann man eine Menge schönen Sex gemeinsam auch nonverbal und spielerisch herausfinden. Das ist eine großartige Sache, die viel Spaß macht! Trotzdem besteht da die Gefahr, nur durch Spiel und Probieren wichtige gemeinsame Möglichkeiten zu übersehen, was sich durch gemeinsames Drüberreden vermeiden ließe.

Und richtig notwendig ist das Reden dann, wenn es beim Sex Probleme gibt. Mir sind zum Beispiel in meiner Praxis bereits Männer begegnet, die ich gefragt habe, ob Ihre Partnerin beim Sex einen Orgasmus bekommt. Und die dann sagten: Wahrscheinlich ja, aber ich weiß es nicht. Spätestens da wäre es unbedingt angezeigt, miteinander zu reden.

Reden über Sex- inwiefern kann es den Sex verbessern, wenn man darüber spricht?

Den besseren Sex gibt es dadurch, dass sich die beiden Partner besser kennenlernen. Erstaunlich viele Leute haben immer noch das traditionelle Normsex-Konzept im Kopf: Sex funktioniert nach diesem Modell so: der Mann dringt bei der Frau ein, dann dauert der Koitus mindestens 3, aber höchstens 15 Minuten- und die Frau bekommt einen Orgasmus, der Mann bekommt einen Orgasmus, und das war´s.
Diese Art von Sex funktioniert in der Praxis bei den wenigsten Paaren. Es gibt viele Männer und Frauen, die ihren Orgasmus überhaupt nicht beim Koitus bekommen. Und die trotzdem guten Sex haben! Wobei dann der Koitus ein Vorspiel sein kann, das die Erregung aufbaut, und der Orgasmus erst danach stattfindet. Das tut der Zärtlichkeit beider Partner keinen Abbruch.

Da ist es wichtig, die sexuellen Bedürfnisse und Wünsche des anderen Partners zu kennen. Und zu wissen: Genau das ist es, was meiner Partnerin oder meinem Partner gefällt. Wer nicht darüber redet, wird solche Wünsche jenseits des Normsex nur sehr schwer herausfinden.

Erst recht gilt das für etwas ausgefallenere Wünsche wie z.B. die Frage, ob dem/der eigenen Partner/in Fetischkleidung oder Toys im Bett gefallen oder ob BDSM etwas sein könnte, was beiden Spaß macht. So etwas lässt sich mit Sicherheit im Gespräch besser herausfinden als durch den Überraschungsangriff im Schlafzimmer.

Reden über Sex- wo machen Sie zwischen Dirtytalk, Sexting und einem normalen Gespräch über den Sex in der Partnerschaft die Unterschiede fest?

Dirtytalk bedeutet, sich gegenseitig durch eine stark sexualisierte Sprache zu erregen. Sexting meint den Austausch erotischer Nachrichten oder Bilder per Handy.

Das beides sind sexuelle Praktiken, die in den Bereich der Verbalerotik gehören. Dirtytalk und Sexting sind kein Reden über Sex, sondern bereits praktizierte Sexualität. Deshalb ist es wichtig, dass Dirtytalk und Sexting nur im gegenseitigen Einverständnis aller Beteiligten stattfinden- ansonsten wäre das ein sexueller Übergriff ganz ähnlich wie ungefragtes Angrapschen.

Reden über Sex ist eine ganz andere Sache. Vielleicht lässt sich das am besten im Vergleich mit der Planung eines Galadinners vergleichen. Die gemeinsame Planung macht Spass und kann das spätere Festessen erheblich verbessern. Aber die Planung ist noch nicht das Essen selbst. Sexting dagegen kann eine Vorspeise sein und Dirtytalk das passende Gewürz.

Das Reden über Sex kann in diesem Sinne eine Art Vorplanung sein- es kann aber auch zur Nachbesprechung dienen, genauso wie nach dem Galadinner, um es das nächste Mal vielleicht noch anders oder noch aufregender zu gestalten- oder auch um festzustellen, dass es genauso absolut wunderbar gewesen ist.

Ist das Gespräch über den Sex tendenziell eher unsexy?

Das Reden über Sex ist nicht der Sex selbst, genauso, wie das Kochrezept nicht das richtige Essen ersetzt. Aber auch das Reden über Sex kann bereits den Appetit anregen. Insofern kann also auch Reden über Sex durchaus sexy sein.

Wobei haben die meisten ihrer Klienten Schwierigkeiten, wenn Sie ihnen empfehlen über den Sex zu sprechen?

Den meisten Menschen fällt das Reden über Sex schwer, weil wir das in unserer Gesellschaft nie gelernt haben. Auch Paare, die schon viele Jahre miteinander zusammen sind, wissen oft nicht, welche erotische Fantasien der andere beim Sex hat oder ob der/die andere für sich allein gerne masturbiert.

Richtig schwierig wird es, wenn es um besondere Vorlieben wie Fetischismus oder BDSM geht. Da haben eigentlich fast alle Schwierigkeiten, wie sie darüber mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner reden sollen. Häufig ist ein solches Gespräch erst in der geschützten Umgebung einer Paartherapie möglich.

Dabei ist es absolut wichtig, gerade über solche Fantasien und Wünsche zu sprechen, wenn es in einer Beziehung sexuelle Probleme gibt. Nur wenn beide Partner wissen, was den anderen richtig heiß macht, kann sich das Sexleben verbessern.

Nicht in dem Sinne, dass jetzt alles ausgelebt werden muss, was da an Fantasien und Wünschen hochkommt: Bei jedem Paar gibt es immer Vorlieben, die nur der eine mag und der andere gar nicht. Aber ohne das gemeinsame Reden lassen sich neue Gemeinsamkeiten, die beiden gefallen, nur schwer finden.

Wie waren die Erfahrungen ihrer Klienten, nachdem sie es schließlich versucht haben?

Das Reden über Sex kann eine riesige Erleichterung sein. Das gilt übrigens nicht nur für Paare, sondern auch für Einzelklientinnen und -klienten, die in ihrer Therapie das erste Mal zum Beispiel über sexuelle Versagensängste oder sexuelle Zwangsgedanken reden konnten.

Das Reden ist der erste Schritt zu mehr Freiheit, zu mehr Lebensqualität und zu besserem Sex.

Wie äußert man seine Wünsche am besten? Besonders auch ausgefallene Wünsche?

Sinnvoll ist es, bei sexuellen Wünschen die Partnerin oder den Partner nicht mit direkten Fragen zu überfallen, auf die sie oder er nur mit Ja oder Nein antworten kann. Es ist zum Beispiel auch in einer langjährigen Beziehung mit Sicherheit keine gute Idee, aus heiterem Himmel im Schlafzimmer mit einem Paar Handschellen anzukommen und zu sagen: „Ich bin übrigens ein Fan von Bondage. Darf ich dich mal ans Bett fesseln?“ Die Gefahr, dass die oder der andere dann gleich Nein sagt, ist hoch- und sei es nur deswegen, weil es der bzw. dem anderen peinlich ist, so plötzlich und so direkt mit einer solchen Frage konfrontiert zu werden.

Viel besser ist es, das Ganze etwas langfristiger anzugehen und das Thema eher indirekt anzusprechen. Und am besten nicht beim Sex und nicht im Schlafzimmer, sondern vielleicht bei einem gemeinsamen Spaziergang, wo die oder der andere nicht befürchten muss, das diese Wünsche jetzt sofort in Realität umgesetzt werden.

Das könnte etwa so gehen: „Was ich dir von mir schon immer mal erzählen wollte, ist, dass mich die Vorstellung von Bondage und Fesseln ziemlich erregt. Wie geht es dir eigentlich mit dem Thema?“ An der Reaktion des anderen wird dann ziemlich schnell klar, ob das Gespräch weitergehen kann oder nicht. Und auch wenn die oder der andere nicht darüber reden mag, dann hat es zumindest keine definitive Abfuhr gegeben- und vielleicht kommt irgendwann wieder eine neue Gelegenheit, darüber zu reden.

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Vgl. auch
mein Interview bei ze.tt Wie sich euer Sex verbessert, wenn ihr öfter drüber redet (Zeit online)
und meinen Beitrag Bedürfnisse beim Sex: Wie rede ich darüber?

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Noch nie Sex- und das
als Mann mit über 30

Noch nie Sex
Noch nie Sex?

Noch nie Sex- wenn mangelnde
Erfahrung zum Problem wird

Auf jetzt.de kam das Thema wieder einmal zur Sprache: Mitte 30, männlich und noch Jungfrau.
Wie schlimm ist es eigentlich, wenn ein Mann über 30 immer noch keine sexuelle Erfahrung hat? Hat er überhaupt noch Chancen, eine Partnerin zu befriedigen? Wenn er beim ersten Sex sich so ungeschickt verhält wie ein 16-Jähriger?

Die Tendenz zu einem immer späteren Einstieg ins Sexualleben beobachtete schon 2015 eine Studie zur Jugendsexualität, durchgeführt von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bei den unter 17-Jährigen ist der Anteil von Jugendlichen mit Koituserfahrung gegenüber dem vorherigen Beobachtungszeitraum 1998-2005 erheblich zurückgegangen (dort S.8).

Insgesamt sammeln Frauen ihre sexuellen Ersterfahrugen etwas früher als Männer: Während 90% der Frauen bereits mit 19 Jahren Koituserfahrung haben, liegt bei Männern diese 90% Grenze erst bei 21. Die Studie kommt zu dem Schluss:

Die Mehrzahl der 18-bis 25-Jährigen ist regelmäßig sexuell aktiv –aber es gibt durchaus einen beträchtlichen Anteil unter ihnen, für die dies nicht zutrifft (36% „nur zeitweise/gelegentlich“, 7% „nie“). Entscheidend für regelmäßigen Sexualverkehr ist, dass sie aktuell in einer festen Beziehung leben.“ (S.141).

Die sexuelle Ersterfahrung findet also in der Regel innerhalb einer Beziehung statt- Wer keine Beziehung hat, hat auch keine Gelegenheit für sexuelle Erfahrungen.

Noch nie Sex-
und noch nie in einer Beziehung?

Wenn ein Mann mit über 30 noch keine sexuelle Erfahrung hat, liegt das also in der Regel daran, dass er noch nie in einer festen Beziehung gelebt hat. Und diese mangelnde Erfahrung des Zusammenlebens mit einem Partner kann tatsächlich zum Hindernis für eine erste Beziehung werden:

  • Wer mit über 30 noch nie in einer Partnerschaft gelebt hat, brauchte bisher in seinem persönlichen Lebensstil nur wenig Kompromisse einzugehen. Das fängt bei der Gestaltung des Tagesrhythmus, der Wochenenden und der Mahlzeiten an, geht weiter über die Planung des Urlaubs und der Freizeitaktivitäten und geht hin bis zur Frage, für welche Großanschaffungen man bereit ist, Geld auszugebe und für welche nicht.
  • Oft kommt noch dazu, dass sich über 30-jährige Singles schon komplett nach ihrem eigenen Geschmack die eigenen Wohnung eingerichtet haben. Für eine zweite Person ist da schlicht kein Platz vorhanden. Für den Partner oder die Partnerin müsste Platz freigeräumt werden- und das wäre geradezu ein Angriff auf den eigenen Wohlfühlraum.
  • Auch das Zusammenziehen in eine gemeinsame Wohnung ist schwierig: Schließlich ist an Hausrat und Möbeln bei über 30-Jährigen Singles meist alles schon doppelt vorhanden. Wer also darf seine Gegenstände und Möbel behalten? Von wieviel liebgewonnenem Eigentum muss sich jeder von beiden trennen?

Noch nie Sex- für Singles über 30
nur eine Schwierigkeit von vielen

Das möglicherweise ungeschickte Verhalten beim ersten Sex ist für Über-30-Jährige ohne Beziehungserfahrung also nur die Spitze des Eisbergs an Problemen, die durch einen ersten Partner/ eine erste Partnerin auf sie zukommen.

Die größte Schwierigkeit ist dann gegeben, wenn man selbst völlig beziehungsunerfahren ist und der neue Partner/die neue Partnerin nicht. Dann kann es sein, dass der oder die Neue ganz selbstverständlich ein Maß an Kompromissbereitschaft und Anpassungsfähigkeit erwarten, das ein Mensch ohne Beziehungserfahrung schlichtweg nicht mitbringen kann.

Da sind die Probleme dann gleich reihenweise vorprogrammiert. Und die mögliche Ungeschicklichkeit beim Sex ist letztlich eher weniger wichtig. Der eigentliche Ärger kann dann bei ganz anderen Punkten entstehen, etwa beim Streit, ob das Fenster im Schlafzimmer nachts offen oder zu bleiben soll und die Heizung laufen darf oder nicht.

Noch nie Sex-
Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Dem neuen Partner oder der Partnerin die eigene Unerfahrenheit verschweigen zu wollen, ist Unsinn. Das merkt der oder die andere entweder sowieso sofort, oder die eigene Verstellung wirkt so unnatürlich und merkwürdig, dass der oder die Partnerin nach dem ersten Mal die Flucht ergreifen.

Sinnvoll ist einzig und allein, von vornherein mit offenen Karten zu spielen. „Ja, auch wenn ich jetzt über 30 bin: Ich habe noch ie in einer festen Beziehung gelebt. Du bist tatsächlich die (bzw. der) erste, mit der/dem ich Sex haben werde.“ Und das kann dann sogar auch für den erfahreneren Partner eine hochspannende und sehr erotische Erfahrung sein, hier ein wenig die Führung zu übernehmen und den anderen in die Welt der Sexualität einzuführen.

Und auch bei der Bewältigung des gemeinsamen Alltags kann es helfen, darum zu wissen, dass jeder Mensch mit über 20 durchaus eine ganze Reihe an Eigenheiten entwickelt hat. Und es kann sogar spannend sein und Spaß machen, bewusst zu planen, wie ein Leben zu zweit funktionieren kann, in dem trotzdem jeder die Freiräume behält, die für ihn unverzichtbar sind.

Sollten die Probleme allerdings zu groß werden, um sie alleine lösen zu können, sind einige Stunden Paarberatung oder Paartherapie mit Sicherheit eine gute Investition.

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Vgl. auch meinen Beitrag
Zusammenziehen oder nicht? Testfall für die Partnerschaft

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Zuletzt aktualisiert am 18.09.2017.

Klischees über Männer-
Interview mit Dr. Michael Petery

Klischees über Männer

Klischees über Männer

Radiointerview Klischees über Männer
Hier der Radiomitschnitt.
Kleiner Hinweis: Dr. Petery ist Humanbiologe (Dr. rer. biol. hum.), nicht Psychologe.

Interview mit Dr. Michael Petery
in der Sendung Let´s talk about Sex bei Radio 89.0 RTL

Klischees über Männer: Was ist „typisch“ Mann? Was nervt, was stimmt, was nicht?

Beispiele für Klischees über Männer sind: Männer schauen alle Pornos. Männer gehen öfter fremd als Frauen. Männer wollen immer nur Sex. Männer sind unsensibel, hören nie zu.
Männer müssen immer stark sein, zeigen nie Schwäche.

Klischees über Männer: Wie entstehen solche Klischees?

Klischees haben aus psychologischer Sicht ursprünglich eine Schutzfunktion. Auf einer ganz primitiven Stufe gibt es Klischee-Verallgemeinerungen, die durchaus Sinn machen, z.B. der Satz: Alle Löwen sind gefährlich und fressen Menschen.

Es ist gut, wenn ich als Mensch einen solchen Satz verinnerlicht habe, sogar auch dann, wenn es rein theoretisch dressierte Löwen geben könnte, die zu Menschen nur nett sind. Wenn ich aber plötzlich auf der Straße einem Löwen begegne, ist es das beste: Ich denke sofort diesen Satz, habe Angst und laufe davon.
Ein solcher Klischee-Satz schützt mich davor, groß nachzudenken: Ich renne sofort los, wenn ich den Löwen sehe. Mein Handeln ist so sehr viel effektiver, als wenn ich erst darüber nachdenken muss, ob denn dieser konkrete Löwe eigentlich gefährlich ist oder nicht.

Psychologisch gesehen, haben solche Verallgemeinerungen also vor allem diesen einen Sinn: mich davor zu schützen, dass ich mich mit einem konkreten Einzelfall wirklich auseinandersetzen muss.
In der Partnerschaft sind solche Klischees absolutes Gift. In einer Partnerschaft geht es nämlich immer um einen konkreten Einzelfall, nämlich um den Menschen, mit dem ich in einer Beziehung lebe.
Wenn ich als Frau in mir drin einen Satz herumtrage wie „Alle Männer sind unsensibel und hören nie zu“, dann verbiete ich mich selber wahrzunehmen, dass möglicherweise gerade in diesem Moment genau der Mann vor mir sitzt, der mir zuhören will. Und ich gebe diesem Mann dann wegen meiner eigenen vorgefassten Meinung keine Chance, mir zuzuhören.

Wenn ich felsenfest von solchen Sätzen überzeugt bin wie z.B. „Alle Männer sind unsensibel und hören nie zu!“- dann brauche ich mich auch als Frau nicht mehr zu bemühen, einem Mann irgendetwas zu erklären. Es macht ja sowieso keinen Sinn.

Klischees über Männer: Ist das wirklich typisch Mann?

Klar, es gibt Unterschiede zwischen Mann und Frau. Experimente haben zum Beispiel gezeigt, dass Männer und Frauen eine unterschiedliche Farbwahrnehmung haben. Frauen sehen die Welt in kräftigeren Farben als Männer. Dieser Unterschied scheint tatsächlich genetisch gegeben zu sein und für alle Männer zu gelten.

Aber da hören dann auch schon die allgemein nachweisbaren psychologischen Unterschiede auf. Sätze wie „Männer schauen alle Pornos.“ oder „Männer wollen immer nur Sex.“ sind offensichtlich falsch, da es ja auch viele Gegenbeispiele gibt.

Klischees über Männer:
Was ist noch ok und was ist nicht zu tolerieren?

Es gibt keine allgemeine Regel, was eine Frau in einer Partnerschaft beim Mann durchgehen lassen soll und was nicht.

Die entscheidende Frage ist vielmehr: Welches konkrete Verhalten dieses einen Mannes stört mich als seine Partnerin so sehr, dass es die Partnerschaft bedroht?

Und das kann von Fall zu Fall höchst unterschiedlich sein. Bei Paartherapien habe ich da in meiner eigenen Praxis schon die unterschiedlichsten Dinge erlebt. Eine Klientin störte sich daran, dass ihr Mann oft am Wochenende ohne sie allein im Wald Stunden lang spazieren ging (wobei sie selber keine Lust hatte mitzukommen)- eine andere Frau wiederum fand es unerträglich, dass sie die Wohnung niemals für sich allein haben konnte, weil ihr Mann überhaupt kein Hobby hatte, das ihn jemals nach draußen gebracht hätte.

Wenn ich als Frau also etwas habe, was für mich absolut nicht OK ist, muss ich das dem Mann sagen. Viele Frauen gehen wie selbstverständlich davon aus, dass ihre Männer wissen, was sie stört- und in der Paartherapie sind dann oft beide überrascht nach dem Motto: „Ach, das stört dich an mir?“ „Ja klar, das hättest du doch schon längst merken müssen.“ „Aber ich habe da gar nichts gemerkt, weil du es mir nie gesagt hast.“

Erst wenn solche störenden Punkte offen ausgesprochen sind, ist es möglich, gemeinsam Lösungen für das Problem zu finden.

Klischees über Männer:
Kann man einen Mann noch „erziehen“?

Den anderen zu erziehen, funktioniert in der Partnerschaft ganz bestimmt nicht. Erziehen kann man nur Kinder.

In der Partnerschaft bedeutet Erziehung, dass derjenige, der in der Erzieherrolle ist, den anderen nicht mehr gleichrangig als Erwachsenen wahrnimmt. Und damit ist die Partnerschaft auf Augenhöhe am Ende. Was danach bestenfalls och übrig bleibt, ist wechselseitige Abhängigkeit. Das hat aber mit Partnerschaft nicht mehr viel zu tun.

Übrigens gibt es das in der Praxis gar nicht so selten, dass ein Partner den anderen auf solche Weise entmündigt- aber das ist immer das Ende der Partnerschaft im eigentlichen Sinne und funktioniert auf Dauer nur, wenn einer oder beide Partner an einer psychischen Störung leiden.

Wenn mich also etwas an meinem Partner stört, dann sind Erziehungsmaßnahmen wie Belohnung oder Bestrafen der falsche Weg. Helfen kann da nur ein gemeinsames Gespräch über wechselseitige Bedürfnisse. Und wenn die Situation schon so festgefahren ist, dass das Gespräch nicht mehr möglich ist, dann hilft nur noch der Weg zum Paartherapeuten.

Klischees über Männer:
Wie können Frauen lernen, damit zu leben?

Es kommt auf die Gesamtbilanz an. Wenn ich insgesamt mit meinem Partner zufrieden bin, kann ich ihm auch das eine oder andere nachsehen.

Und wenn die Gesamtbilanz stimmt, hat das auch für die Frau Vorteile. Wenn er sich ein paar Dinge herausnehmen darf, dann gibt es auch für die Frau Bereiche, wo sie sich von ihm nicht hereinreden lassen muss.

Und das ist das Geheimnis einer guten Partnerschaft: dass es einen großen gemeinsamen Bereich gibt, aber auch für jeden Partner einzeln genügend Freiräume, wo jeder für sich er oder sie selbst sein kann. Und dieses Wechselspiel von Gemeinsamkeit und Für-Sich-Sein macht eine Partnerschaft auch auf Dauer lebendig und spannend.

 

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Wenn Sie dazu Fragen haben, können Sie sich gern an mich wenden.

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS:
Vgl. auch das Interview Klischees über Frauen

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Was törnt an beim Sex,
was nicht?

Was törnt an beim Sex? Was törnt an beim Sex?

Was törnt an beim Sex, was nicht?

Interview mit Dr. Michael Petery
in der Sendung Let´s talk about Sex bei Radio 89.0 RTL

Was sind Dinge, auf die Männer und Frauen beim anderen jeweils bei der ersten Begegnung achten?

Das ist sehr unterschiedlich, von Person zu Person. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Männer häufig mehr visuell orientiert sind, also darauf achten, wie sieht die Frau aus, wie ist sie angezogen.

Frauen gehen mehr auf die Stimmigkeit des Gesamteindrucks: da gehören dann auch der Geruch dazu, der Klang der Stimme. Wichtig ist es den meisten Frauen vor allem, dass der Mann vertrauenswürdig wirkt und menschliche Wärme ausstrahlt.

Welche Rolle spielt „der Geruch“ – sich riechen können?

Der Geruch ist etwas, was besonders bei Frauen entscheidend ist. Dabei geht es gar nicht darum, ob der Mann ein Deo benutzt oder nicht. Es geht tatsächlich um den körperlichen Eigengeruch.

Wenn eine Frau einen Mann nicht riechen kann, hat der keine Chance. Und wenn er sich beim ersten Date noch so viel Mühe gibt, auf anderen Gebieten zu punkten.
Was törnt an beim Sex?
Was törnt an beim Sex?

Mundgeruch, ungepflegte Fingernägel – kann man das ansprechen und ändern?

Also, das ist schon eine ziemlicher Hammer, jemandem das so offen zu sagen. Ein bisschen stellt sich da für den Betroffenen auch die Frage: „OK, das sind die Punkte, die du mir jetzt sagst: Und was findest du noch alles an mir schlecht, ohne es mir gleich zu sagen?“

Bestimmt kein guter Einstieg in einer neuen Beziehung!

Und wenn die Beziehung schon länger läuft, dann ist natürlich auch zu überlegen: Warum habe ich jetzt in diesem Augenblick das Bedürfnis, meinem Partner oder meiner Partnerin auf diese Fehler hinweisen zu müssen? Schließlich habe ich das ja bis jetzt auch nicht getan und wir waren trotzdem zusammen.

Möglicherweise hat dieses plötzliche Kritikbedürfnis ja damit zu tun, dass in der Beziehung ganz allgemein ein paar Dinge nicht mehr stimmen.

Und dann im Bett – komische Vorlieben, Verhalten, Angewohnheiten? Wegrennen oder ansprechen?

Guten Sex gibt es nur, wenn ich meinem Partner oder meiner Partnerin zeigen kann, was meine eigenen Bedürfnisse und Vorlieben sind.

Natürlich mache ich mich ein Stück weit verletzlich, wenn ich eine scheinbar komische Vorliebe nenne- andererseits hat mein Gegenüber vielleicht ebenfalls Wünsche, die er oder sie sich kaum zu sagen traut.

Und wenn ich mich selber überwinde und meine eigenen Ideen ganz offen ausspreche, dann kann das auch den anderen dazu ermutigen, mit seinen unaussprechlichen Wünschen herauszukommen.

Aber das geht natürlich nur, wenn ich das Vertrauen habe, dass mein Partner mich nicht auslacht oder lächerlich macht. Deshalb ist wechselseitiges Vertrauen und Respekt das A und O in einer Beziehung.
Was törnt an beim Sex?
Kann man den anderen überhaupt „ändern“?

Ein ganz klares Nein. Wer seinen Partner nicht so annehmen kann, wie er ist und ihn ändern will, der hat bereits verloren. Der bekannte Psychologe Fritz Perls (Begründer der Gestalt-Therapie) hat das mal sehr schön gesagt:

Ich tu, was ich tu; und du tust, was du tust.
Ich bin nicht auf der Welt, um nach deinen Erwartungen zu leben,
Und du bist nicht auf der Welt, um nach den meinen zu leben.
Du bist du, und ich bin ich,
Und wenn wir uns zufällig finden: – wunderbar.
Wenn nicht, kann man auch nichts machen.

Was törnt an beim Sex?

Warum machen bestimmte Dinge eigentlich an und andere nicht?

Die Ursache dafür liegt in der Funktionsweise unseres Gehirns.

Wenn wir eine neue Erfahrung machen, wird nicht nur diese Erfahrung in unserem Gehirn gespeichert, sondern alle Eindrücke ringsherum: also auch Gerüche, Geräusche, Bilder und sogar eigene Gedanken und Vorstellungen.

Das bedeutet: Schon bei unseren frühesten sexuellen Erfahrungen -und bereits Kinder können so etwas wie sexuelle Erregung verspüren- speichern wir nicht nur die Erinnerung an das schöne Gefühl, sexuell erregt zu sein, sondern auch die Sinneseindrücke drumherum. Das passiert völlig unbewusst. Trotzdem gibt es im Hirn durch neuronale Verschaltungen eine ganz enge Nähe dieser verschiedenen Erinnerungsstücke.

Und damit haben wir die Erklärung dafür, dass uns später im Leben Sachen antörnen, die viel-leicht sogar auf den ersten Blick gar nicht so viel mit Sex zu tun haben: eine bestimmte Musik, bestimmte Gerüche oder Geräusche, oder auch innere Bilder. Es kann sogar auch auch das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, was manche Menschen antörnt- vielleicht deswegen, weil sie früher einmal als Kinder von ihren Eltern beim Rumspielen mit ihrem Geschlechtsorgan überrascht wurden und es ihnen dann verboten wurde, weiterzumachen. So verbindet sich dann das Gefühl von Beschämung mit dem Gefühl starker sexueller Erregung.

Was wäre Ihr Tipp, sich auf ein Date vorzubereiten?

Aus meiner Sicht ist das Wichtigste, authentisch zu sein. Also nichts vorzuspielen. In einer Beziehung kann man dem anderen sowieso nicht lange etwas vormachen. Und wer beim ersten Date versucht, zu sehr zu blenden, der macht aus der Sicht der Psychologie einen Riesenfehler.

Denn der Partner oder die Partnerin wird das erste Date für die gesamte Beziehung und auch noch Jahre später als Messlatte nehmen. Für den, der sich da zu sehr herausgelehnt hat, sind ewige Vorwürfe des Partners oder der Partnerin vorprogrammiert: „Warum kannst du nicht auch heute so toll/schön/aufmerksam sein wie bei unserem ersten Date?“

Der große Auftritt beim ersten Date ist also nur etwas, was dazu dienen kann, schnell für einen One-Night-Stand zusammenzukommen. Wer eine längerfristige Partnerschaft sucht, sollte es das besser vermeiden, nur etwas vorzuspielen, was nicht da ist..

Und viele Frauen und Männer törnt es sogar an, wenn sie gleich zu Anfang merken: der oder die andere ist ja auch nicht perfekt, genauso wenig wie ich selbst. Und gerade deswegen können wir besonders gut zueinander passen.

Und wenn man schon miteinander im Bett ist: Gibt es da Sachen, die ganz besonders antörnen, also so etwas wie Sextoys oder Dirty talk?

Ich denke, dass ist höchst unterschiedlich. Jeder Mensch ist durch vorangegangene Erlebnisse in seiner sexuellen Erlebniswelt vorgeprägt- so wie ich das vorhin erklärt habe. Und da kann z.B. Dirty Talk für den einen Menschen ganz hervorragend funktionieren und ihn total hochbringen, und ein anderer Mensch ist komplett abgetörnt.

Die beste Lösung, die es hier gibt, heißt: miteinander reden und auch einfach mal ausprobieren. Nur wer den Mut hat, hier herumzuexperimentieren, kann auch neue Erfahrungen machen. Und das Wunderbare am Sex ist, dass es da für jeden Menschen unendlich viel zu entdecken gibt…

 

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Somnophilie- die Lust am Sex mit Schlafenden

Somnophilie? Sex mit Schlafenden

Somnophilie-
mein Freund nimmt mich im Schlaf

Mit meinem neuen Freund verstehe ich mich eigentlich super.

Trotzdem macht mir sein Sexdrang etwas Angst. Neulich bin ich nachts dadurch aufgewacht, dass er versucht hat, in mich einzudringen. Das allein ist eigentlich kein Problem, ich fand es sogar ganz geil.

Er hat mir dann allerdings gestanden, dass es ihn in seiner Fantasie am meisten anmacht, Sex mit einer schlafenden Frau zu haben. Vor meiner Zeit hätte er sich sogar schon mehrmals K.-o.-Tropfen besorgt, um seine Partnerinnen für den Sex bewusstlos zu machen.

Völlig sicher bin ich mir nicht, ob er das nicht auch mit mir machen will oder ob er das vielleicht sogar schon gemacht hat. Jedenfalls ist es nach einigen Partys schon so weit gekommen, dass ich mich überhaupt nicht mehr erinnern kann, wie ich heimgekommen bin. Das kann allerdings auch daran liegen, dass ich selbst etwas zu viel getrunken habe…

Sabrina C.

Somnophilie-
mein Freund nimmt mich im Schlaf

Hallo Sabrina,

Ihr Freund steht auf Sex mit schlafenden Frauen- die Sexualwissenschaft hat für diese Form der sexuellen Vorliebe sogar ein Fachwort: Somnophilie (von griechisch „somnos“-Schlaf und „philia“-Vorliebe).

Sie selbst haben das gemerkt, als Sie dadurch wach wurden, dass Ihr Freund in Sie eingedrungen ist. Und er hat Ihnen gestanden, bei anderen Frauen dazu K.-o.-Tropfen benutzt zu haben. Selbst sind Sie sich auch nicht sicher, ob er das nicht auch schon bei Ihnen getan hat.

Somnophilie- ohne Einverständnis
eine Form der Vergewaltigung

Was Ihr Freund da tut, ist höchst problematisch und sogar strafrechtlich relevant.

Es ist niemals in Ordnung, ohne das ausdrückliche Einverständnis mit einem anderen Menschen Sex zu haben. Das sollte auch beim eigenen Partner eine Selbstverständlichkeit sein.

Und erst recht ist es strafbar, andere Menschen mit Hilfe von K.-o.-Tropfen bewußtlos zu machen, um seinen eigenen Sexualtrieb zu befriedigen. Hinzu kommt, dass die Verabreichung von K.-o.-Tropfen für das Opfer ein erhebliches gesundheitliches Risiko darstellt, bis hin zur Lebensgefahr.

Eine solche Sexualpraktik ist nichts anderes als eine schwere Form der Vergewaltigung- und das auch dann, wenn es sich beim Opfer um die Freundin des Täters handelt, die eigentlich im Wachzustand sogar zum Sex mit dem Täter bereit ist.

Somnophilie-
harmlos nur als Fantasie

Die sexuelle Fantasie, mit einer schlafenden Frau Sex zu haben, ist für sich genommen harmlos. Jeder Mensch kann und darf die sexuellen Fantasien haben, die ihm selbst gut tun. Therapeutische Hilfe ist nur dann erforderlich, wenn sexuelle Fantasien einem selbst oder anderen zu schaden beginnen.

Problematisch wird Somnophilie daher erst, wenn der Bereich der sexuellen Fantasie überschritten wird und real ein zweiter Mensch ins Spiel hinzukommt. Ab diesem Punkt ist unbedingt erforderlich, dass das Einverständnis der betroffenen Frau (oder auch des betroffenen Mannes) vorliegt. Das gilt auch dann, wenn es sich nur um das Masturbieren vor dem/der Schlafenden handelt. Denn auch hier wird ohne Einwilligung bereits das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt.

Somnophilie-
der Reiz am Sex mit Schlafenden

Der Hauptgrund für den Reiz der Fantasie liegt für den wachen Partner offenbar darin, den anderen als komplett wehrlos zu erleben, mit ihm also theoretisch alles machen zu können, ohne dass dieser sich wehrt. Es ist also ein Machtspiel, das in den Bereich des Sadismus hineingehört.

Umgekehrt ist aber auch möglich, dass ein masochistisches Motiv beim somnophilen Täter vorliegt: Da die wenigsten Menschen so tief schlafen, dass sie beim Sex nicht aufwachen, muss der Täter damit rechnen, erwischt zu werden und sich dann in dieser für ihn peinlichen Situation rechtfertigen zu müssen.

Somnophilie-
Konsequenzen in der Partnerschaft

In Ihrem Fall ist das Problem, dass der ungefragte Übergriff auf Ihre Person bereits stattgefunden hat- vielleicht nur vergleichsweise harmlos, als ein Koitus, bei dem sie aufgewacht sind, möglicherweise aber auch schon unter Zuhilfenahme von K.-o.-Tropfen. Beides ist ein Vertrauensbruch, mit dem Sie selbst irgendwie umgehen müssen.

Hier gibt es letztlich nur zwei Möglichkeiten:
Entweder Sie akzeptieren das Verhalten Ihres Freundes, so wie es ist, und setzen sich dadurch erheblichen Risiken aus, vor denen Sie ganz zu recht Angst haben. Oder Sie verlangen eine eindeutige Klärung der Situation, in der Sie selbst bestimmen, was für Sie OK ist (z.B. der Sex im Schlaf) und was nicht (als die K.-o.-Tropfen).

Dabei bleibt natürlich das Risiko bestehen, dass Ihr Freund Ihnen ein Wohlverhalten verspricht, dass er selbst nicht bereits ist einzuhalten- oder an das er sich aufgrund der Stärke seiner sexuellen Vorliebe gar nicht halten kann.

Wenn Sie selbst das Gefühl haben, Ihrem Freund hier keine eindeutigen Regeln auferlegen zu können, mit denen auch Sie einverstanden sind, gibt es letztlich aus der Sicht der Vernunft für Sie nur die Möglichkeit, sich von ihm zu trennen oder gemeinsam einen Therapeuten aufzusuchen. In einem solchen Gespräch mit einem Therapeuten könnte dann nochmals ausgelotet werden, ob und unter welchen Bedingungen nicht doch gemeinsame Regeln für das sexuelle Miteinander festgelegt werden können.

Möglicherweise kann es auch sinnvoll sein, dass Ihr Freund sich aufgrund eines solchen Gespräches zu einer eigenen Psychotherapie entschließt, die ihm hilft, die selbst- und fremdschädigenden Seiten seiner sexuellen Vorlieben zu überwinden.

Wenn Sie weitere Fragen dazu haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Dr. hum biol. Michael Petery

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Persönlichkeitsstörungen
in der Partnerschaft

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen-
eine Aufgabe für die Sexualtherapie

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind als Krankheitsbild in der Öffentlichkeit weithin unbekannt. Und das, obwohl die Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Studien vermuten lassen, dass etwa 10% der Bevölkerung in Deutschland an einer Persönlichkeitsstörung leiden. Dazu kommen noch weitere Menschen, die zwar das Vollbild einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllen, aber dennoch einen großen Teil der Diagnosekriterien erfüllen (sogenannte Persönlichkeitsakzentuierung).

Im Rahmen der Paartherapie bedeutet das: rein statistisch gesehen, ist in jeder fünften Beziehung einer der Partner betroffen. Bei Paaren, bei denen Partnerschaftsprobleme bestehen, liegt der Prozentsatz sicherlich noch höher.


Erstaunlicherweise ist in der Sexualtherapie und in der Paartherapie die Häufigkeit des Krankheitsbilds Persönlichkeitsstörung oft unbeachtet geblieben.

In fast allen Büchern zum Thema Sexualtherapie gehen die Autoren davon aus, dass es sich bei ihren Klienten um insgesamt psychisch gesunde Menschen handelt, die nur an Funktionsstörungen auf sexuellem Gebiet leiden. Nach meiner eigenen Erfahrung ist aber genau das Gegenteil der Fall: Probleme auf sexuellem Gebiet sind meist nur ein Symptom, hinter dem noch weitere und tiefgreifendere psychische Störungen stehen (übrigens noch häufiger als Persönlichkeitsstörungen sind depressive Erkrankungen als Ursache für sexuelle Probleme).

Natürlich heißt das nicht, dass in jeder Paarbeziehung, in der es Probleme gibt, einer oder beide Partner automatisch eine psychische Störung haben müssen.

Es bedeutet aber, dass in jeder Therapie mit dem Vorhandensein solcher Störungen zu rechnen ist. Die praktische Konsequenz daraus: Häufig haben Probleme in der Partnerschaft sehr viel weniger mit der Partnerschaft selbst zu tun, als das auf den ersten Blick scheinen mag.

Persönlichkeitsstörungen-
was bedeutet das?

Das Diagnosemanuals DSM-5 der Vereinigung amerikanischer Psychiater definiert die Persönlichkeitsstörungen durch folgende Kriterien:

  • Deutliche Beeinträchtigungen der Funktionsfähigkeit des Selbst (Identität oder Selbststeuerung) und der zwischenmenschlichen Kommunikation (Einfühlungsvermögen, Nähe).
  • Auftreten von krankhaften Persönlichkeitszügen in einem oder mehreren Bereichen.
  • Die Beeinträchtigungen sind ein dauerhaftes Muster, über lange Zeit hin stabil, und treten ähnlich in unterschiedlichen Situationen auf.,
  • Die Beeinträchtigungen können nicht allein durch den Entwicklungsstand des Betroffenen oder durch sein soziokulturelles Umfeld erklärt werden.
  • Die Beeinträchtigungen können nicht durch die Einnahme von Drogen, Medikamenten oder sonstige medizinische Schädigungen (z.B. Hirnverletzung) erklärt werden.
  • Die Beeinträchtigungen können nicht durch den Entwicklungsstand des Betroffenen oder durch sein soziokulturelles Umfeld erklärt werden.

Persönlichkeitsstörungen-
Konsequenzen in der Paartherapie

Nach den neuesten Erkenntnissen der Psychologie werden Persönlichkeitsstörungen nicht -wie noch bis zur Jahrtausendwende- als tief greifende Störungen der Gesamtpersönlichkeit verstanden, sondern als Störungen der Interaktion und der Beziehungsgestaltung. Bei Paaren, in denen ein Partner an einer „Persönlichkeitsstörung“ leidet, sind die Beziehungsprobleme sozusagen vorprogrammiert.
Als therapeutische Konsequenz ergibt sich daraus:

• Bei Paartherapien ist eine sorgfältige Diagnose erforderlich, um festzustellen, ob die gemeinsamen Probleme durch das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung bei einem der Partner (oder auch bei beiden) mitbedingt sein kann.

• Bei Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung ist der Fokus der Therapie nicht nur auf die jeweils konkret vorliegenden Probleme zu setzen, sondern darauf, dass beide Partner den Wirkmechanismus der gestörten Beziehungsgestaltung, die in der Persönlichkeitsstörung liegt, zu verstehen beginnen und Umgangsstrategien erlernen, damit umzugehen.

Eine Therapie kann den Leidensdruck, der durch eine Persönlichkeitsstörung innerhalb einer Partnerschaft verursacht wird, erheblich reduzieren. Dabei geht es vor allem auch um die Verbesserung der Lage des Partners, der selbst keine Persönlichkeitsstörung hat, indem er lernt,
1. nicht jede Reaktion des anderen auf sich zu beziehen,
2. mit gestörten Verhaltensmustern so umzugehen, das sie ihn selbst nicht belasten und
3. dafür zu sorgen, selbst innerhalb der Partnerschaft nicht mit den eigenen Bedürfnissen zu kurz zu kommen.

Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung, wenn sie denn bei einem der Partner vorliegt, kann im Rahmen einer Partnerschaft eine große Entlastung bedeuten: etwa dann, wenn durch eine solche Erkenntnis andauernde wechselseitige Schuldzuschreibungen der Partner wegfallen und die Erklärung der Schwierigkeiten im Krankheitsbild selbst gesehen werden kann. Außerdem können Umgangstrategien mit dem Krankheitsbild Persönlichkeitsstörung nur dann gefunden werden, wenn es zuvor diagnostiziert wurde.

Persönlichkeitsstörungen-
Warnung vor Laiendiagnosen

Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung kann nur durch einen Psychiater oder einen erfahrenen Psychotherapeuten festgestellt werden. Laien und insbesondere Partner, Familienmitglieder und enge Freunde sind grundsätzlich nicht die Richtigen, um eine solche Diagnose abzugeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die selbst im Beziehungsgeflecht beteiligt sind, Fehldiagnosen abgeben, ist sehr hoch.

Außerdem sind Laien nicht dazu ausgebildet, mit den Folgen möglicher Diagnosen umzugehen und die entsprechenden Hilfsangebote zu geben. Im Extremfall kann eine mitgeteilte Diagnose Menschen in akute Suizidgefahr bringen.

Daher wird ein erfahrender Therapeut sich hüten, eigene Verdachtsdiagnosen auszusprechen, bevor er nicht Konzepte gefunden hat, wie der Patient mit den möglichen Folgen der mitgeteilten Diagnose umgehen kann.

Wenn ich in diesem Blog Beispielfälle für Persönlichkeitsstörungen im Rahmen sexualtherapeutischer Behandlung vorstelle, bitte ich Sie als Leser, diese Überlegungen keineswegs als Vorlage für eigene Diagnosestellungen zu übernehmen. Diese Ausführungen haben allein den Zweck, darauf aufmerksam zu machen, dass hinter bestimmten Schwierigkeiten in der Paarbeziehung Persönlichkeitsstörungen stehen können.

Ich habe dazu beispielhaft drei Formen der Persönlichkeitsstörung ausgewählt, die besonders häufig bei der Sexualtherapie eine Rolle spielen: die abhängige, die narzisstische und die paranoide Persönlichkeitsstörung.

Wenn in einer Beziehung einer der Partner den Verdacht hat, er selbst oder der andere könnte an einer Persönlichkeitsstörung leiden, dann ist das ein dringender Anlass, den Arzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Das gilt genauso, wie wenn Sie vermuten würden Ihr Partner hätte eine schwere Lungenentzündung oder eine andere schwere körperliche Erkrankung: Dann würden Sie es ja auch nicht mit einer Laiendiagnose bewenden lassen, sondern möglichst schnell die fachlich kompetente Hilfe eines Arztes einholen.

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS: Zum Thema narzisstische Persönlichkeitsstörung finden Sie ausführliche Informationen und einen Gastbeitrag von mir unter himmelundhoelleblog.

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Langeweile in der Beziehung- Was kann helfen?

Langeweile-
im Alltag und im Bett nichts als Routine

Langeweile in der Beziehung Foto © elnariz Fotolia.com
Seit fast vier Jahren lebe ich mit meinem Freund zusammen. Die erste Zeit unserer Beziehung war wirklich wunderschön: Wir haben viel miteinander unternommen, haben uns mit Freunden getroffen…

Seit einiger Zeit ist das irgendwie zu Ende. Am liebsten hängt er vor seinem Computer, spielt jeden Abend stundenlang irgendwelche epischen Ballerspiele. Am Wochenende kommt er kaum aus dem Bett. Er sagt, das bräuchte er, um sich von der Anspannung der Woche zu erholen.

Ich selbst habe viele Interessen, gehe gern aus und habe eine Menge Freunde. Das wiederum nervt ihn. Außerdem ist er wahnsinnig eifersüchtig, wenn ich in seiner Gegenwart auf mein Handy schaue, um nachzuschauen, was meine Freunde bei facebook gepostet haben.

Dabei tue ich das eigentlich eher aus Langeweile. Bei uns in der Beziehung läuft einfach nichts mehr außer Essen, Kuscheln, Schlafen. Und das ist mir einfach zu wenig.

Auch beim Sex läuft nicht mehr viel. Er selbst hat schon gemerkt, dass ich nicht mehr richtig feucht werde, und deswegen bei mir sogar nachgefragt. Ich meinte dann, ob er vielleicht eine Idee hätte, mich mehr in Erregung zu bringen. Und seine Reaktion war nur: Na gut, dann verschieben wir das halt auf später…

Ist unsere Beziehung tatsächlich so augelutscht, dass da nichts mehr läuft? Oder ist das völlig normal und passiert in jeder Beziehung nach den ersten Jahren?

Im Prinzip mag ich meinen Freund und will ihn auch nicht verlieren- andererseits wüßte ich gern, ob für mich in Sachen Liebe vielleicht doch noch mehr drin ist…

Melanie W. (Name geändert)

Langeweile in der Beziehung-
Anfang vom Ende der Partnerschaft?

Hallo Melanie,

Seit fast vier Jahren leben Sie mit Ihrem Freund zusammen. Jetzt stehen Sie an einem Punkt, an dem Sie Ihre Beziehung nur noch langweilig finden. Und auch beim Sex läuft nur wenig, weil Sie bei ihm in keine richtige Erregung kommen.

Langeweile in der Beziehung-
ein häufiges Thema in der Sexualtherapie

Mit Ihrem Problem stehen Sie nicht allein da. Langeweile in der Beziehung gehört zu den häufigen Gründen, warum Menschen sich Rat bei einem Sexualtherapeuten holen.

Viele Paare erleben die erste Zeit der Beziehung als unvergleichbar spannenden Moment -der er ja auch ist- und verbinden damit die Erwartung, dass diese Spannung niemals nachläßt.

Wenn sich dann im Laufe der Jahre so etwas wie Routine einstellt, bewerten viele Menschen das als negativ.

Langeweile in der Beziehung-
Routine kann auch positiv sein

Dabei ist auch die genau umgekehrte Bewertung von Routine in der Partnerschaft möglich: aus der Anfangsspannung kann sich durch Routine auch Vertrautheit entwickeln, das Wissen, den Partner sehr gut zu kennen und sich daher auf ihn in jeder Beziehung verlassen zu können.

Diese Vertrautheit bietet die Chance, beim Partner auch kompliziertere Themen anzusprechen, die in der Anfangszeit vielleicht nie zur Sprache kamen: so etwa das Thema unterschiedlicher Bedürfnisse.

Was in der Anfangszeit möglicherweise als Affront gewirkt hätte („Ich will etwas anderes als du!“, „Ich empfinde etwas anders als du!“), kann in der späteren Phase der größeren Vertrautheit auch ausgesprochen werden. Sollte es sogar- denn langfristig kann keine Partnerschaft funktionieren, wenn ein oder beider Partner dauerhaft sich mit ihren eigenen Vorstellungen zurückhalten, bloß um dadurch die Gemeinsamkeit nicht zu gefährenden.

Langeweile in der Beziehung-
die Entdeckung der Unterschiedlichkeit

Die Entdeckung der Unterschiedlichkeit kann ein gutes Mittel gegen mögliche Langeweile in der Beziehung sein.

Dadurch, dass die Partner in der Beziehung ihre unterschiedliche Interessen haben, stellt sich immer wieder neu die Frage, wie die Partnerschaft zwischen den beiden Polen Gemeinsamkeit und Einzelinteressen der Partner neu auszubalancieren ist- eine Aufgabe, die in einer Beziehung auch über Jahrzehnte hinweg immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringt.

Langeweile in der Beziehung-
Patentlösungen gibt es nicht

Langeweile in der Beziehung wurzelt letztlich darin, dass die Partner sich aus irgendeinem Grunde damit zufrieden geben, in der Beziehung nicht mehr ihre eigenen Bedürfnisse immer wieder neu aushandeln zu wollen.

Dafür kann es die unterschiedlichsten Gründe geben, wie zum Beispiel:

  • Die Partner haben ein sehr hohes Ideal von ihrer Beziehung und glauben, keine unterschiedlichen Interessen haben zu dürfen
  • Die Partner haben Angst, die Beziehung könnte eine Auseinandersetzung um unterschiedliche Interessen nicht überleben und halten daher lieber an dem Zustand fest, in dem sich die Beziehung gerade befindet
  • Die Partner wissen schlicht und ergreifend selber nicht, was ihre persönlichen Interessen eigentlich sein könnten.

Die Gründe können also sehr vielfältig sein, warum in einer Partnerschaft nicht offen über unterschiedliche Interessen ud Bedürfnisse gesprochen werden kann. Klar ist jedoch: Wenn ein solcher Stillstand erst einmal eingetreten ist, wird die Beziehung langweilig.

Es gibt keine Patentrezepte, wie ein solcher Stillstand – und damit auch die Langeweile- überwundern werden kann. Schließlich sind alle Menschen verschieden und auch jede Beziehung anders. Was für die einen eine passende Lösung ist, muss nicht automatisch für die anderen passen.

Langeweile in der Beziehung-
Kommunikation als Lösungsansatz

Letztlich können nur Sie und Ihr Partner das Problem lösen- indem Sie beide herausfinden, ob und wie Sie Ihre jeweils eigenen Bedürfnisse und Ihre Partnerschaft miteinander verbinden können.

Wichtigstes Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, wird es sein, dass Sie mit Ihrem Freund offen darüber reden, was er und was Sie selbst benötigen, um sich in Ihrer Beziehung wohl zu fühlen.

Dabei kann es sein, dass das ganz unterschiedliche Punkte sind. Von seiner Seite reicht vielleicht tatsächlich die immerwährende Wiederholung von Essen, Kuscheln, Schlafen. Von Ihrer Seite besteht dagegen das Bedürfnis nach Abwechslung, nach Ausgehen, nach Kontakt zu weitere Freunden.

In dem Moment, wenn Sie diese Unterschiedlichkeit wechselseitig anerkennen und trotz dieser Unterschiedlichkeit nach Wegen suchen, dass auch Ihre Gemeinsamkeit ihren Platz behält, dürfte es mit der Langeweile in der Beziehung vorbei sein.

Langeweile in der Beziehung-
Wie eine Therapie helfen kann

Die Entdeckung der Unterschiedlichkeit fällt vielen Paaren sehr schwer-zum Beispiel:

  • weil die Partner ihre jeweils eigenen Bedürfnisse nicht kennen bzw. nicht kommunizieren können
  • weil die Partner Schwierigkeiten haben, diese Unterschiedlichkeit überhaut wahrzunehmen
  • weil die Entdeckung der Unterschiedlichkeit so starke Konflikte auslöst, dass dadurch die Partnerschaft selbst in Bedrohung gerät.

Sollten Sie solche Schwierigkeiten in Ihrer Beziehung haben, könnte es sich -für Sie allein oder auch zu zweit- lohnen, in einige Sitzungen gemeinsam mit einem Therapeuten zu investieren.

Langeweile in der Beziehung-
die Klärung Ihrer eigenen Bedürfnisse

Bis jetzt wissen Sie vor allem, was Sie sich in Ihrer Beziehung nicht wünschen. Ein erster Schritt im Gespräch mit Ihrem Therapeuten könnte daher sein, dass Sie sich mehr darum kümmern, welche Erwartungen Sie grundsätzlich an Ihre Partnerschaft haben.

Dazu könnte die Klärung folgender Fragen beitragen:

  • Wie viel Zeit möchte ich gemeinsam mit meinem Partner verbringen und wieviel Zeit Brauche ich für mich alleine bzw. für die Interessen, die ich nicht mit ihm teile?
  • Was würde ich mit ihm in der gemeinsamen Zeit machen, wenn ich allein darüber bestimmen könnte?
  • Was möchte ich beim Sex in meinem Leben noch ausprobieren?
  • Welche sexuellen Fantasien machen mich an?
  • Wie sieht meine Wunschbeziehung in 10 Jahren aus?
  • Möchte ich mit meinem Partner irgendwann Kinder bekommen oder nicht?

Je genauer Sie Ihre eigenen Fantasien, Erwartungen und Wünsche (und die Ihres Freundes) kennen, desto mehr Möglichkeiten haben Sie, die eine oder andere Idee auch in Wirklichkeit umzusetzen.

Langeweile in der Beziehung hat oft auch den Grund, dass beide Partner nichts Neues mehr miteinander ausprobieren. Und das liegt wiederum vor allem daran, dass sie sich die jeweils eigenen Fantasien und Wünsche nicht mitteilen.

Kommunikation und offenes Aussprechen der eigenen Bedürfnisse ist also ein ganz wichtiges Mittel, um aus der Langeweile in der Beziehung herauszukommen.

Wenn Sie selbst anfangen, in der Partnerschaft neue Wünsche auszusprechen, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch Ihr Freund neue eigenen Ideen entwickelt. Und wenn das einmal so weit ist, ist das Thema Langeweile in der Beziehung ganz sicher wieder vom Tisch.

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen
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Dr. rer. hum. biol. Michael Petery

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Überall Feinde- paranoide
Persönlichkeitsstörung?

Paranoide Persönlichkeitsstörung? Apokalyptische Reiter. Gemälde von Wiktor Wasnezow 1887

Paranoide Persönlichkeitsstörung-
ständig Verdacht und Misstrauen

Paranoide Persönlichkeitsstörung
Das Zusammenleben mit meinem Mann war schon immer schwierig. Immer musste er Recht behalten, in letzter Instanz, auch den Kindern gegenüber. Er kann sehr schnell irrsinnig wütend werden. Am schlimmsten ist, dass er mich selbst immer wieder der Untreue verdächtigt, obwohl das völlig absurd ist.

In der Öffentlichkeit sind die Zornausbrüche meines Mannes besonders in dem Heimatverein gefürchtet, wo er der Vorsitzende ist. Da rastet er regelmäßig aus, wenn jemand etwas sagt, was nicht genau seiner Meinung entspricht. Er glaubt dann sofort, das ginge darum, ihn ganz persönlich zu kränken. Besonders schlimm ist es, wenn neue Leute dem Verein beitreten wollen: dann denkt er sofort, das gehe nur denen darum, ihm seinen Vereinsvorsitz streitig zu machen. Er riecht dann regelrecht überall die Verschwörung.

Seit einem halben Jahr hat er nun im Beruf eine neue Abteilung bekommen- seither ist er kaum noch auszuhalten. Er redet auch zuhause nur noch davon, dass er seine Mitarbeiter verdächtigt, bewusst Unterlagen zu fälschen, um ihm zu schaden. Die Leute würden ihn hintergehen und blöd behandeln, nur weil er sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet habe. Und dies Problem kenne er schon seit seiner Schulzeit: da waren es die Lehrer und Mitschüler gewesen, die ihn ständig hinter seinem Rücken gehänselt hätten.

Als ich dann versucht habe, ihn davon zu überzeugen, dass er auf der Arbeit bestimmt nicht gemobbt wird, sondern eher von seinen Mitarbeitern gefürchtet, hat er mir dann vorgeworfen, dass ich mit diesen Leuten wahrscheinlich unter einer Decke stünde. Und er ging noch weiter mit seinen Vorwürfen: Er habe schon lange den Verdacht, dass ich ihn mit seinem Stellvertreter betrügen würde. Dabei ist das vollkommener Unsinn!

Ich habe ihm zwar deutlich zu verstehen gegeben, dass das alles absurd ist, aber ich merke, dass er seither mir heimlich hinterher spioniert und Beweise gegen mich sucht. So habe ich ihn neulich dabei überrascht, wie er die Anrufprotokolle auf meinem Handy kontrolliert hat.

Ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll.

Frauke N. (Name geändert)

Paranoide Persönlichkeitsstörung-
diagnostische Anhaltspunkte

Hallo Frauke,

aus dem, was Sie schreiben, läßt sich mit Sicherheit keine endgültige Diagnose über Ihren Mann stellen. Dazu wäre eine längere Untersuchung durch einen Facharzt für Psychiatrie nötig- wobei natürlich sehr fraglich ist, ob Ihr Mann jemals einer solchen Untersuchung zustimmen würde.

Allerdings ist sein Verhalten, so wie Sie das schildern, durchaus in psychologischer Hinsicht auffällig. Und es ist nachvollziehbar, dass Sie unter diesem Verhalten leiden.

Paranoide Persönlichkeitstörung-
mögliche Hinweise

Offenbar handelt es sich bei seinem Problem um ein Verhaltensmuster, das ihn schon seit seiner Schulzeit begleitet. Ein solches über die ganze Lebenszeit gleich bleibendes Störungsbild läßt aus psychologischer Sicht das Vorliegen einer sogenannten Persönlichkeitsstörung vermuten. Das permanente Misstrauen und seine Streitsucht könnten Indizie für eine paranoide Persönlichkeitsstörung sein.

Nach dem Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 (F60.0 und Anhang 1) müssen für die Diagnose paranoide Persönlichkeitsstörung neben den allgemeinen Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung mindestens vier der folgenden Zusatzkriterien erfüllt sein:

  1. Große Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung;
  2. Unfähigkeit, subjektiv erlebte Beleidigungen oder Missachtungen zu vergeben
  3. Generelles Misstrauen, auch bei freundlicher oder neutraler Haltung anderer
  4. Streitsucht und starres Beharren auf eigenen Rechten
  5. Häufig unberechtigtes Misstrauen gegenüber der sexuellen Treue des Partners
  6. ständige Selbstbezogenheit und Überheblichkeit;
  7. häufige Verschwörungstheorien über Menschen der Umgebung, die einem schaden wollen

Im Fall Ihres Mannes ergeben sich hier einige deutliche Übereinstimmungen mit den Kriterien:

  • Generelles Misstrauen: Neue Vereinsmitglieder erscheinen sofort als Leute, die ihm den Vereinsvorsitz streitig machen wollen
  • Unberechtigte Verdächtigung des Partners auf sexuelle Untreue
  • Ständige Selbstbezogenheit in seinen Gesprächsthemen zuhause
  • Verschwörungstheorie gegenüber Kollegen am Arbeitsplatz

Paranoide Persönlichkeitstörung-
mögliche Ursachen

Die Ursache für die Ausbildung einer paranoiden Persönlichkeit liegt nach Ansicht der meisten Experten in massiven Grenzverletzungen, die ein Kind durch engste Bezugspersonen erleiden musste, von ständiger Bevormundung bis hin zu sexuellen Misshandlungen. Das Kind lernte so, grundsätzlich jedem und allen zu misstrauen. Die einzige Person, der es auf dieser Welt trauen kann, ist nur man selbst.

Der Schutz des eigenen Territoriums ist für einen solchen Menschen absolut lebenswichtig, auch die strengste Sicherung der eigenen Grenzen gegenüber möglichen Übergriffen. Es ist daher absolut wichtig, überall immer selbst die völlige Kontrolle zu haben. Ständige Wachsamkeit gegen mögliche Übergriffe und ständige Kampfbereitschaft sind der einzig mögliche Selbstschutz.

Dazu gehört auch, dass bereits bei sehr geringen vermeintlichen Grenzverletzungen durch andere sofort massiv eingeschritten wird, etwa durch einen Zornausbruch. Dass andere Menschen deswegen von einem abrücken oder einen als gefährlich und jähzornig empfinden, sieht ein Mensch mit paranoider Persönlichkeitsstörung eher als positiv an: durch solche Einschüchterung der anderen sinkt ja das Risiko, selber angegriffen zu werden.

Auch wenn andere Menschen potentiell ständig als Bedrohung empfunden werden, ist ein Mensch mit paranoider Persönlichkeitsstörung selten ein Einzelgänger: denn er benötigt möglichst viele Bundesgenossen und Vasallen, die ihn bei seinem Kampf unterstützen. Um selber keine Gefahr zu sein, müssen diese Menschen sich ihm aber komplett unterordnen, seien es nun die anderen Mitglieder im Verein, die Arbeitskollegen oder auch der/die Ehepartner/in und die eigenen Kinder.

Solange diese Unterordnung stimmt, kann ein Mensch mit paranoider Persönlichkeitsstörung durchaus fürsorglich sein und sich mit großem eigenen Elan für seine „Vasallen“ einsetzen: sie sind dann ja sozusagen Teil seines eigenen Ich.

Paranoide Persönlichkeitstörung-
Umgangsstrategien

Vielleicht ist es für Sie eine Erleichterung zu wissen, dass die Probleme Ihres Mannes mit größter Wahrscheinlichkeit nicht in den tatsächlichen aktuellen Lebensumständen begründet sind und auch nicht an Ihrer Person als Ehefrau liegen, sondern in der psychischen Gesamtdisposition ihres Mannes.

Von daher bieten sich zwei Hauptumgangsstrategien an:
deeskalieren und ausweichen.

Es ist zum Beispiel für Sie wenig sinnvoll, wenn Sie seinen Verschwörungstheorien über die Kollegen widersprechen: Auf diese Weise ziehen Sie nur ebenfalls den Argwohn Ihres Mannes auf sich. Und Sie werden jetzt selber verdächtigt, ihn hintergangen zu haben.

Auch seinen Verdacht auf sexuelle Untreue und seine Handy-Nachforschungen sollten Sie am besten schlicht und einfach ignorieren. Ein Auflehnen dagegen könnte Ihr Mann wohl nur als Eingeständnis Ihrer Schuld oder als Aufkündigung Ihrer Solidarität verstehen.

Wenn Sie ein Interesse daran hat, die Beziehung mit Ihrem Mann zu erhalten, ist es am besten, Sie weichen allen offenen Konfrontationen mit ihm so gut wie möglich aus. In Bezug auf die Streitigkeiten Ihres Mannes im Verein und am Arbeitsplatz können Sie versuchen, soweit das überhaupt möglich ist, zu deeskalieren, indem Sie beispielsweise die Vorteile herausstellen, die ein neues Mitglied dem Verein und damit auch Ihrem Mann bringt.

Das kann aber nur funktionieren, solange Sie bei ihrem Mann bereits vorhandene positive Gedanken bestärken: also ihm zum Beispiel deutlich machen, dass neue Mitglieder im Verein seine Position und den Einfluss des Vereins in der Öffentlichkeit stärken und nicht schwächen werden.

Jede offene Kritik an Ihrem Mann oder jeder Beschwichtigungsversuch würde bestehende Probleme nicht deeskalieren, sondern würde nur bedeuten, Öl ins Feuer zu gießen.

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS:
Weitere Infos im Beitrag: Persönlichkeitsstörungen als Problem in der Partnerschaft

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Zuletzt aktualisiert am 14.09.2017.

Zusammenziehen oder nicht- Testfall für die Partnerschaft

Zusammenziehen-
Freund will nicht aus seiner Wohnung

Zusammenziehen oder nicht? Foto © SolisImages Fotolia.com
Mit meinem neuen Freund bin ich jetzt fast ein Jahr zusammen. Wir sind beide über 30 und haben auch schon darüber gesprochen, dass wir irgendwann einmal miteinander Kinder haben möchten. Wenn ihm das wirklich ernst ist, fände ich es richtig, wenn wir als erster Schritt jetzt gemeinsam zusammenziehen.

Mein Freund lebt zur Zeit allein in einer Wohnung, die er sich ursprünglich mit seiner Ex angemietet hat- übrigens zu einem Zeitpunkt, als die beiden weniger lang zusammen waren als wir jetzt. Er hat mir jetzt vorgeschlagen, dass ich bei ihm einziehen kann- für mich ein unerträglicher Gedanke, weil er die ganze Einrichtung gemeinsam mit der Exfreundin ausgesucht hat, von der sogar noch ein selbstgemaltes Plakat im Gang hängt. Wenigstens hat er jetzt ihren Namen auf dem Türschild überklebt.

Sein Wohnort ist übrigens fast 50 km von meinem entfernt und wir beide haben unsere Arbeit jeweils an unseren Wohnorten. Allein von daher fände ich am besten, dass wir in Zukunft irgendwo in der Mitte wohnen. Aber er mag einfach nicht aus seiner Wohnung ausziehen.

Ich weiß jetzt nicht, wie ich das sehen soll: Meint er unsere Beziehung wirklich ernst und den Plan, irgendwann Kinder zu bekommen, wenn wir uns nicht einmal über das Zusammenziehen einigen können? Meine Freundinnen sind alle bis 30 mit ihren Freunden in eine gemeinsame Wohnung gezogen, und bei den meisten passierte das schon nach einem halben Jahr.

Vielleicht ist mein Freund mit mir auch gar nicht richtig sicher- schließlich ging es mit seiner Ex bei der Wohnungssuche ja auch schneller.
Oder bin ich nur drängelig und es ist normal, ein Jahr und länger mit dem Zusammenziehen zu warten?

Ich weiß, das klingt blöd: Aber ich will nicht erst 35 werden und dann ein Kind bekommen. Muss ich mich also von ihm trennen, wenn es mit dem Zusammenziehen jetzt nicht klappt?

Franziska G. (Name geändert)

Zusammenziehen-
nicht in die Wohnung der Exfreundin

Hallo Franziska,

Sie und Ihr Freund sind jetzt seit fast einem Jahr zusammen. Sie möchten gern mit ihm zusammenziehen, als erster Schritt hin zu gemeinsamen Kindern. Ihr Freund bietet Ihnen an, in die Wohnung zu ziehen, die er gemeinsam mit seiner Exfreundin eingerichtet hat. Das möchten wiederum Sie nicht, weil Sie sich zu sehr an die Exfreundin erinnert fühlen und die Wohnung zu weit von Ihrem eigenen Arbeitsplatz entfernt liegt.

Zusammenziehen oder nicht-
was da alles dahinterstehen kann

Ihre Schilderung ethält viele Elemente, bei denen unklar ist, was sie eigentlich bedeuten, so etwa die Fragen:

  • Wie ernst ist es Ihrem Freund mit dem Kinderwunsch? Ist das Wohnungsproblem vorgeschoben, damit das Thema Kinder noch etwas länger hinausgeschoben bleibt?
  • Möchte Ihr Freund in seiner Wohnung bleiben, weil er sich noch nicht ganz sicher ist, ob die Beziehung zu Ihnen hält?
  • Will Ihr Freund nicht mit Ihnen zusammenziehen, weil er Angst hat, Sie danach zu verlieren- so wie er seine Exfreundin nach dem Zusammenziehen verloren hat?
  • Sieht er es als unproblematisch an, dass Sie an seinem Wohnort passende Arbeit finden oder geht er selbstverständlich davon aus, dass Sie täglich 50 km pro Richtung pendeln?
  • Gibt es ganz praktische Gründe, warum er seine Wohnung nicht aufgeben kann (z.B. Mitevertrag mit mehrjähriger Mindestlaufzeit)?

Das sind nur einige Punkte, die ziemlich unklar sind. Möglicherweise lassen sich einige der Fragen auch noch nicht eindeutig beantworten.

Vielleicht ist Ihr Freund zur Zeit hin- und hergerissen zwischen den verschiedenen Möglichkeiten: Einerseits will er mit Ihnen zusammenziehen und Kinder bekommen, andererseits aber vielleicht doch nicht so schnell…

Zusammenziehen oder nicht?
Eine genauere Aussprache ist wichtig

Weil hier noch so vieles unklar erscheint, wäre es wichtig, wenn Sie beide sich noch genauer darüber aussprechen, was Sie sich jeweils für Ihre Zukunft wünschen. Falls Ihnen beiden das schwer fällt, könnte es auch sinnvoll sein, für einige Stunden einen Paartherapeuten hinzuzuziehen.

Ohne eine solche Klärung besteht die Gefahr, dass Sie über Ihren Freund und seine Handlungsgründe Vermutungen anstellen, die vielleicht gar nicht zutreffen.

Umgekehrt es kann auch sein, dass Ihr Freund bestimmte Bedürfnisse von Ihnen noch gar nicht verstanden hat, so etwa Ihr Wunsch, nicht in einer Wohnung zu leben, die von der Exfreundin mitgestaltet wurde und die 50 km von Ihrem Arbeitsplatz entfernt liegt.

Ich wünsche Ihnen daher, dass Sie schon bald Gelegenheit finden, diese unklaren Punkte miteinander zu besprechen, so dass Sie gemeinsam an einer passenden Lösung für Ihre Zukunft weiterarbeiten können.

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen
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Lust auf Affäre- der Wunsch nach Fremdgehen

Eine Affäre-
ein guter Weg für neue sexuelle Erfahrungen?

Lust auf Affäre? Foto © pf30 Fotolia.com
Ich bin 42 und seit 21 Jahren mit meinem Mann verheiratet. Vorher waren wir auch schon drei Jahre befreundet gewesen, Sex hatte ich in meinem Leben mit keinem Mann außer mit ihm. Kinder haben wir keine.

Unser Sexleben seit Jahren mehr oder weniger eingeschlafen. Mein Mann ist beruflich sehr eingespannt. Wenn überhaupt, kommt es nur zu sehr kurzem Sex abends im Bett- er schläft dann jedes Mal sofort ein, wenn er gekommen ist und kümmert sich überhaupt nicht um mich.

Wenn ich jetzt nicht selber aktiv werde, dann wird das die einzige sexuelle Erfahrung in meinem Leben bleiben. Dabei träume ich ständig von ganz anderem Sex: viel härter, auch an ungewöhnlichen Orten, mit verschiedenen Männern.

Ich will mich nicht von ihm trennen, allein schon, weil ich wirtschaftlich von ihm abhängig bin. Außerdem mag ich ihn immer noch, irgendwie. Aber eher wie eine Art großen Teddybär- und von dem erwartet man sich ja auch keinen Sex.

Was tun? Ich habe überlegt, mich im Internet bei einer Partnerbörse anzumelden, um eine Affäre anzufangen. Dabei ist ganz klar: es geht mir nur um neue sexuelle Erfahrungen, nicht um einen neuen Partner. Ist das aus sexualtherapeutischer Sicht eine gute Idee?


Nicole B. (Name geändert)

Eine Affäre als Problemlösung?

Hallo Nicole,

in Ihrem ganzen Leben haben Sie außer mit Ihrem Mann keine sexuellen Erfahrungen gemacht. Mit Ihrem aktuellen Sexualleben gemeinsam mit Ihrem Mann sind Sie unzufrieden, und nun überlegen Sie, ob eine Affäre Ihr Problem lösen kann.

Ihre Frage berührt zwei unterschiedliche Aspekte:

1. Sie sind mit Ihrem Eheleben und Ihren bisherigen sexuellen Erfahrungen unzufrieden.
2. Sie sehen eine Affäre als Ausweg aus Ihren Problemen.

Beide Aspekte sind aber nicht notwendigerweise miteinander verbunden, auch wenn es auf den ersten Blick naheliegend erscheint, den Ausweg Affäre als Problemlösung für Ihre sexuelle Unzufriedenheit anzusehen.

Aus sexualtherapeutischer Sicht lohnt es sich, die beiden Aspekte erst einmal getrennt voneinander anzusehen.

Unzufriedenheit mit dem Sex in der Ehe

Unzufriedenheit mit dem Sex in langjährigen Beziehungen und Ehen ist ein sehr häufiges Thema in der Sexualtherapie. Hier stehen Sie mit Ihrer eigenen Unzufriedenheit mit Ihrer Ehe sicher nicht alleine da.

In vielen Beziehungen kommt es nach einer Anfangsphase mit hoher sexueller Zufriedenheit, die auch mehrere Jahre anhalten kann, nach und nach zu einer Phase der sexuellen Routine. Dabei spielen sowohl äußere Faktoren eine Rolle (z.B. zu wenig Zeit oder ständige Ermüdung durch den Beruf), aber auch innere Faktoren (z.B. keine neuen Ideen beim Sex oder die Ansicht, mit dem Partner schon alles ausgereizt zu haben, was möglich ist).

Natürlich kann es sein, dass sich zwei Menschen nach langen Jahren in einer Partnerschaft tatsächlich nichts mehr zu sagen haben, sowohl im allgemeinen Lebenszusammenhang wie auch auf dem Gebiet des Sex. Aus der Erfahrung des Therapeuten ist dieser Fall allerdings eher selten.

Die eigentliche Ursache für die Unzufriedenheit in langjährigen Partnerschaften ist viel häufiger die Unfähigkeit, die aktuellen eigenen Bedürfnisse gegenüber dem Partner auszusprechen und zumindest teilweise auch durchzusetzen.

Wenn hier in der Kommunikation nichts mehr läuft, kann es für das Paar sinnvoll sein, sich für einige Stunden Unterstützung durch einen Therapeuten zu gönnen.

Viele Paare entdecken in einer solchen Therapie ganz neue Möglichkeiten, wieder näher zueinander zu kommen- und auch deutlich besseren Sex zu erleben.

Aus therapeutischer Sich rate ich Ihnen also auf jeden Fall dazu, erst einmal auszuloten, ob Sie und Ihr Mann das Problem Ihrer sexuellen Unzufriedenheit nicht durch gemeinsame Besuche beim Therapeuten lösen können. Das wäre aus meiner Sicht die naheliegendste und einfachste Lösung.

Wenn eine solche gemeinsame Lösung innerhalb der Beziehung nicht möglich ist, kann Ihnen beiden der Therapeut auch helfen, weitergehende Fragen miteinander zu besprechen: so zum Beispiel, ob Ihr Mann Ihren Wunsch nach anderen Sexualpartnern unter bestimmten Voraussetzungen sogar akzeptieren kann. Über solche Fragen im Vorhinein offen zu sprechen, ist sicherlich besser, als wenn Ihr Mann Sie aus heiterem Himmel bei einer Affäre erwischt.

Affäre- Risiken und Nebenwirkungen

Das größte Risiko bei einer Affäre ist, vom Partner dabei erwischt zu werden.

Sie selbst schreiben, dass Sie deshalb keinen neuen Partner suchen, weil Sie von Ihrem Mann wirtschaftlich abhängig sind. Es ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich, dass Ihr Mann eine Affäre von Ihnen nicht früher oder später bemerkt- und sei es auch nur dadurch, dass Sie plötzlich zufriedener und ausgeglichener wirken (vgl. Artikel Anzeichen für Untreue).

Eine Affäre hat in der Regel die Folge, dass die Ehe zerbricht.

Sie stellen also mit einer Affäre Ihre Ehe und damit auch die durch Ihren Mann gegebene wirtschaftliche Absicherung aufs Spiel. Von dieser Logik aus wäre es sogar vernünftiger, Sie würden nicht nach einer Affäre suchen, sondern gleich nach einem neuen Partner suchen, der dann auch Ihre wirtschaftliche Absicherung übernimmt…

Ein weiteres Risiko der Affäre:
Auch wenn Sie selbst nur auf der Suche nach einem erotischen Abenteuer sind, können Sie sich nicht sicher sein, dass Ihr neuer bzw. Ihre neuen Sexualpartner das genauso sehen. Es kann also sein, dass Sie sich mit einer neuen Beziehung eine ganze Reihe neuer Probleme einhandeln: Eifersucht des neuen Partners auf den bisherigen Ehemann (und umgekehrt!), eigenes gefühksmäßiges Hin- und Hergerissensein, schlechtes Gewissen, Gefühl der doppelten Verantwortung für den Ehemann und für den neuen Partner etc.

Im Vergleich zu so einer Situation „zwischen allen Stühlen“ erscheint es aus sexualtherapeutischer Sicht deutlich leichter, wenn Sie sich zuerst, so Sie das tatsächlich wollen, von Ihrem bisherigen Partner trennen und dann erst die neue Beziehung aufbauen.

Fazit

Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass eine Affäre eine passende Lösung darstellt für sexuelle Unzufriedenheit in der Ehe. Viel wahrscheinlicher ist, dass durch eine Affäre zusätzlich neue Probleme hinzukommen.

Bevor Sie sich bei einer Partnerbörse registrieren, wäre es aus sexualtherapeutischer Sicht auf jedem Fall sinnvoll, erst einmal zu prüfen, ob therapeutischer Rat Ihnen nicht deutlich besser helfen kann.

Wenn Sie dazu Fragen haben, könen Sie sich gern nochmals an mich wenden.

Mit freundlichen Grüßen
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Unbefriedigender Sex-
Fünf Ideen, die helfen können

Unbefriedigender Sex? Foto © Photographee.eu Fotolia.com

Unbefriedigender Sex-
bei ihr fehlt die Leidenschaft

Leider habe ich bei meiner Freundin oft das Gefühl, dass ihr der Sex mit mir nicht besonders gut gefällt.

Sie läßt den Sex mehr oder weniger passiv über sich ergehen, während ich selbst immer der aktive Teil bin: Immer geht von mir die Initiative aus. Ich bin es, der vorschlägt, wann und wo wir Sex haben. Sie macht dann immer mit, sagt auch, dass sie den Sex mit mir mag und alles ok ist. Das ist es dann aber auch.

Allerdings habe ich mir den Sex immer sehr viel leidenschaftlicher und aufregender vorgestellt. Vielleicht habe ich mir aber auch nur Illusionen gemacht, da ich noch nie eine andere Freundin hatte (und sie auch keinen anderen Freund). Vielleicht sind es also nur meine Träume, die mir sagen, dass noch eine ganz andere Art von Sex möglich sein müsste.

Sven R. (Name geändert)

Unbefriedigender Sex- Änderung möglich?

Hallo Sven,

Sie sind mit dem Sex mit Ihrer Freundin unzufrieden, weil Sie Ihre Freundin als zu passiv empfinden und sich wesentlich leidenschaftlicheren Sex wünschen. Sie fragen sich, ob befriedigenderer Sex überhaupt möglich ist.

Unbefriedigender Sex muss nicht sein

Die gute Nachricht:
Sex kann leidenschaftlich sein und höchst befriedigend.

Die Einschränkung:
Leidenschaftlicher Sex kommt nicht von selbst.

Unbefriedigender Sex-
eine Paartherapie könnte sich lohnen

Beim Sex gehören immer beide Seiten dazu.
Deshalb ist es schwierig, Ihnen hier Tipps zu geben, ohne dass ich weiß, wie es Ihrer Freundin eigentlich dabei geht.

Wenn Sie selbst keine rechte Vorstellung davon haben, wie es mit Ihnen beiden weitergehen soll, könnte es sich durchaus lohnen, wenn Sie sich gemeinsam ein paar Stunden Paartherapie gönnen.

Dabei könnte es ausführlich darum gehen, was Sie beide sich beim Sex eigentlich wünschen und wo Möglichkeiten bestehen, dass Sie und Ihre Freundin eine größere Zufriedenheit mit Ihrem gemeinsamen Sex finden.

Dabei könnten folgende Ideen eine Rolle spielen:

1. Idee:
Machen Sie sich frei von der Vorstellung des Normsex

Viele Menschen haben aufgrund ihrer Erziehung ein ziemlich festes Bild davon, wie der Sex in einer Beziehung auszusehen hat („Normsex“). Dieses Bild ist nicht unbedingt die Art von Sex, die auch tatsächlich am besten in die Beziehung paßt.

Im Rahmen einer Therapie lohnt es sich daher immer zu prüfen, inwieweit die Partner möglicherweise bewußt oder auch unbewusst bestimmten vorgegebenen Vorstellungen zu entsprechen suchen, mit denen sie sich unter Druck setzen und die eigentlich gar nicht die Art von Sex ausmachen, den sie sich wünschen.

Viele Frauen erleben zum Beispiel niemals beim Koitus einen Orgasmus: vgl. den Artikel Weiblicher Orgasmus- jede Frau ist anders. Falls das auch bei Ihrer Freundin der Fall ist, sollten Sie beide versuchen, auch für sie eine Möglichkeit zum Orgasmus in Ihr sexuelles Spiel zu integrieren.

2. Idee:
Leidenschaftlicher Sex ist mehr als ein geglückter Koitus

Viele Menschen beschränken in ihrer Vorstellung den Sex auf den Moment des Koitus. Leidenschaft in einer Beziehung muss nicht unbedingt einen sehr heftig ausgelebten Koitus bedeuten.

Zu einer leidenschaftlichen Beziehung können auch noch ganz andere Momente hinzukommen: die Begeisterung für gemeinsame Interessen, Freude am gemeinsamen Essen, am Aussuchen der Kleidung für sich selbst und den Partner, gemeinsames Reisen… Dazu dann noch die Gesamtinszenierung des Sex: z.B. im Anschluss an ein besonderes Essen oder an einem ungewöhnlichen Ort…

3. Idee:
Guter Sex braucht Planung

Spannender und aufregender Sex braucht ein Stück Planung.

So schön es ist, manchmal ganz spontanen Sex zu haben: im Regelfall klappt es noch besser mit etwas Planung. Ganz ähnlich, wie es zwar schön ist, zufällig seinen besten Freund zu treffen und dann spontan essen zu gehen- meist klappt es mit gemeinsamen Unternehmungen aber doch besser, wenn man sich vorher dazu verabredet.

Schaffen Sie sich also für den Sex einen Moment, in dem Sie beide nicht völlig übermüdet sind (etwa direkt nach dem Heimkommen aus der Ausbildung oder der Arbeit oder nur spätabends vorm Zubettgehen).

Planen Sie Zeit ein für romantische Stunden. Fangen Sie nicht sofort mit dem Koitus an, genießen Sie die Möglichkeiten des Vorspiels. Sorgen Sie für eine schöne Stimmung, z.B. für eine passende Musik oder für romantisches Kerzenlicht.

4. Idee:
Erzählen Sie sich Ihre Fantasien und Wünsche

Erzählen Sie sich von Ihren sexuellen Wünschen und Fantasien– vielleicht auf einem Spaziergang, wo Sie Zeit und Ruhe dazu haben. Es ist wichtig, die eigenen Wünsche zu kennen und die des Partners.

Das heißt nicht, dass alles und jedes sofort ausgelebt werden muss. Im gemeinsamen Sex kann immer nur verwirklicht werden, was beiden Partnern gefällt.

Aber es kann ja sein, dass Sie beide feststellen, doch noch mehr gemeinsame Wünsche zu haben, als Ihnen das im Augenblick klar ist.

5. Idee:
Zu einer guten Inszenierung gehören manchmal auch ein paar Requisiten

So wie es zwar möglich ist, eine sehr gute Inszenierung am Theater auch ohne alle Requisiten in Szene zu setzen, so gilt doch auch, dass das auf die Dauer wohl etwas zu puristisch wäre. Das gleiche gilt auch für den Sex.

Es kann durchaus interessant und spannend sein, hier etwas Abwechslung auszuleben, etwa durch stimulierende Kleidungsstücke (auch aus dem Fetisch-Bereich) oder durch Vibratoren, die den Orgasmus fördern können, oder auch mit Hilfe von Spielzeugen aus dem BDSM-Bereich wie z.B. Fesseln, Masken oder Peitschen.

Es kann durchaus viel Spass machen herauszufinden, was da zu einem am besten passt.

Weil Sex für die meisten Menschen sehr wichtig für die Lebensqualität ist und weil Sex ganz entscheidend zur Qualität einer Beziehung beiträgt, lohnt es sich, hier am Ball zu bleiben. Es wäre absolut schade, nichts zu tun und sich in einer Beziehung damit zu begnügen, dass unbefriedigender Sex schon alles ist…

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Mit freundlichen Grüßen
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Alkohol und Gewalt
in der Partnerschaft

Alkohol und Gewalt in der Partnerschaft
violence concept

Alkohol und Gewalt:
Vor den Augen des Kindes verdroschen

Alkohol und Gewalt- das ist das Thema, mit dem ich mich herumschlagen muss.

Vor etwa einem Jahr bin ich zusammen mit meiner kleinen Tochter, die ich mit einem anderen Mann bekommen habe, zu meinem neuen Freund gezogen. Er ist eigentlich ein sehr schüchterner Typ und sehr ruhig. Wir passen auch prima zusammen, haben die gleichen Interessen, mögen Sport- und er hat mich zu Anfang echt rundum verwöhnt.

Leider neigt er aber auch zu ziemlichen Wutausbrüchen, meist aus total nebensächlichen Gründen. Er hat schon mal eine Flasche neben mir auf dem Tisch zerschlagen und mit einem Stuhl nach mir geworfen. Da hatte er vorher wohl etwas zu viel getrunken. Beim Autofahren macht er absolut halsbrecherische Fahrmanöver, wenn er sich über irgendetwas aufregt, das ich gesagt habe.

Ein paar Mal wollte er mich und mein Kind auch schon mitten in der Nacht aus der Wohnung rausschmeißen, wenn ich nach solch einem Streit nicht zu ihm ins Bett wollte, sondern lieber im Wohnzimmer schlafen. Das hat dann auch meine Tochter übel mitbekommen. Letztlich hab ich mich dann jedes Mal durchgesetzt und mich im Wohnzimmer mit meiner Tochter eingeschlossen.

Ich war auch schon drauf und dran, wieder auszuziehen. Einmal hatte ich sogar schon die Koffer gepackt. Da kam er dann mit roten Rosen an, hat sich riesig entschuldigt und mich angefleht, dass ich ihn nicht verlassen soll.
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Vor 14 Tagen gab es nun die bisher größte Krise. Ich hatte ihn am Abend wieder einmal ein paar klare Worte gesagt, dass er so gar nicht im Haushalt mithilft und immer das Geschirr stehen läßt usw. Ich bin dann mit meiner Tochter schlafen gegangen in unser großes Ehebett. Als wir gerade eingeschlafen waren, kam er dann rein, drängte sich an mich, versuchte bei mir einzudringen. Ich bat ihn, mich in Ruhe zu lassen, und sagte, dass es echt nicht in Ordnung wäre, dass er mich ständig alles im Haushalt alleine machen läßt. Dann bat ich ihn, mich jetzt endlich weiterschlafen zu lassen.

Darauf ist er dann aus dem Bett gesprungen, hat wie wild rumgebrüllt und hat mir einen kräftigen Stoß in den Magen verpasst und mir dem linken Arm verdreht, so dass ich vor Schmerz nur so geheult habe- all das vor den Augen meiner Tochter, die ebenfalls wie am Spies geschrien hat. Die Nacht ist er dann zu irgendwelchen Kumpeln abgehauen.

Am nächsten Tag bin ich dann tatsächlich ausgezogen- ins Gästezimmer zu meinen Eltern. Da hat das dann schon gleich wieder mit Anrufen auf dem Handy begonnen- die erste Woche habe ich das immer gleich weggeklickt, auch wenn er gefühlt alle 2 Stunden eine neue SMS mit „Entschuldigung!“ geschickt hat. Jetzt haben wir dann doch telefoniert. Eine ganz echte Entschuldigung kam dann aber doch nicht, nur so was wie: „Da haben wir wohl beide etwas zuviel getrunken an dem Abend… Soll echt nicht mehr vorkommen.“ Dabei bin ich mir komplett sicher, dass ich selber total nüchtern war an dem Abend.

Jetzt ist er sogar so weit, dass er bereit ist, eine Therapie zu machen. Aber nur dann, wenn ich zu ihm zurückziehe.

Ich selber weiß nicht, ob das eine gute Idee ist.

Emily H. (Name geändert)

Alkohol und Gewalt:
Zuerst ist das Alkoholproblem zu lösen

Hallo Emily,

Alkohol und Gewalt in der Partnerschaft ist eine sehr ungute Erfahrung: ausgerechnet dort, wo Sie Liebe, Zuneigung, Geborgenheit gesucht haben, erfahren Sie bei den Wutausbrüchen des Freundes genau das Gegenteil. Außerdem fügt Ihr Freund Ihnen körperliche Schmerzen zu und gefährdet durch sein Autofahren auch Ihr Leben und, wenn Ihre Tochter dabei ist, auch noch das Leben Ihres Kindes. Das kann ganz bestimmt so nicht weitergehen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist eine Alkoholkrankheit Ihres Freundes für solche Gewaltausbrüche verantwortlich- was Sie ja selbst auch schon vermutet haben. Auch Ihr Freund scheint ja darauf anzuspielen, wenn er sagt:„Da haben wir wohl beide etwas zuviel getrunken an dem Abend..“

Natürlich kann es für solches gewaltsames Verhalten auch noch andere psychische Gründe geben, die entweder noch zum Alkoholproblem hinzukommen oder sogar die eigentliche Ursache sind. Wenn Ihr Freund jetzt eine Therapie macht, werden die behandelnden Ärzte und Psychologen das sicher noch genauer abklären können.

Auf jeden Fall sieht es so aus, dass Ihr Freund zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage ist, die Beziehungsprobleme mit Ihnen zu bearbeiten. Solange durch den Therapieerfolg nicht sichergestellt ist, dass er nicht wieder in solche Zustände der Enthemmung und der Gewaltanwendung kommt, bedeutet eine Entschuldigung von ihm letztlich keine Verbesserung der Lage, selbst wenn er sie im Augenblick noch so ernst meint und mit roten Rosen ankommt.

Gewalttätigkeit und Enthemmung infolge von Alkoholmissbrauch sind letztlich körperliche Krankheitssymptome, die nur körperlich, d.h. durch ärztlich begleitete Allkoholentwöhnung, geheilt werden können. Ein psychologisches Anti-Agressionstraining kann dann später möglicherweise zusätzlich helfen- aber zuerst muss die körperliche Krankheitsursache beendet werden.

Alkohol und Gewalt- eine kritische Selbstanfrage

Auch wenn Sie schreiben, dass Sie selbst am Abend Ihrer Trennung vollkommen nüchtern waren, müsste ich Sie in meiner Praxis trotzdem fragen, ob auch in Ihrem Leben Alkohol eine Rolle spielt.

Falls Sie (mit oder ohne Ihrem Freund) als Frau täglich mehr als 0,1 Liter Wein oder Sekt, mehr als 0,25 Liter Bier oder 4 Zentiliter Schnaps pro Tag trinken (vgl. Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), befinden Sie sich bereits in einem gesundheitlichen Risikobereich- auch ohne dass Sie jemals betrunken gewesen sein müssen.

In diesem Fall könnte es sich auch für Sie lohnen, den Arzt aufzusuchen und nachzuprüfen, ob nicht auch Sie wegen des Alkohols zu Überreaktionen neigen, die Ihnen selbst gar nicht bewusst sind. Dann könnte es sein, dass Sie sich beide manchmal nicht richtig im Griff haben und dann durch unüberlegte Äußerungen hochschaukeln.

Das soll selbstverständlich nicht die Gewalt Ihres Freundes in irgendeiner Weise entschuldigen: Gewalt ist niemals akzeptabel. Aber eine solche Untersuchung könnte Ihr Beitrag dazu sein, die Situation in Zukunft runterzufahren und, falls Sie wieder zusammenziehen, Ihnen beiden helfen, Ihr neues Leben ohne den Alkohol und seine Nebenwirkungen zu führen.

Außerdem: Wenn Sie sich auf eine mögliche Alkoholkrankheit untersuchen lassen und, falls nötig, auch selbst eine Therapie anfangen, wird es auch Ihrem Freund leichter fallen, mit seiner eigenen Therapie durchzuhalten.

Und wenn Ihr Freund durch die Therapie erfolgreich vom Alkohol weggekommen ist, ist es wichtig, dass Sie selbst in seiner Gegenwart nie wieder Alkohol trinken.

Alkohol und Gewalt-
Ihre Partnerschaft braucht einen Neuanfang

Wenn es also mit Ihrer Partnerschaft weiter gehen soll, ist ein kompletter Neuanfang nötig. Und die Bedingung dafür ist, dass Sie beide zu einem Leben finden, in dem Alkohol, Drogen und Medikamente keine Rolle spielen. Das ist außerdem auch die Voraussetzung dafür, dass Ihre Tochter keine psychischen Schäden abbekommt.

Sollte Ihr Freund nicht die Kraft und das Durchhaltevermögen besitzen, von seiner Alkoholkrankheit geheilt zu werden, müssen Sie damit rechnen, dass sich die Ihnen bekannten Gewaltausbrüche auch weiterhin wiederholen.

Wenn Sie also zu ihm ziehen, bevor er seine Therapie erfolgreich beendet hat, werden Sie genau das Leben mit den Gewaltausbrüchen weiterführen wie bisher. Wenn Sie also den echten Neuanfang durchsetzen wollen, können Sie erst dann zu Ihrem Freund zurückkehren, wenn er seine Therapie erfolgreich abgeschlossen hat.

Mit allen gute Wünschen für Sie und Ihren Freund
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Bin ich bisexuell?
Freundin will Gegenbeweis

bin ich bisexuell
bin ich bisexuell

Bin ich bisexuell? Wie kann ich das widerlegen?

Seit zwei Jahren lebe ich mit meiner Freundin zusammen. Alles ist soweit prima, wir haben sogar schon darüber geredet, dass wir heiraten wollen.

Jetzt hat mich leider meine Vergangenheit eingeholt. Ich habe nämlich in den Jahren davor einen Freund gehabt, der homosexuell ist und mich mehrfach dazu überredet hat, es mit ihm und auch mit anderen Männern auszuprobieren.

Da ich ziemlich einsam in der Stadt war und keine anderen Freunde hatte, wollte ich ihn nicht brüskieren und habe da mitgemacht. Echte Gefühle waren da nicht im Spiel. Es war allerdings auch nicht ganz falsch, irgendwie war das sogar eine schöne Zeit in dieser Gruppe. Aber jetzt, wenn ich mit meiner Freundin zusammen bin, denke ich nur: Wie konntest du nur?

Als mein Freund uns vor einem Monat besucht hat, hat meine Freundin sofort gemerkt, dass da zwischen mir und ihm etwas gelaufen war. Ich habe ihr auch alles gebeichtet, ihr erklärt, dass ich ganz bestimmt nie wieder etwas mit einem Mann haben werde, dass ich nur sie haben will etc.

Trotzdem ist seitdem bei uns nichts mehr wie vorher. Sie hat keine richtige Lust mehr auf Sex mit mir, sagt, sie müsse die ganze Zeit daran denken, was die Männer mit mir gemacht haben und ich mit ihnen. Außerdem hat sie riesige Angst davor, dass wir heiraten, Kinder bekommen und sich dann bei mir doch heraustellt, dass ich doch bisexuell bin und sie wegen eines anderen Mannes verlasse.

Das kann ich natürlich verstehen, auch wenn ich mir selbst total sicher bin, dass ich nur sie liebe und niemanden sonst. Ich habe echt abgeschlossen damit.

Die Frage bleibt natürlich: Bin ich bisexuell und ist das eine Gefahr für unsere Beziehung? Kann ich ihr irgendwie beweisen, dass ich nicht bisexuell bin, sondern nur noch hetero?

Es wäre toll, ihr das irgendwie eindeutig klar machen zu können.

David G. (Name geändert)

Mögliche Gründe
für die Verunsicherung bei Ihrer Freundin

Hallo David,

Sie haben eine nette Freundin gefunden, leben glücklich zwei Jahre miteinander, planen sogar schon zu heiraten- und dann besucht Sie Ihr früherer homosexueller Freund und Ihre Freundin weiss nicht mehr, ob sie Sie heiraten will. Und sie selbst stellen sich die Frage: Bin ich bisexuell?

Ich denke, die Unsicherheit bei Ihrer Freundin könnte im wesentlichen drei Gründe haben, die ich im Folgenden ausführlich erklären will.

Alle diese drei Gründe stellen für Ihre Partnerschaft jeweils ein anderes ernsthaftes Problem dar. Jeder dieser Gründe kann so tiefgreifend sein, dass Sie beide zur Lösung therapeutische Beratung gebrauchen könnten. Was genau zutrifft und was Ihnen beiden helfen kann, werden Sie nur gemeinsam mit Ihrer Freundin herausfinden können, am besten in Begleitung durch einen Therapeuten.

An dieser Stelle kann ich Ihnen daher nur als Anregung ein paar Ideen für Ihr gemeinsames Gespräch mitgeben.

1. Möglichkeit: Vermutete Unehrlichkeit

Ihre Freundin fühlt sich von Ihnen nicht ehrlich behandelt, weil sie erst nach zwei Jahren von Ihrer homosexuellen Vorgeschichte erfahren hat. Deswegen ist sie unsicher, ob Sie Ihnen jetzt Glauben schenken soll, dass sie tatsächlich die große Liebe Ihres Lebens ist.

Sollte das der Fall sein, hilft nur eines: Noch mehr mit ihr reden, bis sie Sie verstehen kann. Dabei könnten die folgenden Fragen eine Rolle spielen:

  • Warum haben Sie ihr nicht schon früher von ihrer homosexuellen Zeit erzählt?
  • Haben Sie Ihre Erinnerung selber die letzten zwei Jahre komplett verdrängt?
  • Oder war Ihnen diese Erinnerung so peinlich (und warum?), dass Sie das Ihrer Freundin nicht erzählt haben?
  • Warum hatten Sie nicht genug Vertrauen, es Ihrer Freundin früher erzählen zu können?

Je ehrlicher Sie sich selbst gegenüber sind, desto besser werden Sie es auch Ihrer Freundin erklären können.

Möglicherweise gibt es aber auch bei Ihrer Freundin Vorgeschichten. Wenn das der Fall sein sollte und sie sich also gegenseitig erzählen können, was da alles passiert ist, dann sollte es nach dieser Offenheit deutlich einfacher sein, dass Sie wieder zueinander finden.

2. Möglichkeit:
Abneigung gegen Homosexualität

Ihre Freundin hat aus irgendeinem Grund eine besondere Abneigung oder Ekel gegen Homosexualität. Diese Abneigung bekommen auch sie als Person jetzt zu spüren.

Vorurteile gegen Homosexuelle sind in vielen Familien zuhause…

Hier könnte der Therapeut mit Ihrer Freundin an Themen wie diesen arbeiten:

  • Warum findet sie Homosexualität unangenehm oder ekelerregend?
  • Gibt es vielleicht sogar in ihr selbst homoerotische/lesbische Anteile, die sie in sich selbst ablehnt?
  • Wäre es das gleiche gewesen, wenn Sie vor der Beziehung mit ihr andere Frauen gehabt hätten?
  • Hätte Ihre Freundin weniger Angst vor zukünftigem Ehebruch, wenn Sie zuvor mit anderen Frauen zusammen gewesen wären?
  • Wenn Sie die Frage Bin ich bisexuell? mit Nein beantworten würden, könnte sie sich dann Ihrer Treue sicherer sein?

3. Möglichkeit: Angst vor Bindung

Ihrer Freundin wird die Sache mit der Heirat zu „heiss“ und sie nimmt Ihre Vorgeschichte als willkommenen Vorwand, hier einen Rückzieher zu machen.

Bleibt noch diese dritte Möglichkeit: Der ganze Wirbel um Ihre Homo- oder Bisexualität und Ihre erotische Vorgeschichte ist für Ihre Freundin (bewusst oder unbewusst) nur ein Anlass, den Plan Ihrer Heirat nach hinten zu verschieben. Es gibt durchaus Menschen, welche -aus den unterschiedlichsten Gründen- Angst und Panik bekommen, sobald es um eine feste Bindung geht.
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Sollte das bei Ihrer Freundin der Fall sein, wird ebenfalls der Therapeut gefragt sein. Er könnte Ihre Freundin dann dazu anregen, über Fragen wie diese nachzudenken:

  • Was macht ihr Angst, wenn sie an Heirat und Ehe denkt?
  • Was könnte sie durch eine Ehe verlieren, was gewinnen?
  • Welche Bedürfnisse haen Sie beide in Beziehung auf Nähe und Partnerschaft?

In der Therapie geht es also vor allem darum, dass Sie sich beide ein Stück weit besser kennenlernen, und zwar sowohl sich selbst wie auch Ihre/n Partner/in: vor allem in Ihren Bedürfnissen nach Nähe, aber auch in Ihren Bedürfnissen nach Eigenständigkeit.

Wenn Sie beide überzeugende Wege finden, wie Sie zwar einerseits ein Paar sein können, gleichzeitig aber jeder Sie selber bleiben- dann wird Ihrer Heirat und Ihrer Ehe sicherlich nichts im Wege stehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen beiden alles Gute!

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

PS zu Ihrer Frage „Bin ich bisexuell?“
Einen sicheren Nachweis, ob Sie hetero-, bi- oder homosexuell sind, werden Sie niemals finden. Es geht auch gar nicht darum, welchen Typus der sexuellen Orientierung Sie haben, sondern darum, welche konkrete Beziehung sie leben, welchen Partner/Partnerin Sie lieben und wem sie die Treue halten. Ob Sie nun die Frage „Bin ich bisexuell?“ allgemein mit Ja oder Nein beantworten, hat keinen Einfluss darauf, wie stabil Ihrer beider Beziehung ist.
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Bin ich homosexuell-
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Coming-Out: Sagen, dass ich homosexuell bin
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Homosexuelle Zwangsgedan- ken- wie werde ich sie los?
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Zuletzt aktualisiert am 14.09.2017.

Sex und Krebs-
Aufgabe für die Partnerschaft

Sex und Krebs

Sex und Krebs-
das Ende des Glücks in der Beziehung?


Die Diagnose Krebs ist eine der schwierigsten Situationen, die einem Menschen in seinem Leben widerfahren können. In diesem Augenblick ändert sich so ziemlich alles: die Gegenwart ist jetzt von den medizinischen Maßnahmen geprägt, das Zusammenleben mit dem Partner/der Partnerin stellt beide vor neue Aufgaben, Ängste und Unsicherheiten sind zu bewältugen.

Dennoch muss eine Krebserkrankung nicht zwangsläufig zu einem völligen Zusammenbruch der Lebensqualität führen, weder für den Patienten/die Patientin noch für ihre/n Partner.

Grundsätzlich gilt: Auch bei einer Krebserkrankung ist ein befriedigendes Sexualleben beider Partner wichtig und möglich. Die Krebserkrankung kann sogar als gemeinsame Herausforderung erlebt werden, die beide Partner noch stärker zueinander und zu neuen und intensiven Erfahrungen im Miteinander führt.

Auch wenn durch schwere Formen einer Krebserkrankung die Möglichkeiten der geschlechtlichen Beziehung körperlich eingeschränkt sein können: Bei beiden Partnern bleibt das Grundbedürfnis nach Sinnlichkeit, Zärtlichkeit und Liebe weiter bestehen. Die große Aufgabe in einer Partnerschaft ist es nun, mit den veränderten körperlichen Möglichkeiten für Sexualität und den spezifischen Bedürfnissen beider Partner umzugehen.

Um hier geeignete Lösungen finden zu können, ist vor allem eines wichtig: um die bestehenden Probleme zu wissen, aber auch die bestehenden Möglichkeiten zu kennen und zu nutzen. Dazu ist sowohl das Gespräch mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten wichtig wie auch das Gespräch der betroffenen Partner untereinander.

Die medizinische Seite

Die Diagnose Krebs bedeutet nicht automatisch das Ende aller Sexualität in der Beziehung. Es ist wichtig, von den Ärzten über die medizinischen Rahmenbedingungen der Krankheit Bescheid zu wissen, die Symptome der Krankheit zu kennen und die Nebenwirkungen der Behandlungstechniken, aber auch die Möglichkeiten, trotzdem aktiv ein Maximum an Lebensqualität zu leben.

Bei vielen Formen von Krebs ist der Geschlechtsverkehr weiterhin uneingeschränkt möglich. Allerdings können Auswirkungen der Krankheit und Nebenwirkungen der Behandlung zu starker Müdigkeit und generellem Gefühl der Unlust führen. Trotzdem ist es für beide Partner wichtig, auf Sex nicht grundsätzlich zu verzichten und weiter gemeinsam Formen des Sex zu erkunden, die vielleicht weniger anstrengend sind als die bisher praktizierten.

Es gibt aber auch Erkrankungsformen, welche direkt die Sexualorgane betreffen und damit den Geschlechtsverkehr zumindest in Form des Koitus unmöglich machen. Zärtlichkeit und körperliche Nähe sind aber auch in diesem Fall nicht nur möglich, sondern wichtig, um den Heilungsprozess zu begleiten und zu fördern.

Eine gute medizinische Information ist nötig, damit nicht erschwerend zur Krankheit noch falsche Vorannahmen als Belastung hinzukommen: wie etwa die Vorstellung, die körperliche Nähe zu Patienten, die eine Bestrahlung erhalten haben, könnte die eigene Gesundheit gefährden oder der Irrglaube, Krebs könnte durch Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Miteinander im Gespräch sein

Die wichtigste Voraussetzung, um für beide Partner das Maximum an Lebensqualität zu erhalten, ist die offene und umfassende Kommunikation über die eigene Befindlichkeit und über die eigenen Bedürfnisse.

Es ist wichtig zu beachten, dass sich durch die Krankheitsdiagnose Krebs beide Partner in einer besonderen Lage befinden und dass es im gemeinsamen Gespräch folglich auch um die Bedürfnisse beider Partner gehen muss. Dabei geht es in Bezug auf die Sexualität um Fragen wie:

  • Auf welche Sexpraktiken verzichten wir, wenn das zum Wohlbefinden und zur Genesung des kranken Partners beiträgt?
  • Welche Alternativen gibt es, bei denen beide Partner mit ihren Bedürfnissen zum Zug kommen?
  • Wie können wir uns eine Umgebung schaffen, in der Platz für unsere Zärtlichkeit ist?
  • Welche Befürchtungen bzw. Wünsche gibt es, die ich meinem Partner mitteilen will?
  • Wie können wir uns zeigen, dass wir uns gegenseitig lieben und dass wir uns weiterhin sexuell attraktiv finden?

In einer solchen Situation ist es auch sinnvoll, einzeln oder gemeinsam einen Therapeuten aufzusuchen, der dabei helfen kann, die eigene Befindlichkeit und die Befindlichkeit des Partners besser zu verstehen und gemeinsam daran zu arbeiten, die Schwierigkeit der Situation möglichst gut zu meistern. Auch eine Online-Paarberatung kann eine erste Hilfestellug leisten. In jedem Fall ist es wichtig, für solche Fragen verständnisvolle Menschen um sich zu haben und nicht für sich allein zu bleiben.

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Asexuell?- Ich habe
keine Lust auf Sex.

Asexuell?

Asexuell-
Ist Einsamkeit da vorprogrammiert?

Bin ich asexuell?
Bisher dachte ich immer, dass ich als Frau keine Probleme mit meiner sexuellen Orientierung habe, denn lesbisch bin ich ganz bestimmt nicht.

Was mir in meiner letzten Beziehung zu einem Mann allerdings klar geworden ist: Bei einem Mann empfinde ich auch nichts. Wir hatten zwar Sex, aber ich habe einfach gar nichts gespürt, als er bei mir eindrang. Es tat nicht besonders weh (entjungfert war ich schon vorher), hat mich also nicht groß gestört. Ein Genuß war das für mich nicht. Von mir aus hätte es gereicht, wir wären einfach nur ins Restaurant und dann ins Kino gegangen. Im Grunde war mir bereits unsere erste Umarmung zu viel. Zärtlichkeiten brauche ich offensichtlich nicht, und zwar von einem Mann genauso wenig wie von einer Frau.

Dabei mag ich ihn durchaus, und von mir aus könnten wir gern befreundet bleiben. Denn immer nur allein sein, muss ja auch nicht sein. Nur auf Sex und Körperlichkeit- da könnte ich gern drauf verzichten.

Überigens kenne ich durchaus sexuelle Erregung: Seit meiner Kindheit befriedige ich mich selbst, mit Genuß, aber ohne die Vorstellung eines anderen Menschen. Da bin ich einfach nur bei mir und meinem Körper.

In einem Forum habe ich gelesen, dass bis zu 10% aller Menschen genetisch asexuell sind und dass das genauso eine sexuelle Orientierung ist wie hetero oder homo. Offenbar gehöre ich genau in diese Kategorie: Ich bin asexuell.

Aber muss das bedeuten, dass jemand asexuelles total einsam bleibt und nie in einer Beziehung lebt?

Anita B. (Name geändert)

Asexuell?-
Darüber ist noch keine Aussage möglich

 

Hallo Anita,

Sie haben einen Mann kennengelernt, der Ihnen grundsätzlich gefällt- und beim ersten Mal Sex haben Sie keinen Genuss verspürt.

Ich weiss nicht, ob der Gedanke für Sie tröstlich ist: Aber mir erscheint Ihre Geschichte bis dahin noch nicht besonders beunruhigend. Bis jetzt wissen Sie nur, dass es Ihnen mit diesem Mann beim ersten Mal (und vielleicht auch schon mit anderen Männern zuvor?) nicht gelungen ist, sexuelle Lust zu empfinden. Das ist so weit nicht ungewöhnlich.

Es gibt viele Frauen (und Männer), denen es nicht leicht fällt, mit einem neuen Partner sexuelles Vergnügen zu empfinden. Das kann möglicherweise auch daran liegen, dass Sie zu schnell in Ihrer Beziehung mit dem sexuellen „Vollprogramm“ begonnen haben. Sie schreiben ja, dass Ihr eigener Sinn mehr nach gemeinsamen Essengehen und Kino steht. Dann wäre es vermutlich passender gewesen, Sie hätten genau das (und nicht mehr!) mit Ihrem neuen Freund gemacht.

Ob Sie in die Kategorie asexueller Menschen gehören, darüber ist nach diesem Erlebnis noch gar nichts ausgesagt.

Der langsame Aufbau einer Beziehung
im Einklang mit Ihren Bedürfnissen

Aber auch so ist die Geschichte mit Ihrem neuen Freund noch nicht am Ende. Es lohnt sich, wenn Sie weiter am Ball bleiben- mit diesem Mann oder, falls das nicht geht, mit dem nächsten. Dabei ist es wichtig, dass Sie noch genauer auf Ihre eigenen Bedürfnisse achten und nicht zu schnell wieder beim Sex landen. Sonst laufen Sie Gefahr, sich ein Frustrationserlebnis nach dem nächsten zu holen.

Ihr wichtigstes Ziel könnte es sein, dass Sie sich trauen, Ihre Bedürfnisse klar zu formulieren. Und wenn Sie sich jetzt noch einmal mit Ihrem Freund unterhalten, stellen Sie vielleicht sogar fest, dass auch er von Ihrem gemeinsamen Sex zu diesem Zeitpunkt überfordert war. Dann könnten Sie jetzt erst einmal ein Stück zurückrudern zu einem Niveau, wo es wieder mehr ums Kennenlernen und um gemeinsame Freizeit geht als um Sex.

Dann wird sich allmählich zeigen, ob und wie sich Ihre Freundschaft weiter entwickeln kann, mit Sex oder ohne.

Und wenn Sie tatsächlich asexuell sind?

Was asexuell bedeutet, ist bis heute wissenschaftlich nicht klar definiert. Wenn damit Interesselosigkeit an anderen Menschen und/oder die Unfähigkeit zu sexueller Erregung gemeint sein sollte, dann sind Sie offensichtlich nach Ihrer eigenen Schilderung nicht asexuell.

Die einzige Definition von Asexualität, die möglicherweise auf Sie zutreffen könnte, wäre die Abneigung, mit einem anderen Menschen körperliche Nähe und sexuelle Handlungen auszuleben. In diesem Fall könnte es sich lohnen, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Freund einen Paartherapeuten aufsuchen, um auszuloten, wie auch unter dieser Vorgabe eine weitgehend sexfreie Beziehung für Sie beide machbar ist.

Eine genauere Untersuchung ist wichtig!

Ihre Abneigung gegen Körperkontakt und Sex kann allerdings viele Ursachen haben. Die genetisch vorgegebene Asexualität ist da nur eine Möglichkeit.

Verminderte Lust an Sex kann auch Symptom verschiedener ernster körperlicher und psychischer Erkrankungen sein. Deshalb ist es -auch unabhängig von der Frage, wie das nun mit Ihrem aktuellen freund weitergeht- wichtig, dass Sie sich kompetente ärztliche und therapeutische Hilfe holen, um diese Möglichkeit abzuklären und möglicherweise eine entsprechende Behandlung einzuleiten.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte nochmals an mich.
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Mit herzlichem Gruß

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Stalking durch den Exfreund- Wie komme ich los?

Stalking

Stalking durch den Ex-
Belastungsprobe für die neue Beziehung


Ich habe ein Stalking-Problem: Vor drei Monaten habe ich mich von meinem Ex getrennt, weil ich das Gefühl hatte, mit unserer Beziehung in eine Sackgasse gekommen zu sein. Seitdem lässt er mich nicht in Ruhe: Immer wieder steht er unangekündigt vor der Tür und klingelt, auch wenn er schon weiss, dass ich ihn nicht hereinlasse. Einige Male habe ich ihn auch von der Arbeit aus dem Bürofenster auf der gegenüberliegenden Straßenseite herumspazieren sehen, wohl, weil er einen Blick von mir erhaschen wollte.

inzwischen habe ich jetzt einen neuen Mann kennengelernt, und es ist mir oberpeinlich, dass mein Ex mir jetzt schon mehrfach mit dem Auto zur Wohnung meines Freundes hinterhergefahren ist. Mein neuer Freund hat das mitbekommen und regt sich besonders darüber auf, dass mein Ex jetzt auch zu seiner Wohnung zu Kontrollfahrten vorbeikommt.

Mein neuer Freund hat mir zu verstehen gegeben, dass er mir eine Mitschuld dafür gibt. Wenn sich da nicht bald etwas ändert, will er die Beziehung mit mir beenden. Er habe keine Lust, mit mir solche Altlasten gemeinsam tragen zu müssen.

Susanne T. (Name geändert)

Stalking-
Das Problem mit dem früheren Freund…

Hallo Susanne,

in den letzten drei Monaten haben Sie gleich drei schwierige Erfahrungen gemacht: erst die Trennung vom alten Freund, dann das Stalking und jetzt die Drohung des neuen Freundes, wegen des Stalking Ihre neue Beziehung abzubrechen. Das ist eine gehörige Portion Trouble auf einmal!

Und jetzt haben Sie die Probleme mit beiden gleichzeitig…

Um genau zu verstehen, was da mit Ihrem früheren Freund passiert ist, bräuchte ich noch einiges mehr an Informationen:

  • Wie sah denn die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Ex-Freund vor der Trennung aus?
  • Gab es da Situationen, die Ihnen schon vor der Trennung als ungewöhnlich aufgefallen sind?
  • Gab es irgendwelche Auffälligkeiten im Verhalten Ihres Ex-Freundes?
  • Gibt es irgendetwas, das Ihren Ex–Freund dazu ermutigen könnte, immer wieder mit Ihnen Kontakt aufzunehmen?
  • Auf welche Weise haben Sie Ihrem Ex-Freund mitgeteilt, dass definitiv Schluss ist und dass Sie von ihm nicht weiter verfolgt werden möchten?

All das zu wissen wäre wichtig, um verstehen zu können, warum Ihr früherer Freund sich möglicherweise im Recht glaubt, Ihnen solchermaßen nachstellen zu können. Vielleicht könnten Sie hier, eventuell gemeinsam mit einem Therapeuten, Ansatzpunkte finden, um Ihrem früheren Freund jetzt definitiv klar zu machen, dass Ihr Nein wirklich ein Nein bedeutet.

Wenn Sie sich dagegen vollkommen sicher sind, Ihr Nein klar und unmissverständlich augesprochen zu haben, ohne irgendwelche Rückzieher, dann ist es jetzt definitiv an der Zeit, härtere Maßnahmen zu ergreifen.
Ein Rechtsanwalt kann Ihnen helfen, einen Antrag auf Unterlassen und eine einstweilige Verfügung mit Näherungsverbot zu erwirken. Eine solche Anordnung kann, mit Hinweis auf die Dringlichkeit, auch sehr kurzfristig greifen. Wenn Ihr Ex jetzt doch noch einmal auftaucht, genügt ein Anruf bei der Polizei, um ihn aus dem Verkehr zu ziehen.

…und das Problem mit dem neuen Freund

Ganz unverständlich ist das Verhalten Ihres neuen Freundes nicht, der von Ihnen verlangt, mit Ihrem Ex-Freund erst einmal selbst aufzuräumen. Möglicherweise empfindet er die Kontrollfahrten Ihres Ex-Freundes zu seiner eigenen Wohnung als persönliche Bedrohung und hat Angst, Ihr Ex-Freund könnte ihm aus Rache etwas antun.

Solange Sie selbst keine klaren Schritte gegenüber Ihrem Ex-Freund unternehmen, werden Sie Ihren neuen Freund von der Endgültigkeit dieser Trennung nicht recht überzeugen können. Es wird immer so aussehen, als würden Sie Ihren Ex-Freund weiter schützen wollen.

Natürlich wäre es netter, Ihr neuer Freund würde jetzt Beschützerinstinkt zeigen und mit Ihnen gemeinsam Lösungen suchen, um das Stalking durch Ihren früheren Freund zu beenden. Möglicherweise ist aber bei ihm die Botschaft noch nicht klar angekommen, dass sie wirklich nichts mehr von Ihrem Ex wollen und dass Sie für diese Eskalation nicht verantwortlich sind.

Insofern könnte der Gang zum Rechtsanwalt sich gleich doppelt lohnen. Wenn Ihr neuer Freund sieht, dass Sie juristisch eindeutige Gegenmaßnahmen ergriffen haben, wird auch für ihn klar sein, dass Sie mit dem Ex und seinem Verhalten nichts zu tun haben.

Die letzten Fragen, die noch bleiben..

Wenn Sie keine definitive Lösung finden, Ihrem Ex-Freund das Nein klarzumachen, dann wäre zu fragen: Warum schaffen Sie das nicht? In diesem Fall wäre für Sie selbst wahrscheinlich das Gespräch mit einem Therapeuten sehr hilfreich.

Wenn Sie dagegen die Trennung von Ihrem Ex-Freund mit oder ohne Therapeut bzw, Rechtsanwalt geschafft haben, dann stellt sich die Frage: Wie gehen Sie mit Ihrem neuen Freund um und seinem Verhalten Ihnen gegenüber? Können Sie es akzeptieren, dass er Sie so sehr unter Druck gesetzt hat, endlich klare Verhältnisse zu schaffen? Oder fühlen Sie sich von ihm so sehr im Stich gelassen, dass Sie für eine gemeinsame Zukunft keine Basis mehr sehen?

Bei Ihrer Entscheidung könnte eventuell hilfreich sein, dass Sie sich vorzustellen: Nicht Sie, sondern Ihr neuer Freund wäre solchermaßen von einer Ex-Freundin verfolgt worden. Wie wären Sie selbst damit umgegangen? Hätten vielleicht auch Sie dann auch erst einmal die klare Trennung verlangt, um überhaupt weitermachen zu können?

Ihnen alles Gute bei diesen wirklich nicht einfachen Entscheidungen!
Wenn Sie möchten, können Sie mich gern noch einmal kontaktieren.

Mit freundlichen Grü0en
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Schwiegermutter
ist zu besitzergreifend

Schwiegermutter zu besitzergreifend?

Wenn die Schwiegermutter alles besser weiß…

Eigentlich bin ich glüklich verheiratet und stolze Mutter einer inzwischen 3 Monate alten Tochter.
Mein einziges Problem sind meine Schwiegereltern. Mein Mann und ich wohnen in einer Einliegerwohnung bei Ihnen im Haus, und sind auch darüber eigentlich ganz froh, weil mein Mann noch nicht so viel verdient, dass wir uns locker eine eigene Wohnung leisten könnten.
Meine Schwiegermutter kümmert sich an und für sich sehr immer wieder sehr lieb um unser Baby, besonders, weil es ihr erstes Enkelkind ist. Allerdings ist sie sehr besitzergreifend.
Neulich hat sie mich sehr verletzt, als sie gesagt hat, ich bräuchte mir keine Illusionen zu machen, daß meine Kleine mich vermissen würde, wenn ich mal nicht da wäre. Dazu wäre sie einfach noch zu klein, und sie hätte auch bei der Oma alles, was sie braucht. Außerdem sei die Oma eben auch sehr viel erfahrener im Umgang mit Kindern- schließlich hääte sie schon drei großgezogen und ich wäre erst seit drei Monaten Mutter. Fast habe ich schon das Gefühl, als wollte sie mir mein Kind wegnehmen, um es vor mir zu schützen.
Mein Mann meint, ich solle das nicht persönlich nehmen und nimmt seine Mutter in Schutz. Ich solle einfach nicht so überempfindlich sein.
Ich fühle mich von ihm total allein gelassen und habe in unserer eigenen Wohnung nicht das Gefühl, zuhause zu sein, sondern nur auf permanentem Besuch bei den Schwiegereltern.

Steffi G. (Name geändert)

Für Ihre Schwiegermutter
hat die Welt sich verändert

Hallo Steffi,

mit der Geburt Ihrer Tochter hat sich für alle Menschen in Ihrer Umgebung viel verändert. Sie sind nun Mutter, ihr Mann Vater geworden. Sie beide sind nicht länger nur ein Paar, sondern gemeinsam mit Ihrer Tochter selbst eine eigene Familie geworden.

Auch für Ihre Schwiegermutter hat sich die Welt völlig verändert. Bis zur Geburt Ihres Kindes war es für Ihre Schwiegermutter noch möglich, Sie wie ein zusätzliches Kind oder als den Anhang Ihres Sohnes zu verstehen und Sie damit als Teil ihrer Großfamilie zu sehen, in der sie selbst unumstritten die Rolle der Mutter innehatte.

Jetzt ist aber sozusagen eine Familie in der Familie entstanden, zu der Ihre Schwiegermutter nicht dazugehört. Ihr Mann und Sie selbst sind jetzt nicht einfach wie bisher ihre Kinder, sondern selbst Eltern. Diese Veränderung fällt Ihrer Schwiegermutter offensichtlich nicht leicht: ihre eigene Rolle in der Familie ist nicht mehr die gleiche, sie gehört jetzt zur drittältesten Generation. Und sie muss auch ein Stück Macht abgeben über Ihren Sohn, der jetzt eben nicht mehr familiär an erster Stelle die Rolle ihres Kindes spielt, sondern die eines Vaters und Ehemanns.

Diese neuen Verhältnisse kann sie in der Realität nicht rückgängig machen. Aber es gibt in ihr, sicherlich unbewußt, den Versuch, die alte Stellung zu verteidigen: Deshalb scheint sie ihr Enkelkind als ihr eigenes zu betrachten und Sie als Mutter gar nicht wahrzunehmen.

Sie alle müssen sich jetzt an neue Rollen in der Familie gewöhnen

Die einzige tatsächliche Lösung für das Problem ist, Ihrer Schwiegermutter dabei zu helfen, in die neue Rolle als Oma hineinzuwachsen. Denn sie hat offenbar Schwierigkeiten, von der Mutter-Rolle zu Oma-Rolle zu wechseln.

Das liegt möglicherweise daran, dass sie selbst Vorstellungen über die Oma-Rolle hat, die ihr nicht gefallen. Vielleicht denkt sie, Omas wären alt, unattraktiv und schon halb aus dem Leben verabschiedet. Dabei kann Oma-Sein auch genau das Gegenteil sein: Freude darüber, dass das eigene Kind nun selbst ein Kind hat; Freude darüber, am Leben des Enkelkinds Anteil haben zu können, ohne selbst dafür die volle Verantwortung zu tragen; Freude über die größer gewordene Familie.

In diesem Zusammenhang stellt sich nun die Frage, wie sich eigentlich die anderen Familienmitglieder verhalten: Gibt es einen Schwiegervater? Was hält der davon, dass sich seine Frau jetzt so sehr auf das Enkelkind stürzt?
Und vor allem: Hat Ihr eigener Mann schon begriffen, dass er nun mit der Vaterrolle auch die Aufgabe hat, seine eigene kleine Familie vor Übergriffen von außen zu schützen und sogar auch vor den Übergriffen seiner eigenen Mutter?

Das sind alles bestimmt keine einfachen Fragen, aber sie stellen sich ganz automatisch, wenn mit der Geburt eines Kindes in einer Familie eine neue Generation hinzukommt.

Der erste Ansprechpartner ist Ihr Ehemann

Wenn Sie sich einfach nur an Ihrer Schwiegermutter reiben, werden Sie das Problem vermutlich nicht lösen können. Ihr Ehemann ist bei der Problemlösung Ihr wichtigster Partner. Ja klarer er seiner Mutter gegenüber deutlich machen kann, dass Sie die Mutter Ihres Kindes sind und dass für ein Kind Vater und Mutter die wichtigsten Personen im Leben sind und erst danach die Großeltern, desto besser.

Mögicherweise kann es Ihnen beiden gut tun, wenn Sie sich ein paar Stunden Beratung durch einen Paartherapeuten gönnen, der ihnen dabei hilft, Ihre eigene neue Position besser zu verstehen und leben zu können. Denn je selbstsicherer Sie beide gegenüber Ihrer Schwiegermutter auftreten und je genauer Sie beide wissen, welches Ihrer beide Grundsätze in der Kindererziehung sind, desto eher wird auch Ihre Schwiegermutter begreifen, wo die Grenzen ihrer eigenen neuen Rolle als Oma liegen.

Natürlich kann es Extremfälle geben, wo sich Schwiegermütter niemals an eine solche neue Rolle gewöhnen werden- da kann es dann hilfreich sein, auf räumliche Trennungzu setzen und nicht länger in unmittelbarer Nachbarschaft und schon gar nicht im gleichen Haus miteinander zu wohnen.

Aber dass es so weit kommt, ist noch längst nicht gesagt. Wenn drei Monate nach der Geburt eines Kindes alle Beteiligten noch nicht ganz in ihre neuen Rollen gefunden haben, ist das noch vollkommen normal.

Allerdings sollten Sie jetzt, auch wenn das mit einem kleinen Kind nicht immer leicht ist, vor allem darauf achten, dass Sie mit Ihrem Ehemann alle diese Fragen in Ruhe und in aller Ausführlichkeit besprechen. Denn er ist Ihr wichtigster Partner, das Problem mit Ihrer Schwiegermutter zu lsöen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, freue ich mich, wenn Sie mit mir nochmals Kontakt aufnehmen.

Mit herzlichem Gruß

Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Zuletzt aktualisiert am 14.09.2017.