Voyeurismus-
Mein Freund und der Parkplatz

Voyeurismus-
Frauen beim Uninieren überraschen

Voyeurismus
Seit zwei Jahren bin ich mit meinem Freund zusammengezogen. Was ich von Anfang an merkwürdig fand, ist, dass er in der Freizeit immer wieder für ein paar Stunden wegfährt, ohne dass er es recht erklären kann. Ich konnte herausfinden, dass es den Schulfreund, den er angeblich besucht haben wollte, überhaupt gar nicht gibt.

Ich habe ihn zur Rede gestellt und er hat mir gebeichtet, dass er immer wieder mit dem Auto zu einem Parkplatz an der Autobahn fährt, wo es kein Dixie-Klo gibt und hofft, dass eine Frau aussteigt und hinter den Büschen urinieren geht. Er tut dann genau in dem Moment, wo sie in der Hocke sitzt, so, als würde er rein aus Zufall gerade vorbeilaufen, und starrt sie an.

Angrapschen tut er die Frauen nicht, auch nicht vor ihnen onanieren. Aber er genießt die Peinlichkeit der Situation und den Schreck, den sie bekommen. Offenbar so sehr, dass er das mehrmals die Woche tut. Alternativ geht er wohl auch immer wieder in den Stadtwald, in der Hoffnung, dort ein Pärchen beim Sex zu überraschen.

Ich war ziemlich entsetzt, als er mir das erzählte. Ich habe auch darüber nachgedacht, auszuziehen und unsere Freundschaft zu beenden. Aber ich liebe ihn dazu einfach zu sehr.

Er sagt auch, dass er sich ändern will- immer wieder. Aber spätestens nach 2 Wochen ist er dann doch wieder unterwegs zu dem Parkplatz. Neulich habe ich ihn nur kurz zum Einkaufen geschickt- zurückgekommen ist er 5 Stunden später… Anscheinend liebt er seinen Voyeurismus mehr als mich.

Meine Bitte, dass er sich einen Therapeuten sucht, hat er jedes Mal in den Wind geschlagen. Er wäre nicht krank, meint er. Nur machen ihm eben Dinge Spaß, die sich die meisten Menschen einfach nicht trauen.

Irgendwie habe ich die Lust auf Sex mit ihm verloren. Ich weiß nicht, wie ich auf Dauer mit so einem Mann zusammenleben soll. Außerdem hat er, als ich ihm einmal die Trennung angedroht habe, gesagt, dass doch ich die einzig Wichtige in seinem Leben wäre und dass er sich dann ja gleich umbringen könnte, wenn ich ihn verlasse.

Monika Z. (Name geändert)

Voyeurismus-
eine Belastungsprobe für die Partnerschaft

Hallo Monika,

Ihr Freund hat Ihnen gebeichtet, dass er regelmäßig zu einem Autobahnparkplatz fährt, um dort Frauen beim Urinieren zuzusehen. Auch im Stadtwald versucht er Pärchen beim Sex zu beobachten.

Sie selbst haben deswegen keine Lust mehr auf gemeinsamen Sex. Sie lieben ihn aber zu sehr, um sich von ihm zu trennen. Außerdem hat er für diesen Fall mit einem möglichen Selbstmord gedroht. Jetzt wissen Sie nicht, wie Sie auf Dauer mit ihm zusammenleben können.

Voyeurismus- was ist das?

Der Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisaion ICD-10 (F.65.3) definiert Voyeurismus als „wiederkehrender oder anhaltender Drang, anderen Menschen bei sexuellen Aktivitäten oder intimen Tätigkeiten, z.B. Entkleiden, zuzusehen ohne Wissen der beobachteten Person“.

Welche Probleme hat Ihr Freund eigentlich?

Für Ihren Freund trifft diese Definition nur teilweise zu. Denn im Fall der urinierenden Frauen am Parkplatz legt er selbst offenbar selbst keinen Wert darauf legt, unentdeckt zu bleiben, sondern tritt den Frauen direkt entgegen, um sie zu beschämen. Hier kommt auch ein aggressiver Zug hinzu, der bei Voyeuren nach der ICD-10-Definition nicht vorhanden ist.

Um hier zu einer genauen Diagnose zu finden, wäre eine eingehendere Untersuchung durch einen Therapeuten notwendig.

Dazu kommt noch die von ihm -allerdings nicht ganz klar- ausgesprochene Selbstmorddrohung. Schon allein deswegen, dass Ihr Freund Ihnen erklärt, mit dem Gedanken zu spielen, sich das Leben zu nehmen, ist unbedingt eine psychologische oder psychiatrische Klärung erforderlich.

Selbstmorddrohungen sind immer ernst zu nehmen und müssen fachlich kompetent begleitet werden (siehe Artikel: Selbstmorddrohung- Wie gehe ich mit damit um?).

Voyeurismus-
Sie können Ihren Freund nicht ändern

Nach Ihrer Schilderung erscheint es fraglich, ob Sie Ihren Freund zu einer Therapie bewegen können. Denn Grundvoraussetzung für einen Therapieerfolg ist persönliches Leiden unter der Krankheit und Krankheitseinsicht.

Und anders als etwa bei einem Exhibitionisten hat ihr Freund eher weniger juristische Konsequenzen zu fürchten, da sich jeder Mensch frei im öffentlichen Raum bewegen darf. In juristische Schwierigkeiten käme ein Voyeur nur dann, wenn er von fremden Personen gegen deren Willen Photos anfertigt.

Letztlich ist der einzige Nachteil, den er zu befürchten hat, dass Sie es nicht mehr mit ihm aushalten und ihn verlassen.

Vielleicht haben Sie an diesem Punkt die Möglichkeit, ihn zumindest gemeinsam mit Ihnen zu einem Besuch beim Therapeuten zu bringen- indem Sie nicht ihn und seine Probleme in den Vordergrund stellen, sondern sagen, dass Sie selbst ein Problem mit Ihrer Partnerschaft haben, das Sie gerne gemeinsam mit ihm in einer Therapie lösen möchten.

Voyeurismus des Freundes-
Wie gehen Sie damit um?

Sie selbst können nicht für Ihren Freund seine Probleme lösen. Das kann nur er selbst. Sie können aber für sich selbst sorgen und dafür, dass es Ihnen selber gut geht. Momentan scheinen Sie da aber selbst in eine ziemliche Sackgasse hineingeraten zu sein:

  • Einerseits schreiben Sie, dass Sie Ihren Freund zu sehr lieben, um sich von ihm trennen zu können,
  • Einen Absatz weiter schreiben Sie, dass Sie nicht wissen, wie Sie mit ihm auf Dauer zusammenleben können.

Ein erster Schritt, um aus dieser Zwickmühle herauszukommen, könnte sein, dass Sie sich, auch ohne Ihren Freund, für ein paar Stunden die Unterstützung durch einen Therapeuten gönnen.

Themen für Ihr Gespräch
mit einem Therapeuten

Im gemeinsamen Gespräch mit dem Therapeuten könnte es dann u.a. um folgende Themen gehen:

  • Was sind meine eigenen Bedürfnisse in einer Beziehung?
  • Was brauche ich, damit mir der Sex in einer Beziehung Spaß macht?
  • Welche sexuellen Aktivitäten meines Partners außerhalb unserer Beziehung kann ich akzeptieren, welche nicht?
  • Was mache ich, wenn ich sexuelle Aktivitäten meines Partners außerhalb der Beziehung nicht akzeptieren kann?
  • Welche Regeln können Partner in einer Beziehung vereinbaren?
  • Was mache ich, wenn mein Partner gemeinsam vereinbarte Regeln immer wieder verletzt?
  • Wie gehe ich damit um, wenn mein Partner mich mit Selbstmorddrohungen erpreßt?

Die Klärung dieser Fragen könnte ein wichtiger Schritt für Sie sein, dass Sie selbst wieder mehr Spielräume für Ihren eigenen Lebensweg finden. Dafür wünsche ich Ihnen alles Gute!

Gern können Sie sich bei weitere Fragen an mich wenden.

Mit freundlichen Grüßen

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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Mein Mann zieht gerne Frauenkleider an-
Wie krank ist das?

Frauenkleider: Alexej von Jawlensky: Alexander Sacharoff, 1909

Fetisch Frauenkleider (Alexej von Jawlensky: Alexander Sacharoff

Frauenkleider-
mein Mann und sein neuer Fetisch

Frauenkleider
Mein Mann trägt gerne Frauenkleider, häufiger am Abend, am Wochenende auch mal tagsüber.

Vor einem Vierteljahr habe ich ihn das erste Mal mit Rock und Stöckelschuhen überrascht, als ich nach Hause kam. In meiner ersten Überraschung habe ich so getan, als wäre das die natürlichste Sache der Welt. Ich habe ihm dann auch erlaubt, sich seine Sachen anzuziehen, wenn die Kinder nicht zuhause sind.

Richtig glücklich bin ich über seinen Fetisch allerdings nicht. Ständig habe ich Angst, dass er sein Zeug irgendwo herumliegen läßt und es dann entweder die Kinder finden oder meine Mutter, wenn sie überraschend zu Besuch kommt.

Ausserdem gefällt mir mein Mann so nicht. Ich finde es weder sexy noch erotisch, ihn in irgendwelchen Dessous zu sehen, sondern einfach nur lächerlich.

Mein Mann gefällt mir nun einmal am besten so, wie ich ihn kennengelernt habe- in Männerbekleidung. Wenn er sich als Frau verkleidet, vergeht mir die Lust auf Sex.

Meistens versuche ich, gute Miene zu machen und lasse ihn einfach so rumlaufen. Denn ich sehe, dass ihm sein neues Outfit offenbar sehr gut gefällt. Er kauft sich ja immer noch weitere Sachen hinzu.

Aber, ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wieviele solche Extravaganzen eine Frau in ihrer Ehe einfach akzeptieren muß.

Kerstin D. (Name geändert)

Frauenkleider bei meinem Mann-
nicht sexy, sondern lächerlich

Hallo Kerstin,

vor drei Monaten haben Sie Ihren Mann das erste Mal dabei überrascht, wie er zuhause Frauenkleider getragen hat. Jetzt macht er es häufiger am Abend und am Wochenende.

Sie selbst haben es ihm zwar erlaubt, Sie fühlen sich aber nicht wohl mit seinem Fetisch. Zum einen, weil sie Angst haben, Ihre Kinder oder Ihre Mutter könnten seine Frauensachen finden, zum anderen, weil Sie ihn in seinem Outfit nicht sexy, sondern lächerlich finden.

Unsicherheit im Umgang mit dem Fetisch

Offensichtlich sind Sie sich unsicher, wie Sie mit dem Fetisch Frauenkleidung bei Ihrem Mann umgehen sollen. Einerseits „erlauben“ Sie es ihm, in Ihrer Gegenwart so herumzulaufen, weil es ihm so gefällt. Andererseits ist es gleichzeitig Ihr Wunsch, dass er -zumindest in ihrer Gegenwart- auf Frauenkleider verzichtet.

Nach Ihrer Schilderung haben Sie beide Schwierigkeiten, klar und offen über das Thema Fetisch und über Ihre wechselseitigen Bedürfnisse zu kommunizieren.

Hilfsmöglichkeiten durch Sexualtherapie

Es könnte sich daher für Sie beide lohnen, hier miteinander wieder ins Gespräch zu kommen. Da es sich beim Thema Fetisch um ein eher heikles Gebiet der Sexualität mit einer großen Verletzungsgefahr handelt, könnte es sinnvoll sein, dass Sie beide sich einen Therapeuten als Moderator gönnen, der Ihnen dabei hilft.

Folgende Fragen könnten bei einem solchen Gespräch wichtig sein:

Fragen an Ihren Mann:
  • Können Sie sich vorstellen, was Ihre Frau empfindet, wenn Sie in ihrer Gegenwart Frauenkleider tragen?
  • Was empfinden Sie selbst beim Tragen der Frauenkleider in ihrer Gegenwart? Sexuelle Erregung? Scham? Freude am Gefühl, wie eine Frau auszusehen?
  • Fühlen Sie sich selbst in Frauenkleidern eher schön oder eher gedemütigt?
  • Spielen Sie mit der Möglichkeit, in Ihren Frauenkleidern entdeckt zu werden?
  • Haben Sie sich möglicherweise ein Stück weit darauf ankommen lassen, dass Ihre Frau Sie in Ihrem Fetisch überrascht hat? Lassen Sie es immer noch darauf ankommen, dass auch Ihre Kinder und Ihre Schwiegermutter Ihren Fetisch herausfinden?
  • Wie würden Sie darauf reagieren, wenn Ihre Frau Ihnen das Tragen von Frauenkleidern in ihrer Gegenwart verbieten würde?
Fragen an Sie selbst:
  • Können Sie sich vorstellen, was Ihr Mann empfindet, wenn er in Ihrer Gegenwart Frauenkleider trägt?
  • Wie wäre es, wenn Sie Ihre Gedanken über das Tragen von Frauenkleidern offen gegenüber Ihrem Mann aussprechen?
  • Sie haben Ihrem Mann erlaubt, in Ihrer Gegenwart Frauenkleider zu tragen. Was hält Sie davon ab, es ihm wieder zu verbieten?
  • Empfinden Sie bei Ihrer Vorstellung, Ihre Kinder oder Ihre Mutter würden den Fetisch Ihres Mannes herausfinden, möglicherweise ein Stück Genugtuung?
  • Hat sich an Ihren Gefühlen für Ihren Mann dadurch etwas geändert, dass Sie seinen Fetisch kennen?

Themenfelder

Wie die obigen Fragen zeigen, gibt es eine Reihe verschiedener Themen, die in Ihrer Fallgeschichte eine Rolle spielen. Die ersten drei Themenfelder (Fetischismus, Masochismus, Exhibitionismus) könnten eine Klärung bringen, inwieweit das Tun Ihres Mannes durch sexuelle Präferenzen geprägt ist. Im vierten Themenfeld Transvestitismus ginge es darum, inwieweit bei Ihrem Mann weniger ein sexuelles Interesse im Vordergrund steht als vielmehr der Wunsch, sich selbst zeitweise als Frau erleben zu können.

Fetischismus

Dass Männer gern Frauenkleider tragen, ist seit Shakespeare´s Zeiten nichts Ungewöhnliches. Viele Männer empfinden es als erregend, beim Sex weibliche Kleidungsstücke zu tragen.
Zum einen deswegen, weil für sie diese Kleidungsstücke als sexueller Stimulus dienen (klassischer Fetisch), zum anderen, weil sie das mit der Kleidung verbundene Rollenspiel erregend finden: Für heterosexuelle Männer ist das Lustobjekt schlechthin die Frau- in der Verkleidung können sie selbst spielen, ein solches Lustobjekt zu sein.

Masochismus

Das Tragen von Frauenkleidern kann -neben dieser Funktion als Fetisch in klassischem Sinn- auch ein Element der Selbstdemütigung enthalten, insbesondere dann, wenn damit gespielt wird, in diesem Fetisch von anderen entdeckt und der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. In diesem Fall käme zum Fetischismus auch ein gutes Stück Masochismus hinzu: Lust, die daraus gewonnen wird, das andere einem -in diesem Fall psychische- Schmerzen zufügen.

Exhibitionismus

Nach dem Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 F 65.2 gehört zur Definition von Exhibitionismus immer die Entblößung der eigenen Genitalien.
Wenn man Exhibitionismus allerdings in etwas weiterem Sinn als die ungewollte Konfrontation anderer mit sexuellen Handlungen definiert, ist es durchaus ein Akt des Exhibitionismus, wenn Ihr Mann mit dem Risiko spielt, auch von Ihren Kindern und Ihrer Mutter entdeckt zu werden.
Dieser Aspekt ist in Ihrer Geschichte am problematischsten, da er unbeteiligte Dritte, in diesem Fall sogar Minderjährige, in ihrer sexuellen Selbstbestimmung psychisch schädigen kann.

Sexuelle Handlungen müssen immer im gegenseitigen Einverständnis aller Beteiligten stattfinden– ansonsten wird eine Grenze überschritten, die in der Medizin als Störung der Sexualpräferenz bezeichnet wird.

Transvestitismus

Auffällig ist, dass Ihr Mann Frauenkleidung offenbar nicht (nur?) in Verbindung mit sexueller Erregung trägt. Beim rein fetischistischen Transvestismus würde der Wunsch, Frauenkleidung zu tragen, mit nachlassender sexueller Erregung ebenfalls schwinden. Es ist die Frage, ob es sich bei Ihrem Mann möglicherweise um transsexuellen Transvestitismus handelt, d.h., ob sich ihr Mann durch das Tragen von Frauenkleidung zeitweise selbst als Frau erleben will und warum.

Therapeutische Konsequenzen

Die Bearbeitung dieser vier Themenbereiche in der Therapie könnte Ihnen beiden dabei helfen zu verstehen, was es genau bedeutet, wenn Ihr Mann Frauenkleider trägt. Es kann sein, dass es eine rein fetischistische Handlung ist, es kann aber auch sein, dass masochistische und exhibitionistische Tendenzen ebenfalls eine Rolle spielen.

Alternativ dazu kann es sich auch um eine Störung der Geschlechtsidentität Ihres Mannes handeln, geprägt von dem Wunsch, zumindest zeitweise sich selbst als Frau erleben zu können.

Wenn soweit die Motivation Ihres Mannes geklärt ist, wird für Sie die Frage im Raum stehen, wie Sie mit den sexuellen Präferenzen Ihres Mannes umgehen wollen. Hier sind sehr verschiedene Lösungen denkbar: Von einer strikten Absage, dass er in Ihrer Gegenwart Frauenkleidung trägt, bis hin zu spielerischer Integration seines Fetischismus (und ggf. auch seines Masochismus) in Ihr gemeinsames sexuelles Zusammenspiel.

Für Ihren Mann wird sich die Frage stellen, inwieweit er bereit ist, sich in seinem sexuellen Verhalten auch nach Ihren Wünschen zu richten: also in Ihrer Gegenwart keine Frauenkleider zu tragen oder nur dann, wenn Sie es ihm ausdrücklich gestatten.

Wenn Sie möchten, können Sie sich mit weiteren Fragen gern an mich wenden.
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PS: Weitere Infos im Artikel BDSM Beratung. Einen weiteren Artikel zum Thema „Männer in Frauenkleidern- Fetischismus in der Kunst“ finden Sie hier.

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Was ist Fetischismus?
Dinge als Objekt der Begierde

Was ist Fetischismus?
Was ist Fetischismus? Cancan-Tanz

Was ist Fetischismus?- Cancan im 19. jahrhundert
(Louis CHARBONNIER Scala 1897)

Was ist Fetischismus?- Eine Begriffserklärung

was ist fetischismus

Fetisch- vom Götzenbild zum Objekt sexueller Begierde

Der Begriff Fetisch stammt aus dem mittelalterlichen Latein: factīcius beduetet soviel wie unecht, nachgemacht.

Christliche Missionare haben das Wort Fetisch zur Bezeichnung für religiöse Bildwerke der Naturreligionen verwendet, die sie als „unechte“ Götzenbilder brandmarken wollten.

In diesem Sinne „verehrungswürdiger, geheimnisvoller Gegenstand“ ist das Wort Fetisch dann auch in die Sexualwissenschaft gelangt, so bereits im 19. Jahrhundert bei Richard von Krafft-Ebing -allerdings auch mit dem Nebensinn, dass der sexuelle Fetisch genauso wie das Götzenbild eigentlich etwas ist, dass es auszurotten gilt.

Ein sexueller Fetisch ist demnach ein Objekt, welches dazu dient, die sexuelle Erregung zu steigern. Das können bestimmte Kleidungsstücke sein, oft aus bestimmten Materialien (Leder, Latex, Lack…)- der „klassische“ Fetisch. Beispiele hier im Blog finden sich in den Artikeln.

In weiterem Sinne können aber auch bestimmte Körperteile zum Fetisch werden. Beispielsweise kann ein Mann es besonders erregend finden, die Füße einer Frau zu betrachten- und dabei für seine Erregung die Person in ihrer Ganzheit auszublenden. Sigmund Freud hat in seinem Aufsatz über Gradiva („die Schreitende“) dafür ein anschauliches Beispiel gegeben.

Fetischismus- eine psychische Erkrankung?

Der Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 definiert Fetischismus wie folgt:

Gebrauch toter Objekte als Stimuli für die sexuelle Erregung und Befriedigung. Viele Fetische stellen eine Erweiterung des menschlichen Körpers dar, z.B. Kleidungsstücke oder Schuhwerk. Andere gebräuchliche Beispiele sind Gegenstände aus Gummi, Plastik oder Leder. Die Fetischobjekte haben individuell wechselnde Bedeutung. In einigen Fällen dienen sie lediglich der Verstärkung der auf üblichem Wege erreichten sexuellen Erregung (z.B. wenn der Partner ein bestimmtes Kleidungsstück tragen soll).

Damit solcher Fetischismus als Erkrankung beurteilt wird, sollte die Handlung mehr als 6 Monate anhalten und für den Betroffenen oder seine Umgebung mit Leid verbunden sein.

Ein Beispiel dafür wäre, dass der Betroffene nur noch durch den Gebrauch eines bestimmten Fetisch sexuelle Erregung verspürten kann und das selbst gern anders hätte. In diesem Fall könnte der Besuch bei einem Sexualtherapeuten helfen.

Fetischismus-
als Bereicherung des sexuellen Erlebens

Fetischismus, der einvernehmlich in das sexuelle Spiel von Erwachsenen eingebaut wird, hat also keinen Krankheitswert.

Im Gegenteil- viele Menschen empfinden es als Bereicherung ihres Sexuallebens, Fetischobjekte in ihr gemeinsames sexuelles Spiel zu integrieren. In diesem Sinne kann bereits ein hübsches Nachthemd ein Fetischobjekt sein, das mit dazu beiträgt, sexuelle Erregung aufzubauen.

Pornoläden und -versandhäuser bieten eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt an Fetischobjekten an: Schuhe, Unterwäsche, Kleidung, Spielzeuge… oft aus besonderen Materialien wie Leder, Lack oder Latex, die speziell für eine Verwendung in sexuellem Zusammenhang produziert sind.

In den letzten Jahren hat sich so wie in den USA und in anderen westlichen Ländern auch in Deutschland eine lebhafte Partyszene von Fetisch-Freunden entwickelt, bei denen das gemeinsame Feiern und Tragen von Fetischkleidung im Mittelpunkt steht.

Was ist Fetischismus?-
Mögliche psychische Ursachen

Eine eindeutige wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen Fetischismus fehlt bis heute.

Sicherlich spielt eine entsprechende genetische Veranlagung eine große Rolle. Möglich ist auch, dass sich im Gehirn aufgrund von Lernerfahrungen die Wahrnehmung bestimmter Materialien oder Gegenstände dauerhaft mit dem Gefühl sexueller Erregung verknüpft: durch eine solche Konditionierung kann der betreffende Fetisch dann auch von sich aus sexuelle Erregung hervorrufen.

Die Begeisterung für einen Fetisch kann sich biografisch verändern, d.h. sich neu entwickeln, aber auch abflauen.

Solange Sie an Ihrem sexuellen Erleben Freude haben und niemanden schädigen (weder sich selbst noch andere), gilt der Satz: „Erlaubt ist, was gefällt!“ Ihrer Fantasie sind da aus sexualtherapeutischer Sicht keine Grenzen gesetzt.
was ist fetischismus

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PS: Vgl. auch meinen Beitrag „10 Fakten zum Thema Fetisch und Fetischismus

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Unsicherheit
gegenüber Frauen

Unsicherheit gegenüber Frauen-
Jedes Mal eine Abfuhr

Unsicherheit gegenüber Frauen
Irgendwie habe ich immer Pech mit attraktiven Frauen, schon seit meiner Pubertät. Jedes Mal ist es zu einigen Treffen gekommen, ich hatte von meiner Seite auch immer das Gefühl, dass wir uns gut verstanden haben- und dann ging es doch nicht weiter, meist aus irgendwelchen terminlichen Gründen ihrerseits.

Jetzt habe ich wieder eine wunderhübsche Frau kennengelernt. Gestern waren wir gemeinsam Essen gegangen-ein sehr gemütlicher, netter Abend. Wir haben eine Menge gemeinsamer Interessen festgestellt und konnten uns viel erzählen.

Trotzdem habe ich riesige Angst, dass ich auch sie enttäuscht habe. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass sie sich noch einmal bei mir melden wird.

Vielleicht liegt es an meiner Unsicherheit gegenüber Frauen, nach all den vorherigen Erfahrungen… Aber wie soll ich sicherer auftreten, wenn es jedes Mal nicht klappt?

Markus Z. (Name geändert)

Unsicherheit gegenüber Frauen-
Grund für das Scheitern aller Dates?

Hallo Markus,

gerade hatten Sie ein Date mit einer wunderhübschen Frau, das durchaus vielversprechend verlaufen ist. Aufgrund ihrer Unsicherheit wegen der Vorerfahrungen aus früheren Dates haben Sie Angst, dass es auch diesmal nicht geklappt hat.

Unsicherheit gegenüber Frauen-
eine sich selbst erfüllende Prophezeiung?

Ein ewiger Zirkel: Sie sind unsicher, deshalb klappt das Date nicht. Und weil das Date nicht klappt, werden Sie noch unsicherer. Das könnte man einen richtigen Teufelskreis nennen. Wenn dem so ist, haben Sie tatsächlich Schwierigkeiten, eine Frau zu finden.

Sie können in ein Date schon gar nicht mehr anders hineingehen, als dass Sie sich bereits den negativen Ausgang vorstellen. Gut möglich, dass Ihre Frau am Tisch etwas davon bemerkt, was da in Ihrem Kopf abläuft. Und dass sie es falsch interpretiert, etwa in dieser Art:

Irgendwie ist dieser Mann nicht ganz bei der Sache. Oder er kann sich selber nicht vorstellen, dass wir wirklich zueinander passen. Wenn dem so ist, passen wir wohl wirklich nicht zueinander.

Un auf diese Weise erfüllen Sie Ihre eigene Prophezeiung selbst: eine klassische self-fulfilling prophecy.

Unsicherheit gegenüber Frauen-
Wege aus dem Zirkel

Welche Möglichkeiten gibt es nun diesen Zirkel zu durchbrechen?
Hier gibt es gleiche mehrere mögliche Szenarien:

Sie finden eine Frau, die Sie genau so mag, wie Sie sind

Die einfachste Lösung: Sie finden eine Frau, die Sie inklusive Ihrer Schüchternheit mag. Für Sie vielleicht im Augenblick undenkbar, aber gar nicht so unrealistisch. Nicht jede Frau steht auf forsche Macho-Typen. Und mit etwas Glück haben Sie vielleicht schon gestern Abend genau diese Frau gefunden. Und falls nicht: Weitersuchen lohnt sich! Sie haben nur dann eine Chance, die richtige Frau für Sie zu finden, wenn Sie einfach weitermachen.

Sie üben, die katastrophisierenden Gedanken loszuwerden

Ungeachtet davon, dass obiger Fall sowieso eintreten kann, auch ohne dass Sie sich in irgendeiner Weise verändern: Schaden kann es gewiss nicht, wenn Sie Ihre katastrophiesierenden Gedanken loswerden, wie möglicherweise:

  • Ich enttäusche jede Frau, auch wenn ich es selber nicht merke.
  • Nach einem Date wird sich keine Frau nochmals bei mir melden.
  • Ich finde niemals eine Frau.

Beim Loskommen von solchen eingeschliffenen Denkmustern könnten Ihnen ein paar Stunden Psychotherapie helfen, bei denen Ihnen Ihr Therapeut ein paar Methoden aus der Verhaltenstherapie beibringen könnte, zum Beispiel die Technik des Gedankenstopps. So lernen Sie, Ihre Gedanken an dem Punkt zu unterbrechen, an dem sie ins Negative abgleiten. Das könnte für Sie eine große Erleichterung sein.

Sie daten eine nicht ganz so wunderhübsche Frau

Auffällig ist, dass Sie in Ihrer Schilderung von „attraktiven Frauen“ bzw. aktuell von einer „wunderhübschen Frau“ sprechen.
Vielleicht gibt es irgendeinen Grund dafür, dass Sie sich zwar in gewisser Weise zu genau diesem Frauentyp hingezogen fühlen, sich dann aber letztlich mit genau einer solchen Frau gar keine Beziehung wünschen und die Frau das dann auch spürt?
Tatsächlich ist es schwierig, mit einem Idealbild eine Beziehung aufzubauen- wobei übrigens auch die Frau überfordert ist, die später in der Beziehung auf Dauer dieses Idealbild spielen soll.
Seien Sie also vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll- und daten Sie das nächste Mal eine Frau, von der Sie sich vorstellen können, dass Sie gut zu Ihnen paßt- auch wenn sie nicht „wunderhübsch“ ist, sondern „nur hübsch“. Dann brauchen Sie vor dem Date weniger Angst zu haben- und das könnte bereits der Grund sein, dass es dann tatsächlich mit einer gemeinsamen Beziehung klappt.

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Weiblicher Orgasmus-
Jede Frau ist anders

Weiblicher Orgasmus- bunter als allgemein bekannt (Gustav Klimt: Der Kuss (Detail)

Weiblicher Orgasmus-
normalerweise nicht beim Koitus

Weiblicher Orgasmus
Nach dem Mythos vom Normalsex sollte die Frau, möglichst gleichzeitig mit dem Mann, ihren Orgasmus im Koitus erreichen.

Schon 1976 hat die Wissenschaftlerin Shere Hite in ihrem berühmte Buch Hite Report aufgezeigt, dass die Mehrzahl der Frauen beim Koitus nicht zum Orgasmus kommen. Das überrascht nicht, da die Scheidenwand der Frau keine erogene Zone ist und kaum über Nervenverschaltungen verfügt.

Weiblicher Orgasmus-
Klitoris und G-Punkt

Tatsächlich benötigen 70-80% aller Frauen die Stimulation der Klitoris, um zum Orgasmus kommen zu können. Diese Stimulation wird durch den normalen Koitus und die Penetration mit einem Penis nicht erreicht.

Nach neueren Erkenntnissen ist die Klitoris als Organ weitaus größer als allgemein angenommen. Es handelt sich also nicht nur um die von außen sichtbare Klitorisspitze: vielmehr reichen die Nervenenden der Klitoris bis in die Vagina und in die Schenkel hinein: von daher ist die oft anzutreffende Unterscheidung in klitorale und vaginale Orgasmen nicht zu halten.

Eine weitere erogene Zone der Frau ist der G-Punkt an der Scheidenvorderwand, erstmals 1950 beschrieben vom deutschen Arzt Ernst Gräfenberg, aber bis heute noch nicht umfassend wissenschaftlich erforscht (vgl. auch die Dissertation von Anja Lehmann 2007 (Kapitel 1.4.). Viele Frauen erreichen durch die Stimulation des G-Punktes sehr schnell einen Orgasmus, manche Frauen sogar nur auf diese Weise.

Die Art, durch welche Art von Erregung eine Frau zu ihren Orgasmus kommt, ist offenbar genetisch festgelegt, wie eine britische Studien der Royal Society von 2005 mit eineiigen Zwillingen aufgezeigt hat.

Weiblicher Orgasmus- ein individuelles
Zusammenspiel der erogenen Zonen

Der weibliche Orgasmus geschieht also durch ein höchst individuelles Zusammenspiel der verschiedenen erogenen Zonen.

Dadurch läßt sich auch die statistische Beobachtung erklären, dass Frauen mit zunehmendem Alter tendenziell leichter zum Orgasmus kommen: Im Laufe des Lebens lernen sie ihren Körper, seine Bedürfnisse und die persönlichen Stimualtionsmöglichkeiten immer besser kennen.

Dabei kann es biografisch auch Veränderungen geben: so steigt die weibliche Orgasmusfähigkeit Statistiken zufolge nach der ersten Geburt eines Kindes (außer bei Kaiserschnitt).

Weiblicher Orgasmus- die vier Phasen der Lust

Die Psychologen Master und Johnson haben vier Phasen in der sexuellen Reaktion unterschieden (die übrigens analog ähnlich auch für Männer geltenn):

  1. Erregungsphase:
    Puls und Blutdruck steigen.Anschwellen von Klitoris, Schamlippen und Brustwarzen an. Die Geschlechtsteile werden feucht.
    Dauer: wenige Minuten bis zu einer Stunde.
  2. Plateauphase
    Puls und Blutdruck steigen weiter. Weitung der äußeren Schamlippen, eine Schwellung der äußeren Vagina. Weitere Absonderung von Scheidenflüssigkeit.
    Dauer: einige Minuten.
  3. Orgasmusphase
    Nochmalige Steigerung von Puls, Blutdruck und Atemtempo. Möglicherweise kurzer Bewusstseinsverlust. Muskelkontraktionen im unteren Scheidendrittel der Vagina, der Gebärmutter und der Analregion. Beim durchschnittlichen Orgasmus etwa 5 mal, beim intensiven Orgasmus 10-15 mal.
    Dauer: einige Sekunden.
  4. Rückbildungsphase
    Rükkehr zu normalem Puls und Blutdruck. Müdigkeitsgefühle. Rückgang der Schwellung von Schamlippen, Klitoris und Brustwarzen.
    Dauer: individuell sehr unterschiedlich, auch abhängig vom Lebensalter. Von wenigen Minuten bis Stunden.

Weiblicher Orgasmus-
Konsequenz für die Sexualtherapie

Da die Art, wie eine Frau zu ihrem Orgasmus kommt, genetisch festgelegt ist, kann es nicht die Aufgabe einer Sexualtherapie sein, eine Frau zu einer bestimmten Form des Orgasmus hinzuerziehen.

Eine Sexualtherapie kann allerdings eine Frau dazu ermutigen, unterschiedliche Formen des Sex auszuprobieren, um auf diese Weise herauszufinden, was ihr gefällt oder nicht. Und sie kann eine Frau darin bestärken, dass ihre eigene, höchst individuelle Form, einen Orgasmus zu bekommen, immer auch die genau richtige Form für sie ist.

Im Rahmen einer Partnerschaft kommt es dann darauf an, diese individuelle Form der Frau, ihren Orgasmus zu bekommen, so in das gemeinsame sexuelle Zusammenspiel zu integrieren, dass beide Partner an diesem Zusammenspiel Freude und Genuss verspüren. Wobei für die Integration des männlichen Orgasmus im gemeinsamen Sex natürlich das gleiche gilt.

Dabei ist es auch zu beachten, dass die vier Phasen des Orgasmus bei jedem Partner jedes Mal immer wieder unterschiedlich lang dauern können. Wichtig ist, dass beide Partner ausreichend Zeit haben, in ihrem eigenen Rhythmus die Phasen der Lust zu durchleben.

Da ein gleichzeitiger Orgasmus sehr unwahrscheinlich und aus sexualtherapeutischer Sicht kein anzustrebendes Ziel darstellt, sollte der Partner, der seinen Orgasmus bereits erlebt hat und keinen weiteren Orgasmus erleben will, das sexuelle Spiel nicht einfach abbrechen.

Vielmehr sollte jeder dem anderen Partner, so dieser es wünscht, genügend Zeit geben, ebenfalls seinen Orgasmus zu erleben. Wobei nirgendwo festgeschrieben steht, dass beide Partner ihren Orgasmus im Koitus bekommen müssen (vgl. Artikel „Normsex“).

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Normal oder nicht?-
Normen für den Sex

Normal oder nicht? (Henri de Toulouse-Lautrec: Der Kuss (Detail)

Normal-
die Vorstellung vom erlaubten Normsex

normal
Leider gibt es in unserer Gesellschaft immer noch zahlreiche, oft sogar unbewußte Normen in Bezug auf Sex, die sexualtherapeutisch keinen Sinn machen und bei den Betroffenen viel sexuelle Lebensfreude zerstören können.

Eine solche „Normsex“-Vorstellung könnte etwa so aussehen:

  1. Sex nur zwischen Mann und Frau
    (möglichst miteinander verheiratet)
  2. Kurzes sexuelles Vorspiel mit Umarmung und Kuss
  3. Gang ins Schlafzimmer,
    Sex findet nackt und auf der Matratze statt
    (am besten im Dunkeln und unter der Bettdecke)
  4. Mann dringt mit seinem Glied in die Vagina der Frau ein.
  5. Frau bekommt einen Orgasmus, Mann (möglichst gleichzeitig, aber erst nach einer gewissen Dauer) auch.
  6. Beide duschen und wenden sich anderen Beschäftigungen/Themen zu.

Eine Normierung des Sex nach diesen Vorgaben verengt die Möglichkeiten des Sex erheblich.

Für viele Menschen ist die Einhaltung dieser Vorgaben allein aus körperlichen/genetischen Gründen überhaupt nicht möglich.

Die meisten Frauen können rein körperlich unter diesen Vorgaben nicht zum Orgasmus kommen (siehe Artikel Weiblicher Orgasmus). Viele Männer bekommen ihren Orgasmus zu schnell und können daher die Frau nicht befriedigen (Ejaculatio praecox- vorzeitiger Samenerguss).

Normal oder nicht normal-
die Verbotsliste des Normsex

Als verboten bzw. zumindest problematisch erscheinen aus der Sicht des Normsex unter anderem:

  • Homosexualität
  • Fetischismus
  • BDSM
  • Onanie/Selbstbefriedigung
  • Sex, der nicht im Schlafzimmer stattfindet
  • jeder Orgasmus, der nicht im Koitus passiert
  • jeder Orgasmus, der „zu früh“ passiert

Normal oder nicht normal- beim Normsex
zählt nur der Orgasmus des Mannes

Eine weitere Vorgabe des Normsex ist es, dass der Mann zwingend während des Koitus zu kommen hat- und zwar in einer Zeit, die mindestens einige Minuten dauert, aber auch nicht deutlich über einer Viertelstunde liegt.

Kommt der Mann nach den Vorgaben des Normsex zu früh, ist das eine Krankheit, also ein vorzeitiger Samenerguss (ejaculatio praecox). Kommt er gar nicht, hat gar kein „richtiger Sex“ stattgefunden und der Mann gilt als impotent. (Das katholische Kirchenrecht, das die Scheidung streng ablehnt, erklärt bei einem solchen Ehehindernis auf Antrag sogar eine kirchlich geschlossene Heirat für ungültig.)

Nach den Vorgaben vom Normsex ist also Sex, bei dem der Mann nicht im Koitus seinen Orgasmus bekommt, überhaupt kein Sex.

Erstaunlicherweise ist die umgekehrte Frage, ob die Frau beim Koitus einen Orgasmus bekommt oder nicht, für den Normsex kein Kriterium. Auch wenn nur er kommt und sie nicht: das ist aus der Sicht des Normsex immer noch Sex.

Richtig schlimm wird es dagegen, wenn sexuelle Handlungen nicht einzig und allein den (ehelichen) Koitus und den Orgasmus im Koitus zwischen Mann und Frau anstreben. Alle solchen Normabweichungen gelten dann als Perversion.

Normal oder nicht normal-
Kuschelideale der 60er und 70er Jahre

Die sexuelle Revolution im Rahmen der Studentenbewegung der 60er Jahre hat die Vorstellungen des bis dahin weitgehend geltenden Normsex heftig in Frage gestellt.

Gleichzeitig wurden allerdings neue Normen aufgebracht, die bewußt oder unbewußt viele Menschen auch heute noch stark im sexuellen Bereich beeinflussen. Demnach gilt -hier zur Verdeutlichung etwas überspitzt formuliert- folgendes sexuelles Ideal:

  • Sex findet spontan statt zwischen zwei Menschen, die nicht nur sexuell, sondern auch ideell miteinander verbunden sind
  • Sex ist zärtlich und liebevoll, niemals gewaltsam („Kuschelsex“)
  • Sex passiert „wie von selbst“, wenn beide Partner völlig entspannt sind

Auch mit der Norm vom Kuschelsex ist alles verboten und ausgegrenzt, was nicht zwischen zwei Partnern stattfindet (also Onanie) oder nicht ganz so zärtlich daherkommt (also BDSM).

Normal oder nicht normal-
eine sexualtherapeutische Sicht

Der Nachteil sexueller Normvorstellungen -ganz gleich ob es der traditionelle Normsex ist oder die Norm vom Kuschelsex- ist, dass solche Normen zwar ein Ideal einer Epoche ausdrücken können, aber konkret bei den wenigsten Menschen richtig stimmig sind.

Jeder Mensch ist in seinen sexuellen Möglichkeiten und Wünschen unterschiedlich- und kann sich immer wieder in seinem Leben verändern. Wer sehr stark von sexuellen Normen geprägt ist, läuft Gefahr, die eigene Sexualität als unstimmig in Bezug auf diese Normen zu erleben. Daraus können sich vielfältige Probleme im eigenen Sexualleben entwickeln: Ängste, Minderwertigkeitsgefühl etc.

In vielen Therapien geht es daher weniger darum, sexuelle Probleme in engerem Sinn zu lösen. Weit häufiger ist das wichtigste Thema einer Sexualtherapie, den Klienten/die Klientin dabei zu unterstützen, sich von bestimmten, nicht zu einem passenden Vorstellungen vom Normsex zu lösen und der eigenen Sexualität Raum zu geben, die in den meisten Fällen nicht den Vorgaben des Normsex genügt.

Für die Frage, ob ein Mensch aus der Sicht der Sexualtherapie „normal“ ist, genügt es, zwei kurze Fragen zu stellen:

  1. Bin ich dazu fähig, ein erfülltes Sexualleben zu führen?
  2. Fügt mein Sexualleben mir selbst oder anderen Menschen einen Schaden zu?

Sobald Sie die erste Frage mit Ja und die zweite mit Nein beantworten können, ist aus der Sicht des Sexualtherapeuten alles in Ordnung.

Sollte das nicht der Fall sein, könnte sich der Gang zum Sexualtherapeuten lohnen.

* * *
Wenn Sie möchten, freue ich mich über Fragen und Kommentare.
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Unfähig zum Orgasmus-
sexuell nicht normal?

Unfähig zum Orgasmus-
alles probiert, doch es klappt nie

unfähig zum Orgasmus
Seit gut zwei Jahren habe ich meinen neuen Freund, mit dem ich mich hervorragend verstehe. Einziges Problem: Ich habe noch nie einen Orgasmus mit ihm gehabt (übrigens auch vorher noch nie mit meinen ersten Freund).

Mittlerweile ist es so, dass ich es nicht einmal mehr mag, wenn mein Freund mich unten berührt oder leckt. Statt eines Orgasmus geht es genau umgekehrt. Es dauert nicht einmal eine Minute, da fühle ich mich unwohl und habe nur noch das Bedürfnis, dass er mich da unten endlich in Ruhe läßt. Das ist blöd, dass ich kein einziges Mal auch nur annähernd einen Orgasmus hatte!

Sonstige Zärtlichkeiten und den Koitus mit ihm mag ich sehr. Dadurch erregt er mich auch, allerdings bin ich niemals so weit, dass ich auch selber komme. Vielmehr warte ich darauf, dass er kommt, und bin dann selbst komplett unbefriedigt.

Wir haben schon alles Mögliche probiert: diverse Dildos, Sextoys usw., auch verschiedene Stellungen. Alles ohne Erfolg.

Übrigens bin ich nicht komplett orgasmusunfähig- Selbstbefriedigung klappt bei mir immer bestens. Allerdings denke ich da an alles Mögliche, nur nicht an ihn.

Ich frage mich allmählich, ob er überhaupt der Richtige für mich ist. Wenn ich einen Mann richtig lieben würde, müsste ich doch auch einen Orgasmus bekommen???

Oder bin ich irgendwie nicht ganz normal?

Susanne K. (Name geändert)

Unfähig zum Orgasmus-
und sexuell nicht ganz normal?

Hallo Susanne,

Sie haben seit zwei Jahren einen neuen Freund, Sie verstehen sich hervorragend mit ihm. Der Koitus mit ihm macht Ihnen Spaß und erregt sie- einen Orgasmus bekommen sie trotz all dem nicht. Jetzt zweifeln Sie daran, ob er überhaupt der Richtige für Sie ist oder ob Sie „nicht ganz normal“ sind.

Bin ich mit in meiner Sexualität normal?

Für die Frage, ob ein Mensch aus der Sicht der Sexualtherapie „normal“ ist, genügt es, zwei kurze Fragen zu stellen:

  1. Bin ich dazu fähig, ein erfülltes Sexualleben zu führen?
  2. Fügt mein Sexualleben mir selbst oder anderen Menschen einen Schaden zu?

Sobald Sie die erste Frage mit Ja und die zweite mit Nein beantworten können, ist aus der Sicht des Sexualtherapeuten alles in Ordnung.

Leider gibt es in unserer Gesellschaft immer noch zahlreiche weitere, oft sogar unbewußte Normen in Bezug auf Sex, die sexualtherapeutisch keinen Sinn machen und bei den Betroffenen viel sexuelle Lebensfreude zerstören können.

Der Normsex

Eine solche unausgesprochene gesellschaftliche Norm, die viel persönliches Leid anrichten kann, ist die Vorgabe, wie Sex auszusehen hat:

  1. Sex nur zwischen Mann und Frau
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  3. Gang ins Schlafzimmer,
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  4. Mann dringt mit seinem Glied in die Vagina der Frau ein.
  5. Frau bekommt einen Orgasmus, Mann (möglichst gleichzeitig) auch.
  6. Beide duschen und wenden sich anderen Beschäftigungen/Themen zu.

Eine Normierung des Sex nach diesen Vorgaben verengt die Möglichkeiten des Sex erheblich.

Für viele Menschen ist die Einhaltung dieser Vorgaben allein aus körperlichen/genetischen Gründen überhaupt nicht möglich.

Formen des weiblichen Orgasmus-
jenseits vom Normsex

Das kann -möglicherweise- auch für Sie gelten. Es gibt viele Frauen, bei denen der Orgasmus nicht durch die äußere Reizung der Klitoris ausgelöst wird. Reiben und Lecken nützt in diesem Fall nichts, es wird schlicht und ergreifend nach einiger Zeit nur unangenehm.

Der Auslösepunkt für den Orgasmus bei der Frau (G-Punkt-Orgasmus) kann genetisch auch so tief in der Vagina liegen, dass eine Stimulation durch den eingeführten Penis ebenfalls nicht möglich ist. Ausgelöst werden kann der Orgasmus in diesem Fall durch Kontraktion des Unterleibes und Zusammenpressen der Schenkel. Vielleicht ist das ja Ihre Form, zum Orgasmus zu kommen?

Sie schreiben, dass Sie bei der Selbstbefriedigung kein Problem haben, zu einem Orgasmus zu kommen. Nur gemeinsam mit Ihrem Freund haben seien Sie „unfähig zum Orgasmus“.

Das macht aus sexualtherapeutischer Sicht keinen rechten Sinn. Warum integrieren Sie beide in Ihr sexuelles Spiel neben dem Koitus nicht auch Ihre Selbstbefriedigung? Nirgendwo steht geschrieben, dass Sie Ihren Orgasmus unbedingt während des Koitus bekommen müssen.

Gemeinsamer Orgasmus-
auch unabhängig vom Koitus

Sie haben vollkommen recht, dass es schade ist, wenn Sie mit Ihrem Freund keinen Orgasmus erleben.

Wenn Sie aber vor oder nach dem Koitus (oder auch davor und danach) sich selbst in Gegenwart Ihres Freundes zum Orgasmus bringen, dann ist das genauso sehr ein gemeinsamer Orgasmus.

Es ist schade, wenn Sie sich erst durch den Koitus mit Ihrem Freund sexuell erregen lassen, dann Ihr Freund selber zum Orgasmus kommt, und Sie zuletzt auf Ihren Orgasmus verzichten.

Unfähig zum Orgasmus-
eine zweite störende Norm

Aber da gibt es möglicherweise noch eine zweite Norm, die Sie daran hindert, Ihren individuellen Orgasmus ins gemeinsame sexuelle Zusammenspiel zu integrieren. Sie schreiben, dass Sie bei Ihrem Orgasmus „an alles Mögliche denken, nur nicht an ihn“.

Auch hier die Frage: Wo steht geschrieben, an was oder wen Sie bei Ihrem Orgasmus zu denken haben? Selbst wenn Sie beide während Ihres sexuellen Zusammenspiels zur Steigerung Ihrer Erregung jeweils an irgendwelche sexuell aufregenden Filmstars denken würden- es bliebe immer noch Ihr gemeinsames sexuelles Zusammenspiel (und nicht das mit den Filmstars in Ihren Köpfen!).

Gönnen Sie sich beide während des Sex die Gedanken, die Ihnen jeweils gerade gefallen- und Ihr gemeinsamer Sex wird dadurch nur gewinnen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie sich gern nochmals an mich wenden.
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Onanie als Schlafmittel –
Ist das krank?

Onanie als Schlafmittel-
Anzeichen für Sexsucht?

Onanie als Schlafmittel
Eine möglicherweise blöde Frage: Ich onaniere relativ oft und das macht mir Spaß. Es kommt auch vor, dass ich weniger aus Lust onaniere, sondern aus Langeweile, sozusagen als Freizeitbeschäftigung.

Seit ein paar Monaten onaniere ich außerdem vorm Einschlafen, weil ich unmittelbar nach einem Orgasmus wunderbar einschlafen kann.

Jetzt frage ich mich: Ist das normal oder bin ich schon sex-(onanie)-süchtig?

Thomas R.. (Name geändert)

Onanie als Schlafmittel-
ohne Risiken und Nebenwirkungen?

Hallo Thomas,

Onanie macht Ihnen Spaß- und jetzt haben Sie auch noch entdeckt, dass Ihnen Onanie beim Einschlafen hilft. Nun machen Sie sich Sorgen, ob sie deswegen sexsüchtig sind.

In meinem Artikel „Wie erkennt man Pornosucht?“ habe ich ein paar Kriterien zusammengestellt, was Suchtverhalten auf sexuellem Gebiet bedeuten könnte.

Wichtigstes Kriterium für eine Sucht ist: Der Betroffene muss darunter leiden. Das scheint nach Ihrer Schilderung nicht der Fall zu sein- damit wäre das Thema Sucht bereits vom Tisch.

Körperliche Schädigungen durch Onanie sind wissenschaftlich nicht bekannt, also auch darüber brauchen Sie sich nicht weiter Gedanken zu machen.

Bleibt noch die Frage, ob Sie darunter leiden, dass durch Ihre Onanie tagsüber andere Ihrer Interessen zu kurz kommen oder dass Ihre Sozialkontakte dadurch eingeschränkt sind. Oder ob Sie sich durch Onanie in der Öffentlichkeit möglicherweise selbst juristisch in Gefahr bringen.

Wenn Sie auch diese Fragen verneinen können, ist Ihr Gebrauch von Onanie vollkommen unproblematisch und sogar gesund.

Andere Menschen nehmen zum Einschlafen Tabletten, die der Gesundheit ernsthaft schaden können oder sogar in die Abhängigkeit führen. Sie haben ein Mittel gefunden, das völlig harmlos ist und Sie „wunderbar einschlafen“ läßt. Was kann man sich Besseres wünschen?

Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie sich gern nochmals an mich wenden.
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Ejakulationsprobleme beim Koitus

Ejakulationsprobleme-
Mein Freund kommt einfach nicht

Ejakulationsprobleme
Ich und mein Freund sind seit über zwei Jahren zusammen. Zu Beginn unserer Beziehung hatte er eine Vorhautverengung und kam nur zum Orgasmus, wenn er selbst neben mir onanierte. Das heißt, die Erektion funktionierte, von meiner Seite habe ich den Koitus genossen, bin auch immer zum Orgasmus gekommen. Nur bei ihm gibt es jedes Mal diese Ejakulationsprobleme. Er schafft es einfach nicht, selber zu kommen…

Er selber meinte, dass ihn das gar nicht groß stören würde, er würde auch so unseren Sex genießen, und es würde ihm genügen, mich im Koitus zu befriedigen und es sich danach selbst zu besorgen.

Ich selbst bin nicht darüber glücklich, immer nur alleine meinen Orgasmus zu haben. Dazu dann die Selbstzweifel: Findet er mich attraktiv genug? Bin ich für ihn überhaupt die richtige Frau?

Schließlich hat er sich dann vor einem Jahr beschneiden lassen. Das Ergebnis: null. Er schafft es weiterhin, nur durch Selbstbefriedigung zum Orgasmus zu kommen.

Dabei habe ich alles ausprobiert: nicht nur den Koitus, sondern auch oral oder per Hand. Da geht einfach nichts. Ich bin deswegen ziemlich verkrampft und habe jetzt auch keine Lust mehr, selbst einen Orgasmus beim Koitus zu bekommen, solange da bei ihm nichts läuft. Und das obwohl ich früher jedes Mal bei ihm gekommen bin.

Ziemlich schade das Ganze, weil der Rest unserer Beziehung hervorragend läuft, wir uns sehr lieben und eigentlich sogar heiraten wollen.

Mittlerweile haben wir aber beide Angst, unser Sexproblem nicht mehr lösen zu können. Vielleicht sind wir einfach nicht füreinander geschaffen… Vielleicht wäre es besser, sich jetzt zu trennen als zu heiraten. Oder ob Sie als Sexualtherapeut uns helfen könnten, das Problem abzustellen?

Silke K.. (Name geändert)

Ejakulationsprobleme-
das Märchen vom gemeinsamen Orgasmus

Hallo Silke,

seit über zwei Jahren sind Sie mit Ihrem Freund zusammen. Sie beide lieben sich und wollen heiraten. Einziges Hindernis: beim Sex hat Ihr Freund beim Koitus Ejakulationsprobleme. Was Sie auch ausprobieren, er bekommt den Orgasmus nur, wenn er selbst Hand anlegt.

Wo liegt das Problem?

Aus therapeutischer Sicht bin ich versucht, als erstes zu sagen: Na und? Wo liegt denn das Problem?

Offensichtlich gehören Sie beide zu den Opfern der Vorstellung, gemeinsamer Sex könne nur dann guter Sex sein, wenn beide Partner gleichzeitig im Koitus zum Orgasmus kommen.

Auch wenn diese Vorstellung sehr weit verbreitet ist: sie ist trotzdem schlicht und ergreifend falsch. Wissenschaftliche Studien haben immer wieder aufgezeigt: Der gleichzeitige Orgasmus beider Partner im Koitus ist eine Form des Sex, die eher selten ist.

Bei den meisten Paaren erleben die beiden Partner den Orgasmus nacheinander, wobei es manchmal nur die Frau ist, die den Orgasmus beim Koitus erlebt, manchmal nur der Mann, manchmal beide beim Koitus nacheinander, manchmal beide nicht beim Koitus.

Alle Menschen sind verschieden,
alle Paare sind es auch

Aus sexualtherapeutischer Sicht ist einzig entscheidend, dass Sie beide in der Lage sind, beim Sex zum Orgasmus zu kommen. Mit welcher Technik und in welcher Stellung, ob gleichzeitig oder nacheinander, das ist völlig unerheblich. Wenn Sie beide zum Sex zueinander kommen, ist jeder Orgasmus, den einer von Ihnen beiden erlebt, ein gemeinsamer Orgasmus– sogar, wenn Sie voreinander masturbieren.

Viele Paare erleben es sogar als einen Vorzug, wenn die Partner nicht gleichzeitig zum Orgasmus kommen: auf diese Weise kann jeder sowohl den eigenen Orgasmus wie auch den des anderen bewußter genießen.

Und falls Sie sich fragen, wo denn Ihr Part sein soll, wenn sich Ihr Freund nach dem Koitus selbst befriedigt: Dann fragen Sie ihn doch, wie Sie dabei beteiligt sein können: wo Sie ihn streicheln, festhalten, drücken können… Der Mensch hat viele erogene Zonen: Wenn sie gemeinsam danach suchen, werden sie bestimmt herausfinden, was Ihr Beitrag sein kann, wenn Ihr Freund seinen Orgasmus bekommt.

Ejakulationsprobleme beim Koitus-
kein Ehehindernis

Ejalulationsprobleme hat Ihr Freund übrigens nicht: weder vor, noch nach seiner Operation. Denn offensichtlich kommt er ja jedes Mal beim Sex- wenn auch nicht beim Koitus. Deshalb brauchen Sie sich auch keine Sorge um seine „Ehefähigkeit“ zu machen. Wenn Sie einmal gemeinsame Kinder haben möchten, kann er auch nach seinem Orgasmus den Penis in Ihre Scheide einführen: Auch dadurch gelangt genug Samenflüssigkeit in Ihren Körper, dass Sie davon schwanger werden können.

Möglicherweise reichen ja bereits diese Informationen, um Ihnen den Schlüssel zu einem glücklichen Sexualleben in die Hand zu geben: Machen Sie einfach so weiter wie bisher, genießen Sie beide Ihre Orgasmen und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen durch irgendwelche Vorstellungen, wie Sex „eigentlich“ zu sein hat. Denn darum geht es gar nicht: Es geht um Ihren Sex und darum, wie Sie beide diesen Sex genießen können.

Für Ihren Freund scheint die Technik des Onanierens nach dem Koitus keine Probleme zu bereiten. Bleiben also die Fragen:

  • Was ist es, was Sie beim Sex und bei Ihrem Orgasmus benötigen?
  • Ist die Vorstellung, unbedingt den gemeinsamen Orgasmus beim Koitus erleben zu müssen, bei Ihnen so tief verwurzelt, dass Sie deswegen den Sex mit Ihrem Freund nicht mehr genießen können?

Sollte letzteres der Fall sein, könnte Ihnen tatsächlich der Besuch beim Sexualtherapeuten helfen.

Ejakulationsprobleme-
Wie der Sexualtherapeut helfen kann

Wenn Sie zusammen mit mir an Ihrem Problem arbeiten wollen, wird es allerdings weniger darum gehen, welche Techniken Ihr Freund erlernen muss, um beim Koitus zum Orgasmus zu kommen (auch wenn ich Ihnen dazu, so Sie es wünschen, durchaus den einen oder anderen Trick zum Ausprobieren vorschlagen kann).

Viel wichtiger wird es sein, dass Sie beide darauf achten, was beim Sex Ihre eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse Ihres Partners sind und wie sie sich gegenseitig am besten beim Ausleben dieser Bedürfnisse unterstützen können.

Mit freundlichen Grüßen
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Zu hässlich für Sex?

Zu hässlich für Sex? Frauen bei Peter Paul Rubens.
Ankunft von Catarina de Medici in Marseilles (Detail). Louvre, Paris.

Zu hässlich für Sex:
Wie umgehe ich den Sex mit meinem neuen Freund?

zu hässlich
Ich, weiblich, 42 Jahre alt, ziemlich übergewichtig und seit fast 12 Jahren (wieder) Single, habe endlich einen Mann kennengelernt, mit dem ich mich seit ein paar Wochen regelmäßig in der Freizeit treffe (Essengehen, Kino, Spaziergänge).

Je mehr wir uns näher kommen, desto stärker werden die inneren Widerstände bei mir gegen diese Beziehung. Ich habe regelrecht Angst davor, dass er mir vorschlägt, bei ihm oder bei mir über Nacht zu bleiben. Ich fühle mich wegen meiner Körperfülle regelrecht häßlich und kann mir nicht vorstellen, dass ihn an mir körperlich irgendetwas reizen kann. Einmal habe ich ihn sogar schon abblitzen lassen, als er mir vorgeschlagen hat, gemeinsam über ein Wochenende wegzufahren. Allerdings habe ich ihm nicht offen gesagt, warum, sondern irgendwelche Termine vorgeschoben.

Er sagt zwar immer wieder, dass er mich auch körperlich attraktiv findet, und macht mir Komplimente, zum Beispiel, dass er meine Haare hübsch findet oder meinen neuen Pullover. Richtig glauben kann ich ihm das allerdings nicht. Aber hat mich ja auch noch nicht nackt gesehen… Ich bin da natürlich etwas traumatisiert; schließlich hat mein letzter Freund bei einem Streit zum Abschied gesagt, dass ich mich nicht zu wundern brauche, wenn ich mit meinem Aussehen niemals wieder einen Mann finde.

Andererseits kann es bei meinem neuen Verehrer ja so schlimm nicht sein, weil er keine Anstalten macht mich fallen zu lassen. Ich habe ihm sogar von der Äußerung meines Exfreunds erzählt- und er meint, dass ich diesen Schwachsinn doch möglichst bald vergessen soll.

Er selbst will offenbar, dass wir uns (auch körperlich) näher kommen. Wir verstehen uns wirklich sehr gut, und ich finde ihn auch total nett. Er ist selber sogar das, was man einen gutaussehenden Mann nennen könnte… Ich könnte also wegen seines Interesses an mir einfach nur geschmeichelt sein.

Zu hässlich für Sex:
Eine Beziehung auch ohne Sex?

Was ihm selber bereits aufgefallen ist, dass ich mich immer weniger attraktiv kleide, wenn wir uns treffen. Gerade zur Anfangszeit unseres Kennenlernens, als ich an Sex noch gar nicht gedacht habe, war ich da sogar mutiger gewesen als in den Jahren zuvor. Jetzt bin ich wieder in meinen „Graues-Mäuschen“-Stil zurückgekehrt. Ich könnte es einfach nicht ertragen, auffällig durch die Straßen zu laufen und dann die Blicke der Leute spüren zu müssen, die sich denken: Zu was hat sich denn die Dicke da herausgeputzt?

Wenn es trotzdem zu Sex kommen sollte, wird das für mich eine ziemliche Überwindung sein. Die ganze Zeit werde ich das Gefühl haben: Es wird das erste und letzte Mal sein! Jetzt hat er dich gesehen, und ab diesem Tag wird er überlegen, wie er es dir schonend beibringt, dass er dich wieder fallenlassen kann.

Ich denke schon darüber nach, ob ich ihm vorschlagen soll, dass wir eine Beziehung ohne Sex führen, und ich es ihm gestatte, sich hin und wieder anderswo sexuell zu befriedigen, vielleicht bei einer Prostituierten. Schließlich weiß auch ich, dass man(n) seinen Trieb nicht unendlich unterdrücken kann.

Es wäre toll, wenn unsere Beziehung irgendwie auch ohne Sex überleben könnte…

Melanie L. (Name geändert)

Zu hässlich für Sex-
das Ende der Beziehung?

Hallo Melanie,

Sie haben einen Mann kennengelernt, die Ihnen gefällt und der umgekehrt auch an Ihnen Interesse zeigt- aber seitdem das Thema Sex im Raum steht, haben Sie Angst, er könnte Sie wegen mangelnder Schönheit Ihres Körpers wieder fallenlassen, sobald er Sie nackt gesehen hat.

Das Problem findet in Ihrem Kopf statt

Das Problem, das Sie haben, findet zunächst ausschließlich in Ihrem Kopf statt. Sie sind es, die sich die Szene vorstellt, wie Sie sich ausziehen und wie Ihr neuer Freund Sie wegen Ihres Körpers ablehnt. Dabei könnte es auch genau anders ablaufen: Sie ziehen sich aus, und Ihr Freund ist von Ihnen sogar noch begeisterter als zuvor, da ihm „Rubens-Frauen“ besonders gut gefallen. Das ist nicht einmal ganz unwahrscheinlich. Denn auch wenn Sie sich bisher noch nicht nackt begegnet sind: Völlig verborgen dürften ihm Ihre Körperformen auch jetzt schon nicht geblieben sein.

Sollte er also Frauen mit etwas üppigeren Körperformen komplett ablehnen, würde er Ihnen sicherlich keine sexuellen Avancen machen! Sie können davon ausgehen, dass er tatsächlich meint, was er über die abfällige Bemerkung Ihres Exfreundes gesagt hat: Er findet es Schwachsinn, wenn man Sie für hässlich hält.

Damit sollte das Problem eigentlich vom Tisch sein.

Eine Beziehung ohne Sex?

Aber vielleicht gibt es ja noch eine zweite, etwas verstecktere Ebene? Denn all das, was ich bisher geschrieben habe, ist Ihnen an und für sich sowieso klar.

Seien Sie mir also nicht böse, wenn ich aus psychotherapeutischer Sicht noch einmal weiter nachfrage: Könnte es sein, dass Sie das Problem, Sie seien zu hässlich für Sex, möglicherweise nur vorschieben? Dass Sie sich vielleicht sogar genau das wünschen, was Sie mir (und auch ihm) als Notlösung präsentieren wollen: nämlich mit ihm eine Beziehung ohne Sex einzugehen?

Auch wenn Sie möglicherweise überrascht sind von dieser Deutung, könnte es sich doch lohnen zu prüfen, ob da nicht doch etwas dran ist- vielleicht auch gemeinsam mit einem Therapeuten.

Immerhin sprechen gleich drei Punkte in Ihrer Schilderung dafür, dass Sie sich die Beziehung wünschen, aber keinen Sex:

  • Sie kleideten sich zu Anfang attraktiver als sonst, um ihn anzuziehen und seine Freundschaft zu gewinnen. Sobald aber die Gefahr körperlicher Initimität drohte, sind Sie zum „Graues-Mäuschen-Stil“ zurückgekehrt.
  • Sie malen sich eine (in der Realität sehr unwahrscheinliche) Szene aus, in der Ihr Freund, nachdem er Sie nackt gesehen hat, von sich aus auf den Sex verzichtet. In dieser Fantasie müssen Sie selbst nicht aktiv sagen, dass Sie es sind, die keinen Sex haben will.
  • Sie stellen sich vor, ihm für sein Sexbedürfnis eine Prostituierte zu gönnen, und schreiben: Es wäre toll, wenn unsere Beziehung irgendwie auch ohne Sex überleben könnte...

Warum kein Sex?

Wenn da irgendetwas dran sein könnte, hieße die nächste Frage:
Und warum wünschen Sie sich diese Beziehung und gleichzeitig, dass in dieser Beziehung kein Sex stattfindet?

Um die Gründe herauszufinden, warum das so sein könnte, wäre es nötig, Ihrer Geschichte noch etwas ausführlicher nachzugehen. Mögliche Nachfragen wären:

  • Welche Erfahrungen haben Sie bisher in Ihrem Leben mit Sex gehabt?
  • Heben Sie eigene sexuelle Wünsche? Wenn ja, welche?
  • Welche Wünsche haben Sie in Bezug auf Ihre neue Partnerschaft?
  • Welches Mass an Nähe und Intinimtät wäre für Sie OK?
  • Welche (sexuellen) Wünsche Ihres neuen Freundes können Sie erfüllen, welche nicht?

Sinnvoll und wichtig wäre es, wenn Sie über diese Punkte auch direkt mit Ihrem Freund reden- sonst wird er kaum verstehen, was bei Ihnen im Kopf gerade so vorgeht. Es besteht die Gefahr unötiger Missverständnisse, die zur Gefahr für Ihre Partnerschaft werden können: so zum Beispiel, dass er die Ablehnung gemeinsamer Wochenenden als Desinteresse an seiner Person interpretiert.

Sollte es Ihnen schwerfallen, über solche Themen mit Ihrem Freund zu sprechen, könnte es sinnvoll sein, wenn Sie sich gemeinsam ein paar Sitzungen bei einem Therapeuten gönnen.

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Trennungsschmerz-
noch Jahre nach der Beziehung

Trennungsschmerz-
Nichts kann dagegen helfen

Trennungsschmerz
Wahrscheinlich werde ich über die Trennung von meinem Exfreund niemals hinwegkommen. Ich habe schon alles ausprobiert: Verzweiflung, Wut, Trauer, erneute Kontaktversuche (von ihm ohne Reaktion), Tagebuch, Erinnerungsstücke wegpacken… Und trotzdem erinnert mich immer noch jede Kleinigkeit an ihn: bestimmtes Essen, Musik, Spazierengehen, meine eigene Wohnung…

Ich wohne zwar in einer Großstadt, aber hin und wieder sehe ich ihn doch- und es zerreißt mir das Herz. Meine Versuche, jemand neuen kennenzulernen, sind bisher jedes Mal gescheitert, weil ich den neuen mit ihm vergleiche- und dann keine Lust mehr hatte auf mehr.

Ich komme insgesamt mit meinem Leben nicht mehr voran: Ich schaffe es zum Beispiel einfach nicht, mich zu meiner Masterprüfung anzumelden und endlich das Studium abzuschließen, obwohl ich längst alle Voraussetzungen erfülle.

Zweimal habe ich schon einen Selbstmordversuch unternommen. Allerdings bin ich beide Male wieder zurückgekommen, weil ich eigentlich nicht wollte, dass alles zu Ende ist, sondern nur, dass die Dinge sich endlich ändern.

Ich habe nie richtig verstanden, warum er sich von mir getrennt hat. Er hat nur irgendetwas gesagt, dass es ihm mit mir zu anstrengend wird… Ich war schon während unserer Beziehung immer schon sehr ängstlich, es könnte auseinandergehen. Schließlich hatte er seine vorherige Freundin wegen mir verlassen.

Inzwischen hat er eine neue Freundin. Und ich komme und komme nicht los von ihm. Kann das sein, dass eine Trennung so lange dauert? Ich will nicht noch mehr Papier vollschreiben oder wegziehen oder irgendeine Beziehung eingehen, bloß um ihn vergessen zu können.

Ob es Sinn macht, dass ich nach fast drei Jahren mit ihm noch einmal ein klärendes Gespräch einfordere?


Kerstin M. (Name geändert)

Trennungsschmerz-
durch ein klärendes Gespräch überwinden?

Hallo Kerstin,

vor bald drei Jahren hat sich Ihr Freund von Ihnen getrennt- und Sie können Ihren Trennungsschmerz nicht überwinden. Sie haben alles ausprobiert, haben sogar zwei Selbstmordversuche hinter sich. Jetzt überlegen Sie, ob ein klärendes Gespräch mit ihm Ihnen helfen kann.

Therapeutische Hilfe wäre besser
als ein Gespräch mit dem Exfreund

Ganz offensichtlich geht es Ihnen nicht gut. Möglicherweise hat Ihr Unwohlsein sogar schon lange vor der Trennung von Ihrem Freund begonnen.

Es wäre sinnvoll, wenn Sie darüber einmal ausführlich mit einem Therapeuten sprechen. Allein Ihre beiden Selbstmordversuche wären dafür Grund genug. Der Therapeut sollte dabei auch abklären, ob bei Ihnen eine depressive Erkrankung vorliegt, zu deren Behandlung ggf. auch ein Arzt hinzugezogen werden sollte.

Ein Gespräch mit Ihrem Exfreund erscheint mir dagegen weniger sinnvoll. Immerhin hat er ja schon mehrfach auf Ihre Kontaktversuche nicht reagiert: Es gibt also keinen Grund, warum das diesmal anders sein sollte. Die Gefahr ist, dass Sie sich durch einen solchen Versuch nur noch einmal mehr selbst frustrieren.

Gut gefällt mir, dass Sie die Sache jetzt aktiv in die Hand nehmen und etwas gegen Ihren Trennungsschmerz tun möchten. Das ist sehr wichtig, denn es hat eindeutig schon genügend lange gedauert, dass Sie sich nicht wohl gefühlt haben. Mithilfe einer Psychotherapie kommen Sie hier bestimmt weiter.

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Exfreund-Fantasien verfolgen mich

Exfreund-Fantasien: In meinen Gedanken hat meine Freundin ständig Sex mit dem Exfreund

Exfreund-Fantasien
Meine Freundin und ich leben seit gut zwei Jahren miteinander- zu unserer großen Freude erwartet sie jetzt unser gemeinsames Baby.

Soweit alles eigentlich prima. Nur habe ich ein Problem, das mich schon die ganze Zeit unserer Freundschaft begleitet: der Gedanke an Ihren Exfreund, mit dem sie vor mir über vier Jahre zusammen war, also doppelt so lang wie mit mir.

Ich komme einfach nicht davon los, mir vorzustellen, wie sie Sex mit ihm hat, in welchen Stellungen, an welchen Orten. Übrigens nicht beim konkreten Sex mit ihr- da haben wir gar keine Probleme. Sondern eigentlich nur, wenn ich alleine bin- dann aber fast ständig. Vorm Computer muss ich fast zwangsläufig auf das Facebook-Profil Ihres Ex gehen- und dadurch werden meine Fantasien nur noch viel schlimmer. Ich weiß selbst, dass mir das nicht gut tut und mache es trotzdem.

Auch wenn ich sonst in irgendeinem Zusammenhang seinen Vornamen höre, der recht häufig ist, geht bei mir das Kopfkino los. Meine Freundin weiß schon, dass Sie diesen Vornamen vor mir auf keinen Fall aussprechen darf, und wenn es im Zusammenhang mit einem Fussballstar ist. Sie schützt mich, und versucht diesen Namen in meiner Gegenwart auf keinen Fall auszusprechen.

In der Öffentlichkeit habe ich Angst, in Gegenwart meiner Freundin durch irgend einen blöden Zufall auf Ihren Exfreund angesprochen zu werden, weil ich weiß, dass ich dann komisch reagiere. Noch schlimmer wäre es, ich würde ihm auf der Straße begegnen. Keine Ahnung, was da passieren würde.

Wenn das einmal losgeht mit diesen Gedanken, kann ich kaum wieder davon wegkommen.Ich gehe mir da selbst auf die Nerven und fühle mich richtig fertig, komme aber selbst einfach nicht davon los. Gibt es irgendeinen Weg, wie ich diese Gedanken an den Exfreund loswerden kann?

Tobias K. (Name geändert)

Exfreund-Fantasien-
eine große psychische Belastung

Hallo Tobias,

seit zwei Jahren leben Sie glücklich mit Ihrer Freundin zusammen, die Ihr gemeinsames Kind erwartet. Die ganze Zeit hindurch quälen Sie Fantasien, in denen Sie sich vorstellen, wie Ihre Freundin Sex mit ihrem Exfreund hat.

Solche Fantasien können sehr belastend sein- deshalb ist es gut, wenn Sie sich therapeutische Hilfe holen. An dieser Stelle kann ich Ihnen nur ein paar erste Überlegungen vorstellen, was Sie zur Lösung Ihres Problems tun könnten. Eine ausführliche Beratung oder Therapie kann dadurch natürlich nicht ersetzt werden.

Exfreund-Fantasien-
aus psychologischer Sicht eine Zwangsstörung

Aus psychologischer Sicht handelt es sich bei Ihren Fantasien um Zwangsgedanken, die nach der ICD-10, dem Kriterienkatalog der Weltgesundheitsorganisation, zur Gruppe der Zwangsstörungen hinzugehören: Typisch für Zwangsgedanken ist, dass sie, so wie bei Ihnen, einen unangenehmen Inhalt haben und sich über einen längeren Zeitraum beständig wiederholen.

Bei Zwangsstörungen handelt sich um eine psychische Erkrankung, die relativ häufig auftritt: In Deutschland sind nach einer Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) jedes Jahr fast vier Prozent der Bevölkerung betroffen.

Eine eindeutige Erklärung, warum manche Menschen Zwangsstörungen bekommen und andere nicht, gibt es bis heute nicht. Am wahrscheinlichsten ist eine Mischung aus genetischer Veranlagung, biochemischen Vorgängen im Gehirn und psychischen Ursachen (z.B. Stress).

Exfreund-Fantasien-
Möglichkeiten zur Therapie

Wegen dieser unterschiedlichen Ursachen, welche Zwangsgedanken haben können, gibt es auch verschiedene Therapieansätze.

Exfreund-Fantasien- Medikamente als Therapie

Ein Facharzt kann Ihnen helfen, die für die Störung verantwortichen Hirnstoffwechselprozesse durch Medikamente wieder besser einzustellen. Alternativ oder parallel dazu könnten Ihnen folgende psychotherapeutische Verfahren helfen.

Exfreund-Fantasien-
Konfrontation mit Reaktionsverhinderung

Die von der DGPPN empfohlene Methode ist die Konfrontation mit Reaktionsverhinderung. Im Rahmen der Therapie werden Sie wiederholt mit Auslösern für Ihre Zwangsgedanken konfrontiert, z.B. mit dem Vornamen des Exfreundes.

Dabei üben Sie, auf diesen Auslöser nicht wie bisher mit den Zwangsgedanken zu reagieren, sondern Verhaltensalternativen zu erlernen. Dabei kann Ihnen der Therapeut Vorschläge machen, welche anderen Reaktionsmöglichkeiten für Sie noch zur Verfügung stehen. Auf diese Weise können Sie ein „Reaktionsmanagement“ erlernen und sind Ihren Exfreund-Fantasien nicht automatisch und alternativlos ausgeliefert.

Exfreund-Fantasien- Assoziationsspaltung

Möglich wäre hier auch das Verfahren der sogenannten Assoziationsspaltung: Sie üben, parallel zu den bisherigen Zwangsgedanken, auch neue neutrale oder sogar angenehme Assoziationen zu den bisherigen Auslösern Ihrer Zwangsgedanken zu entwickeln, also z.B. bei dem bewußten Vornamen statt an den Exfreund intensiv an den gleichnamigen Fussballspieler zu denken.

Dadurch können in Ihrem Gehirn neue neuronale Vernetzungen geschaffen werden, die Ihnen eine Alternative zu den bisher eingeübten Zwangsgedanken bieten.

Exfreund-Fantasien- Inhaltliche Auseinandersetzung

Darüber hinaus kann auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Ihren Zwangsgedanken dabei helfen, diese zu überwinden. Mögliche therapeutische Anregungen könnten sein:

  • Versuchen Sie, möglichst genau zu beschreiben, in welchen Situationen oder im Umfeld von welchen anderen Gedanken Ihre Fantasien beginnen. Möglicherweise können Sie darüber auch eine Art Tagebuch anlegen.
  • Könnten Ihre Exfreund-Fantasien eine Art von Selbst-Demütigung sein? Gibt es in Ihrem Leben Momente, in denen Sie sich selbst nicht für ausreichend stark/kräftig/intelligent etc. halten?
  • Als werdender Vater steht Ihnen eine Zeit bevor, die Ihnen ein großes Stück Verantwortung abverlangt. Wie stehen Sie zu dieser Herausforderung?

Exfreund-Fantasien-
Welche Gedanken denken Sie deswegen nicht?

Anhand solcher Fragen ließe sich möglicherweise feststellen, ob Ihre Zwangsgedanken den psychischen Zweck erfüllen, dass Sie andere, für Sie noch unangenehmere Gedanken nicht denken müssen.

So könnte es z.B. möglicherweise sein, dass Sie „lieber“ bei der Vorstellung hängenbleiben, wie Ihre Freundin Sex mit dem Exfreund hat, als dass Sie über die jetzt aktuell in Ihrem Leben anstehenden Herausforderungen nachdenken.

Wenn Sie mit Ihrem Therapeuten solche durch die Zwangsgedanken verdeckten Themen durcharbeiten, kann es sein, dass Sie die Angst vor diesen eigentlichen Problemen nach und nach überwinden- und es dann für die Zwangsgedanken auch keinen Anlass mehr gibt.

Für welche der Therapieformen Sie sich gemeinsame mit Ihrem Arzt und/oder Therapeuten auch entscheiden- ich wünsche Ihnen baldige, gute Besserung und alles Gute für die bevorstehende Geburt Ihres Kindes.
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Intime Bilder vom Exfreund gefunden

Bilder vom Exfreund
verraten Geheimnisse, die ich nicht wusste

Bilder vom Exfreund
Wir sind seit fünf Jahren verheiratet und soweit miteinander sehr glücklich. Neulich hat mich meine Frau gebeten, neue Updates auf Ihrem Laptop zu installieren. Dabei habe ich gesehen, dass im Hintergrund noch ein Ordner mit alten Urlaubsfotos offen war. Aus Neugierde habe ich reingeklickt- auch wenn mir klar war, dass das nicht OK ist.

Ich habe dann eine Bilderserie entdeckt, wo sie offenbar mit Ihrem Exfreund Urlaub auf den Kanaren gemacht hat. Dabei hat Sie nicht nur die Landschaft fotografiert, sondern vor allem Bilder, die Ihren Exfreund halbnackt oder sogar ganz nackt zeigen: im Hotelzimmer, am Strand, irgendwo in den Bergen. Auch von ihr selbst ist eine Serie mit Nacktbildern dabei.

Richtig ärgerlich macht mich, dass Sie mir gesagt hat, Sie wäre mit Ihrem Ex niemals in die Ferien gefahren. Und außerdem hatte sie mir mal gesagt, als ich danach gefragt hatte, dass es von dem Ex keine Bilder geben würde, die Sie mir zeigen könnte, weil Sie alle Aufnahmen längst gelöscht hätte. Und jetzt muss ich feststellen, dass Sie sich genau diese Bilder offenbar gerade angeschaut hat. Von mir hatte Sie übrigens selbst mal verlangt, dass ich meine eigenen Bilder von meiner Exfreundin lösche.

Ich bin jetzt etwas sauer, weil Sie mich gleich doppelt angelogen hat: Sie war mit Ihrem Exfreund im Urlaub und natürlich gibt es Bilder von ihm, sogar nackt. Und sie schaut sich diese Bilder immer noch heimlich an.

Toll finde ich das auch deswegen nicht, weil Ihr Exfreund vermutlich auch die Nacktbilder von ihr immer noch hat.

Was soll ich machen? Einfach so tun, als wär nichts?
Ein richtig toller Schauspieler bin ich nicht, und sie wird, auch wenn sie den Grund nicht kennt, merken, dass irgendwas nicht stimmt.

Martin K. (Name geändert)

Intime Bilder vom Exfreund angeguckt-
Was kann das bedeuten?

Hallo Martin,

Sie sind mit Ihrer Frau seit fünf Jahren glücklich verheiratet: Jetzt entdecken Sie, dass sich Ihre Frau unlängst alte Urlaubsfotos angesehen hat, die sie selbst und ihren Exfreund nackt zeigen.

Sie sind ärgerlich, weil Ihre Frau von Ihnen verlangt hat, Bilder Ihrer Exfreundin zu löschen, und weil sie behauptet hat, sie wäre nie mit dem Exfreund in die Ferien gefahren und es gäbe auch keine Bilder von ihm.

Mögliche Erklärungen:
Vom besten bis zum schlimmsten Fall

Die Situation ist schwierig einzuschätzen, weil Sie Ihre Frau noch nicht gefragt haben. Die Bilder auf dem Computer können vieles bedeuten. Eine harmlose Erklärungen wäre:

  • Der Ordner war nur versehentlich geöffnet. An die Nacktbilder hatte Ihre Frau gar nicht mehr gedacht.
  • Ihre Frau hatte möglicherweise selbst bereits geglaubt, dass die Nacktbilder gelöscht gewesen waren.
  • Und die Lüge, niemals mit dem Exfreund in Urlaub gefahren zu sein, hatte sie deswegen zu Ihnen gesagt, weil ihr die Urlaubsgeschichte so peinlich ist, dass sie darüber nicht sprechen will.

Die maximal negative Erklärung wäre:

  • Ihre Frau hat das sexuelle Interesse an Ihnen verloren und holt daher die Bilder vom Exfreund wieder hervor.
  • Sie hat bereits wieder Kontakt mit dem Exfreund. Daher ihr aktuelles Interesse an den Bildern.

Das ist allerdings extrem unwahrscheinlich. Dann hätten Sie eher aktuelle Mails oder Aufzeichnungen von Chats gefunden. Es sind ja jahrealte Bilder vom Exfreund, die Sie in dem Ordner gefunden haben, und nichts Neues.

Bleibt also noch die mittlere Möglichkeit:

  • Ihrer Frau sind die Erinnerungen an die Kanarenreise mit dem Exfreund immer noch viel wert.
  • Sie hat es nie übers Herz gebracht, diese Bilder zu löschen.
  • Der Ordner war geöffnet, weil sie sich diese Bilder gerade wieder angesehen hatte.

Bilder vom Exfreund:
Falls Ihre Frau immer noch der Vergangenheit nachhängt

Das Problem in diesem Fall:
Ihre Frau hat den Schmerz über die Trennung von ihrem Exfreund auch nach fünf Jahren Ehe mit Ihnen noch nicht überwunden. Deshalb hat sie die Bilder auf dem Rechner und sieht sie sich öfters an. Sie hängt dieser Vergangenheit immer noch nach und mißt die Gegenwart an einer stark verklärten Vergangenheit.

Der Exfreund auf den Bildern wäre dann gar keine echte Konkurrenz zu Ihnen, sondern ein Ideal, das mit niemandem in der aktuellen Wirklichkeit etwas zu tun hat. Der Bildermann, nicht alternd, für immer in Urlaubslaune und Urlaubspose, taugt nur für Tagträume.

Wenn dem so ist, stellt sich die Frage: Warum hat es Ihre Frau nötig, so sehr in ihren Träumen und in der Vergangenheit festzuhängen? Was geben ihr diese Träume, das ihr die Gegenwart mit Ihnen nicht geben kann?

Die Wahrheit
erfahren Sie nur bei einer Aussprache

Wenn Sie Ihrer Frau nicht erzählen, dass Sie sich die Bilder angesehen haben, werden Sie den Grund nicht herausfinden. Ihren Ärger und Ihre Unsicherheit werden Sie weiter mit sich herumtragen müssen, und Ihre unausgesprochenen Gefühle werden Ihre Partnerschaft belasten. Denn Ihre Frau wird, wie sie selbst sagen, merken, dass etwas nicht stimmt. Und ohne Aussprache gibt es keine Möglichkeit, da schnell wieder herauszukommen.

Von daher spricht einiges dafür, dass Sie Ihrer Frau erzählen, dass Sie sich die Bilder angesehen haben. Auch wenn Sie sich dafür genieren, so neugierig gewesen zu sein und auf Ihrem Computer herumgeschnüffelt zu haben.

Im besten Falle (siehe oben) hat Ihre Frau die Bilder nur aus Versehen nicht gelöscht und Ihnen die Kanarenreise aus Peinlichkeit verschwiegen. Dann kann es sein, dass Sie beide einen kurzen Augenblick beschämt sein werden- und dann miteinander über den Vorfall lachen können.

Wenn sich aber herausstellt, dass Ihre Frau tatsächlich Schwierigkeiten hat, von dem idealisierten Bild ihres Exfreundes loszulassen, dann könnte es für Sie beide sinnvoll sein, psychotherapeutische Beratung in Anspruch zu nehmen. Gemeinsam mit einem Therapeuten fällt es Ihnen beiden vermutlich leichter, ohne vorschnelle Schuldzuweisungen und Aggressionen daran zu arbeiten, sich gegenseitig besser zu verstehen und alle bisher unausgesprochenen „Altlasten“ und aktuellen Probleme jetzt offen auszusprechen.

Mit freundlichen Grüßen
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Frühere Beziehung
als Belastung

Frühere Beziehung
hat meine Freundin sexunfähig gemacht

Frühere Beziehung
Ich bin jetzt schon fast ein Jahr mit meiner Freundin zusammen, aber der Gedanke an sie und ihren vorherigen Exfreund läßt mich einfach nicht los.

Vor mir war sie drei Jahre lang mit diesem Freund zusammen, das war ihre erste große Liebe gewesen. Er war drei Jahre älter als sie und hat sie offenbar ziemlich ausgenutzt: mehrmals hatte er andere Sexkontakte neben ihr, zum Schluss sogar eine zweite Freundin, die er ihr verheimlicht hat. Offenbar auf Drängen dieser neuen Freundin hat er dann mit ihr Schluß gemacht.

Leider färbt diese Vergangenheit jetzt auch auf unsere Beziehung ab. Sie ist sehr misstrauisch, hat laufend Angst, dass ich fremdgehe. Wir haben auch nur sehr wenig Sex, nur etwa alle 4 Wochen.

Es macht mich auch etwas wütend, dass sie mit ihrem Exfreund offenbar so ziemlich das gesamte Spektrum sexueller Praktiken durchgespielt hat, inkl. Anal- und Oralsex, bei mir aber eigentlich nur mehr oder weniger bewegungslos im Bett liegt und mich einfach machen läßt.

Da muss ich mir einfach vorstellen, wie das bei ihr und dem Exfreund anders war, dass es zumindest am Anfang ihrer Beziehung eine sehr verliebte Phase gegeben haben muss, wo sie ihm so ziemlich alles gegeben hat und auch geben wollte, was einem Mann Freude macht. Ich stelle mir dann die beiden im Bett vor und bin wahnsinnig eifersüchtig. Ich bin auch wütend, dass ich sie jetzt so passiv hinnehmen muss, weil dieser Typ sie irgendwie sexunfähig gemacht hat.

Frühere Beziehung
Hass auf den Exfreund

Ich bin voll von Hass auf diesen Ex- ich bin auch schon mal im Internet auf seine Facebook-Seite gegangen und frage mich, was sie wohl an diesem Mann gemocht hat.

Ich frage sie relativ häufig nach Details aus Ihrer ersten Beziehung, und sie erzählt mir auch sehr offen und ausführlich. Wobei es mich gleichzeitig total quält, immer wieder neue Details über ihre Vergangenheit zu erfahren. Besonders, wenn Sie von Erfahrungen erzählt (Ausflüge, Unternehmungen, Urlaube), die sie in positiver Erinnerung hat.

Mein Ziel wäre es, dass wir beide endlich mit dieser Vergangenheit abschließen, denn ich liebe sie und will nichts anderes, als mit ihr zusammen glücklich zu sein. Was kann ich da machen?

Philipp R. (Name geändert)

Frühere Beziehung-
Wie kann man die Vergangenheit abschließen?

Hallo Philipp,

In der Beziehung mit Ihrer Freundin empfinden Sie die frühere Beziehung Ihrer Freundin als ständige Belastung: Sie werfen dem Exfreund vor, Ihre Freundin „irgendwie sexunfähig“ gemacht zu haben.

Außerdem leiden unter der Vorstellung, dass Ihre Freundin auch glückliche Momente in dieser Beziehung hatte. Deshalb möchten Sie jetzt „endlich mit dieser Vergangenheit abschließen“, wissen aber nicht, wie das gehen soll.

Unterschiedliche Probleme-
und doch Gemeinsamkeit?

So wie Sie es beschreiben, leiden Sie beide an Problemen mit Bezug auf die frühere Beziehung Ihrer Freundin:

  • Ihre Freundin hat unter ihrem Exfreund gelitten: Sie ist von ihm ausgenutzt worden, wurde wahrscheinlich zu Formen des Sex gedrängt, die sie eigentlich gar nicht wollte bzw. nur ihm zu Gefallen akzeptierte. Außerdem wurde sie von ihm mit einer zweiten Frau hintergangen und erhielt schließlich von ihm den Laufpaß. Jetzt ist Sie auch Ihnen gegenüber misstrauisch und hat Angst, dass auch Sie sie betrügen. Außerdem hat sie nur einmal im Monat mit Ihnen Sex und das offenbar nicht mit großer eigener Beteiligung.
  • Sie selbst leiden darunter, dass Ihre Beziehung Sie sexuell nicht befriedigt. Gleichzeitig denken Sie mit Eifersucht daran, dass der Exfreund sehr viel mehr an Sexpraktiken mit Ihrer Freundin ausleben konnte.Ebenso eifersüchtig sind Sie auf alle Details in den Erzählungen Ihrer Freundin, in denen sie die frühere Beziehung in positiver Erinnerung hat.

Die Gemeinsamkeit bei Ihnen beiden liegt darin, dass Ihr aktueller Sex offenbar für Sie beide unbefriedigend ist. Das könnte ein Ansatzpunkt sein, an dem Sie beide vorankommen können, so Sie das beide wollen.

Der Besuch bei einem Therapeuten könnte sich lohnen in diesem Gewirr von Problemen, die teils aus der Vergangenheit rühren, dann aber auch sehr gegenwärtig sind.

Mögliche therapeutische Ansätze

Ohne mit Ihnen beiden in aller Ruhe zu sprechen, kann ich Ihnen hier nur ein paar Fragen vorstellen, die ich Ihnen gern zu Beginn eines ausführlicheren Gesprächs stellen würde. Im weiteren Verlauf wir kämen wir dann vielleicht auch noch auf ganz neue und andere Aspekte, die hier noch keine Berücksichtigung finden.

Fragen an Ihre Freundin
  • Was wünschen Sie sich von Ihrem jetzigen Freund? Welche Wünsche haben Sie in Bezug auf Nähe, Intimität und Sex?
  • Auf welche Wünsche Ihres jetzigen Freundes können Sie eingehen, auf welche nicht?
  • Falls Sie Angst davor haben, Ihr jetziger Freund könnte sie betrügen: Was kann er dafür tun, dass Sie diese Angst nicht haben müssen?
  • Wie möchten Sie mit der Erinnerung an Ihre frühere Beziehung in der jetzigen Partnerschaft umgehen?
  • Erklären Sie Ihrem Freund, warum er auf Ihre frühere Beziehung nicht eifersüchtig zu sein braucht.
Fragen an Sie selbst
  • Was wünschen Sie sich von Ihrer jetzigen Freundin? Welche Wünsche haben Sie in Bezug auf Nähe, Intimität und Sex?
  • Auf welche Wünsche Ihrer jetzigen Freundin können Sie eingehen, auf welche nicht?
  • Wie sehen eigentlich Ihre eigenen Vorerfahrungen mit früheren Freundinnen aus?
  • Wie möchten Sie, dass Ihre Freundin mit der Erinnerung an Ihre frühere Beziehung in der jetzigen Partnerschaft umgeht?
  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass die frühere Beziehung Ihrer Freundin Ihnen Anlass zur Eifersucht gibt, dann erklären Sie ihr das.
  • Erklären Sie Ihrer Freundin, warum sie nicht fürchten muss, dass Sie fremdgehen.

Sollte sich herausstellen, dass Sie beide mit der von Ihnen praktizierten Form des Sex gleichermaßen unglücklich sind, könnte es sich lohnen, zwischen den Therapiestunden mit sexualtherapeutischen Übungen zu beginnen und auf diese Weise Ihren Sex nochmals ganz behutsam neu „aufzusetzen“,

Auf diese Weise haben Sie die Möglichkeit, sich wechselseitig ganz konkret im hier und Jetzt der Gegenwart neu kennenzulernen. Die Vergangenheit aus früheren Beziehungen wird eine desto geringere Rolle spielen, je mehr Sie Ihre Gegenwart aktiv und gemeinsam gestalten.

Auf diesem Weg wünsche ich Ihnen beiden alles Gute!
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Ehebruch mit Prostituierten- Grund zur Trennung?

Ehebruch mit Prostituierten-
mein Mann betrügt mich auf Geschäftsreisen

Ehebruch mit Prostituierten
Mein Mann und ich sind seit über 12 Jahren verheiratet und haben drei Kinder (6,8.11). Wir sind sehr glücklich miteinander, haben gerade gebaut- eigentlich sind wir die perfekte Familie.

Mein Mann ist geschäftlich viel unterwegs- und das ist wohl die Ursache meines Kummers. Als ich neulich seinen Kleiderschrank aufgeräumt habe, habe ich zwischen seinen Sachen eine schwarze Schachtel mit einer externen Festplatte gefunden. Ich war sehr neugierig und habe die Festplatte an meinen Tablet angeschlossen. Auf der Festplatte war eine ganze Menge Pornografie- was mich nicht besonders überrascht hat und was mich auch nicht sehr stört.

Echt der Hammer war allerdings der Ordner „Reisen“: darin mehr als 10 Videos, in denen sich mein Mann mit anderen Frauen beim Sex gefilmt hat. Alle offenbar Prostituierte auf Besuch bei ihm im Hotelzimmer.

Ich war total geschockt über meine Entdeckung. Was mich besonders wütend macht: Mein Mann hat mit den Frauen eigentlich nur genau denselben harmlosen Sex wie wir bei uns im Schlafzimmer: überhaupt nichts Aufregendes, kein SM, kein Fetisch, kein gar nichts. Nur sich streicheln, aneinander kuscheln und dann ficken. Also absolut nichts, was er nicht auch von mir bekommt. Der älteste Film ist schon 10 Jahre alt: er hat es also die ganze Zeit unserer Ehe hindurch getan.

Ehebruch mit Prostituierten-
Ich habe ihn zur Rede gestellt

Ich habe ihn sofort zur Rede gestellt, als er abends zurückkam und die Kinder im Bett waren. Er hat nichts abgeleugnet- aber das konnte er ja auch nicht. Er sagte, dass er selber immer davon wegkommen wollte, es aber einfach nicht geschafft hat. Und dass es ihm leid tut. Dass er mich über alles liebt, aber dass er aber auch verstehen kann, wenn ich mich von ihm trennen will. Und dass er mir verspricht, dass das nicht nochmals passiert.

Was ich ihm natürlich nicht recht glauben kann. Schließlich hat er ja all die Jahre weitergemacht und dann auch noch die Filme als Souvenir gehalten. Und ich muss sagen, das ich jetzt diese Bilder im Kopf habe und mir ehrlich gesagt nicht vorstellen kann, wie ich mit ihm nochmal ins Bett gehen soll. Ich finde die Vorstellung regelrecht ekelhaft, dass er mit diesen Prostituierten ins Bett gegangen ist.

Das Problem ist: Natürlich liebe ich ihn trotzdem noch, irgendwie. Und ich habe keine Ahnung, was ich den Kindern sagen soll. Schließlich ist er ein total netter Papa und hat für uns immer sehr gut gesorgt. Er war auch immer sehr liebevoll zu mir, so dass ich mich nie beklagen konnte.

Er sagt, dass er auf jeden Fall um mich kämpfen will. Aber, ehrlich gesagt, ich weiß nicht, ob wir wirklich noch eine Chance miteinander haben.

Melanie H. (Name geändert)

Ehebruch mit Prostituierten- Keine Chance
mehr für eine gemeinsame Zukunft?

Hallo Melanie,

12 Jahre lang sind Sie mit Ihrem Mann verheiratet- dann finden Sie durch Zufall eine Festplatte im Kleiderschrank Ihres Mannes und entdecken darauf mehr als 10 Videos, in denen sich Ihr Mann beim Sex im Hotelzimmer mit Prostituierten gefilmt hat.

Sie haben Ihren Mann zur Rede gestellt: der ist reuig, verspricht, in Zukunft damit aufzuhören, und hat Verständnis dafür, wenn Sie sich von ihm trennen würden. Sie selbst wissen nicht, was sie tun sollen, und haben das Gefühl, sich wegen der angesehenen Videos vor dem Sex mit Ihrem Mann so sehr zu ekeln, dass Sie sich keine gemeinsame Zukunft vorstellen können.

Ehebruch mit Prostituierten-
Genaue Situationsklärung ist nötig

Es ist sehr verständlich, wenn Sie jetzt ärgerlich sind und unsicher in Bezug auf Ihre Zukunft.

In Ihrer Geschichte kommen gleich mehrere Problembereiche vor, die sich gegenseitig beeinflussen. Das macht Ihre Lage nicht einfacher. Deshalb wäre es sicher hilfreich, Sie beide würden sich jetzt externe Hilfe durch einen Therapeuten holen, um auch den Blick eines Außenstehenden dabeizuhaben.

Bei folgenden Punkten könnte es sich für Sie beide lohnen, intensiver nachzufragen:

Ehebruch mit Prostituierten- Fragen an Ihren Mann
  • Was bedeutet das Fremdgehen mit den Prostituierten für Ihren Mann?
  • Ist dieser Ehebruch mit Prostituierten für ihn ein Vergnügen oder eher ein Zwang, unter dem er selber leidet?
  • Ist es die Sehnsucht nach Ihnen, die ihn dazu treibt, den eheliche Sex auf den Geschäftsreisen nachzuspielen, oder ist es der Genuss, immer neue und andere Partnerinnen durchzuprobieren?
  • Steht Ihr Mann unter einer Art Zwang, auf den Geschäftsreisen etwas „Verbotenes“ zu tun, das ihn beschämt, und macht er wegen dieser Selbstbeschämung die Videoaufzeichnungen? Oder genießt er die Aufzeichnungen als Art schöne Erinnerung?
  • Wie stellt sich Ihr Mann die Zukunft mit Ihnen vor? Kann er Ihren Ekel verstehen, den Sie jetzt bei der Vorstellung vom gemeinsamen Sex haben?
  • Welche Umgangsformen mit sexuellen Bedürfnissen auf Geschäftsreisen wären für Ihren Mann (und auch für Sie) akzeptabel, bei denen keine Prostituierte notwendig sind (z.B. Selbstbefriedigung mit oder ohne Pornos und andere Sex Toys).
  • Ist Ihr Mann bereit, gemeinsam mit Ihnen eine Therapie anzufangen, die Ihnen beiden dabei hilft, wieder zu gemeinsamem Sex zurückzukehren?
Ehebruch mit Prostituierten- Fragen an Sie selber
  • Was sind die Punkte, die Sie am Verhalten Ihres Mannes stören und wie schwer sind diese Punkte für Sie zu ertragen (sexuelle Bedürfnisse auf Dienstreisen, Sex mit Prostituierten, Bereithalten der Filme auf Festplatte, Verheimlichung vor Ihnen…)?
  • Was muss Ihr Mann tun, damit Sie eine Entschuldigung von ihm annehmen können (z.B. Filme löschen, künftig Arbeitgeber wechseln und keine Geschäftsreisen mehr antreten…)?
  • Welche Form der sexuellen Betätigung für Ihren Mann wäre für Sie ok, wenn er auf Geschäftsreise ist?
  • Wie detailliert möchten Sie über diese sexuellen Betätigungen informiert sein? Welche Freiräume geben Sie Ihrem Mann?
  • Können Sie sich ein zukünftiges Zusammenleben mit Ihrem Mann vorstellen? Möglicherweise auch (zeitweise) ohne Sex?
  • Sind Sie bereit, gemeinsam mit Ihrem Mann eine Therapie anzufangen, die Ihnen dabei hilft, die Ekelgefühle zu überwinden und wieder zu gemeinsamem Sex zurückzukehren?

Ehebruch mit Prostituierten-
Wege zu neuer Gemeinsamkeit

Nach 12 Ehejahren, drei gemeinsamen Kindern und einem gemeinsam gebauten Haus steht bei Ihnen beiden eine Menge auf dem Spiel, was Sie zu verlienen haben. Deshalb könnte es sich lohnen, wenn Sie sich entscheiden, Ihrer Ehe nochmals eine Chance zu geben und gemeinsam eine Therapie zu beginnen.

Ein erstes Etappenziel wäre es, dass Sie beide verstehen, wie der jeweils andere die Geschichte erlebt hat.

Durch die Verheimlichung hat Ihr Mann bei Ihnen sehr viel Vertrauen verspielt: Es ist wichtig, dass er jetzt alle Karten auf den Tisch legt, alle seine sexuellen Wünsche (auch die, die ihm selber perinlich sind), sowie seine Ängste und seine Scheu, die ihn bisher daran hinderte, offen mit Ihnen zu reden. Umgekehrt ist es gut, wenn auch er erfährt, wie Sie sich nach Ihrer Entdeckung fühlen und warum es für Sie nicht möglich ist, einfach so zu tun, als wäre nichts geschehen.

Sie beide haben jetzt die Chance, sich so umfassend kennnenzulernen, wie Sie das bisher in Ihrer Ehe noch nicht getan haben. Die entscheidende Frage ist, ob Sie beide diese Chance nutzen wollen oder nicht.

Ehebruch mit Prostituierten-
Therapie- Ja oder Nein?

Wenn Sie beide keine Therapie antreten wollen, sollten Sie sich über die daraus entstehenden Konsequenzen klar sein. Es wird für Sie nicht einfach sein, gute Lösungen in Bezug auf den Umgang mit Ihrem gemeinsamen Besitz und mit den Kindern zu finden. Mit großer Sicherheit werden Sie Ihr gemeinsames Haus verlieren, beide finanziell schlechter dastehen, und die Kinder werden in einer Scheidungsbeziehung aufwachsen.

Natürlich kann auch die gemeinsame Therapie dazu führen, dass Sie beide gute Gründe dafür finden, warum es mit Ihnen beiden nicht weitergehen kann. Wahrscheinlich wird Ihre Trennung dann aber geordneter und weniger schmerzlich ablaufen als ohne Therapie.

Für sehr gut möglich halte ich es aber auch, dass die Therapie Sie beide wieder zu einer neuen Gemeinsamkeit führt, die sogar noch intensiver und offener sein kan als Ihre ersten zwölf Ehejahre.

Ein anstrengender Weg

Der Weg dazu kann für Sie beide anstrengend sein: Für Ihren Mann, weil er sich offen zu sexuellen Wünschen bekennen muss, die ihm selbst offenbar unangenehm sind, und weil er sich intensiv mit den Ängsten und Zwängen beschäftigen muss, die ihn zu seinem Verhalten geführt haben. Für Sie, weil Sie von vielen bisherigen Vorstellungen über Ihren Mann Abschied nehmen müssen und sich selbst der Frage ausgesetzt sehen, ob und wie es für Sie Möglichkeiten des Zusammenlebens mit diesem Mann gibt, so wie er in Wirklichkeit ist.

Dabei kann Ihnen Ihr Therapeut helfen. Ihnen beiden kann er Wege zeigen, wie Sie sich offen über alles Geschehene aussprechen können. Ihrem Mann kann er zeigen, wie er seine sexuellen Wünschen aktiv steuert und nicht von diesen Wünschen zu Handlungen getrieben wird, die er sich selbst so nicht wünscht. Ihnen als Frau kann er, wenn Sie das wünschen, verschiedene Methoden vorschlagen, wie Sie Ihr Ekelgefühl erfolgreich überwinden können, um wieder neu Freude am Sex mit Ihrem Mann zu empfinden.

Das alles sind natürlich nur erste Ideen und Vorschläge- was nun tatsächlich passiert, können nur Sie beide selbst entscheiden.

Dazu und für Ihren weiteren Weg wünsche ich Ihnen alles Gute!

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Sadismus- Gewalt oder Spiel?
Wie gehe ich damit um?

Sadismus: Der Namensgeber, Marquis de Sade (H. Biberstein 1912)

Sadismus-
die zwei Seiten eines Mannes


Seit ein paar Wochen habe ich mich in der Arbeit in einen Kollegen verliebt, und das ist umgekehrt genauso. Er ist ein total netter, im Grunde eher schüchterner Typ. Allerdings rastet er total aus, wenn er in sexuelle Erregung kommt.

Im Prinzip gefällt mir diese harte Seite sogar, weil sie mich selber erregt. Ich weiß auch, wie ich ihn sexuell mit meinem Verhalten ganz bewußt sexuell provoziere und ihn ziemlich rasend vor Lust mache (zum Beispiel, wenn ich mir selber in seiner Gegenwart im Büro unter den Rock greife). Umgekehrt macht er mich mit seiner Art auch total an. Allerdings habe ich Angst, wie weit das bei ihm noch geht.

Richtigen Sex hatten wir noch keinen, nur das, was im Büro so eben möglich ist: Rumschmusen auf dem Gang, Liebesbriefe auf dem Schreibtisch… Neulich ist er mir allerdings auf die Toilette gefolgt, hat mich zuerst total heftig geküßt und ist dann richtig ausgerastet. Er hat mir dann den Mund zugehalten, mich an den Haaren gezogen (allerdings nicht sehr fest), und zu mir Sachen gesagt wie : „Jetzt hast du gar nichts mehr zu melden!“, „Jetzt bist du nur noch Fickfleisch für mich. Was du jetzt fühlst, ist mir scheißegal- auch wenn du Schmerzen hast…“ etc.

Danach, als wir im Büro wieder einen Moment zu zweit waren, ist er dann angekommen wie ein kleiner Junge, hat sich ganz arg entschuldigt und gesagt, dass ich das alles nicht so ernst nehmen bräuchte, dass er mich viel zu gern hätte, um mich ernsthaft zu verletzten, dass er sich wahnsinnig freuen würde, wenn wir uns ohne diesen ganzen Bürodruck mal am nächsten Wochenende privat treffen würden…

Ich weiß jetzt überhaupt nicht mehr weiter: Soll ich mich mit ihm treffen oder lieber ganz schnell auf Abstand gehen? Ist mein Kollege ein gefährlicher Sadist, der mich als Opfer ausgesucht hat, oder ist er vollkommen harmlos?


Julia L. (Name geändert)

Sadismus- Unsicherheit der Gefühle

Hallo Julia,

Sie und ihr Arbeitskollege haben sich ineinander verliebt. Sie selber provozieren seine sexuelle Erregung durch eindeutige Gesten. Er ist Ihnen auf die Toilette gefolgt, hat Sie geküßt und Ihnen dann den Mund zugehalten und Sie an den Haaren gezogen und dabei gesagt, daß er es genießen würde, Sie sexuell zu misshandeln. Danach hat er sich bei Ihnen im Büro entschuldigt und Sie gefragt, ob Sie sich privat treffen können. Sie selbst sind unsicher, ob Sie das Angebot annehmen möchten.

Sadismus-
Sie beide spielen ein unklares Spiel

Sie beide haben im Büro begonnen, miteinander zu spielen. Sie selbst, indem Sie Ihren Arbeitskollegen mit eindeutigen Gesten sexuell provoziert haben, er dadurch, dass er Ihnen auf die Toilette gefolgt ist, dort seinen verbalen Ausbruch bekam und sich hinterher im Büro bei Ihnen entschuldigte.

Das Problem ist, dass Sie beide dieses Spiel begonnen haben, ohne sich vorher über die Regeln abgesprochen haben. Sie beide wissen nicht, was das Geschehene eigentlich zu bedeuten hat:

  • Er weiß nicht, ob Sie ihn im Büro „nur“ in die sexuelle Raserei bringen wollen oder tatsächlich Sex mit ihm wünschen.
  • Sie wissen nicht, wie seine verbalen Ausfälle auf der Toilette tatsächlich gemeint waren, ob als Ankündigung tatsächlicher Übergriffe oder nur als Verbalerotik, um sich selbst (oder auch Sie) sexuell noch mehr zu erregen.

Von daher ist es für Sie jetzt schwierig, seine Einladung anzunehmen. Denn einerseits sind Sie offensichtlich an einer Beziehung mit Ihrem Kollegen interessiert, andererseits haben Sie jedoch Angst davor, er könnte ein „gefährlicher Sadist“ sein und seine verbalen Ankündigungen wahr machen und Sie tatsächlich misshandeln.

Sadismus-
zwei mögliche Bedeutungen

Sadismus kann tatsächlich zwei höchst unterschiedliche Bedeutungen haben:

  • Eine psychiatrisch und auch strafrechtlich relevante sexuelle Störung,
    bei der eigenes sexuelles Vergnügen dadruch erreicht wird, dass einem anderen Menschen Schmerzen zugefügt werden, ohne nach dessen Einverständnis zu fragen
  • Eine Form des sexuellen Spiels zum Zweck der Stimulierung eines/beider Partner,
    bei dem Gewalt und Schmerzen nur im Rahmen eines streng abgestimmten und kontrollierten Rahmens geschehen und wo der „leidende“ Partner jederzeit die Möglichkeit zum Spielabbruch hat, z.B. durch Aussprache eines Codewortes

Sadismus- an Selbstschutz denken

Ein erster Schritt könnte sein, dass Sie mit Ihrem Kollegen noch einmal über die Toilettenszene sprechen, um zu verstehen, was da eigentlich genau passiert ist.

Wenn Sie danach den Eindruck haben, dass seine verbalen Ausfälle keinen Spielcharakter hatten, sondern der unvermittelte Ausbruch einer anderen Seite seiner Persönlichkeit waren, dann ist Vorsicht geboten. Ihr Selbstschutz geht in jedem Fall vor. Auch eine spannend erscheinende neue Bekanntschaft ist es nicht wert, sich selbst in Gefahr zu bringen.

Lassen Sie sich Zeit!

Wenn sich dagegen herausstellt, dass sein Verhalten in der Toilette eher als sexuelle Provokation zu sehen war, sozusagen als männliche Retourkutsche zu Ihrem Griff unter den Rock, dann könnte es sich lohnen, wenn Sie beide Ihre beginnende Beziehung mit etwas Ruhe nochmal neu aufsetzen.

Möglicherweise sind Sie beide, gerade weil Sie sich gegenseitig attraktiv finden, so schnell aufeinander losgegangen. Daher könnte es sinnvoll sein, die Geschwindigkeit jetzt etwas zurückzufahren: Statt dass Sie sich beide sofort mit dem Beginn Ihrer Beziehung in die harten Formen des Sex stürzen, könnten Sie es erst einmal mit Dates der traditionellen Art probieren: Kino, Restaurantbesuche, Spaziergänge.

Auf diese Weise kann zwischen Ihnen die Vertrautheit entstehen, die Sie beide für mögliche künftigere und wildere Abenteuer brauchen werden.

Sadismus als Spiel- Regeln sind nötig

Wenn zwischen Ihnen das dazu nötige Grundvertrauen aufgebaut ist, kann es durchaus sein, dass auch die Bereiche des harten Sex und des Spiels mit dem Sadismus wieder interessant für Sie werden.

Damit dieses Spiel seine faszinierende Seite behält, aber nicht zum beängstigenden Alptraum wird, haben sich der BDSM-Szene einige Spielregeln etabliert:

1. Regel:
Schon vor dem Spielbeginn müssen Sie beide wissen, welche Handlungen im Spiel OK sind und welche nicht.

Sie können zum Beispiel schon vorher festlegen, dass verbalerotische Provokationen für Sie in Ordnung sind, nicht aber Handlungen, die zu tatsächlichern Schmerzen führen (also z.B. das Ziehen an Ihren Haaren).

2. Regel:
Ihnen beiden muss klar sein, wo das Spiel beginnt und wo es aufhört.

Konkret heißt das: Sie beide sollten sich vergewissern, ob Sie gerade ein sexuelles Spiel beginnen wollen oder nicht. Möglicherweise ist es für Sie beide von Vorteil, sexuelles Spiel am Arbeitsplatz ganz und gar blieben zu lassen.
Auf jeden Fall ist es wichtig, dass Sie beide wissen, wann Sie im Spielmodus sind und wann nicht. Solange Sie sich beide im Spielmodus sehen, können auch Handlungen erlaubt sein, die ohne eine Absprache als Gewalt oder sogar Missbrauch erscheinen würden. Außerhalb des Spielmodus sind solche Handlungen für Sie beide genauso tabu wie unter allen anderen Menschen auch.

3. Regel:
Der „leidende“ Partner bricht das Spiel ab, wenn es ihm zu viel wird.

Damit aus dem Spiel kein Ernst wird (und aus dem Spiel mit der Gewaltanwendung nicht tatsächliche Gewaltanwendung) muss der/die Sub (der „leidende“ Partner) jederzeit die Möglichkeit haben, das Spiel zu unterbrechen oder ganz zu beenden.
In BDSM-Spielkreisen hat sich dazu ein Ampelcode etabliert: Wenn der/die Sub „gelb“ sagt, muss der/die Top (der“aktive“ Partner) die Intensivität seiner Handlungen zurückfahren, bei „rot“ ganz und gar abbrechen.

Wichtig: Der/die Top muss sich darauf verlassen können, dass der/die Sub das Spiel tatsächlich abbricht, wenn das Spiel zu heftig wird. Der/die Sub hat also eine genau so große Verantwortung wie der/die Top, dass das Spiel nicht aus dem vereinbarten Rahmen läuft.

Umgang mit eigener Unsicherheit

Sollten Sie sich selbst weiterhin darüber unsicher sein, wie Sie mit dem Verhalten Ihres Kollegen umgehen möchten, könnte es sich lohnen, psychotherapeutische Beratung in Anspruch zu nehmen.

Denn gerade dann, wenn einer der Sexualpartner mit sehr starken Wünschen an den anderen herantritt (und das Spiel mit dem Sadismus ist ein sehr starker Wunsch), dann ist es wichtig, dass auch der andere Partner genau weiß (in diesem Fall also Sie), was er sich eigentlich in der Beziehung wünscht und was ihm gut tut.

Solange Sie sich über Ihre eigenen Bedürfnisse nicht ganz im Klaren sind, ist die Gefahr hoch, dass Sie sich in eine Form der Sexualität hineinziehen lassen, die Ihnen nicht gefällt und Sie möglicherweise sogar beängstigt. Das aber ist mit Sicherheit nichts, was einer Partnerschaft langfristig gut tut.

Wenn Sie dazu Fragen haben, könen Sie sich gern nochmals an mich wenden.

Mit freundlichen Grüßen
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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Mordfantasien
in der Pubertät- Gedanken, die quälen

Sexuelle Mordfantasien in der Pubertät-
Das Mädchen töten, das ich liebe

Mausklick deaktivieren Sexuelle Mordfantasien
Ich bin 16 Jahre alt, männlich,und habe ein etwas merkwürdiges Problem.

Ich habe mich in ein Mädchen verliebt, das ich praktisch jeden Tag bei uns in der Schule sehe, auch wenn sie nicht in meine Klasse geht. Wenn ich sie einmal nicht sehe, ist das für mich wie ein verlorener Tag. Ich denke praktisch ständig an sie und an nichts anderes mehr. Ansprechen will ich sie aber nicht, weil ich total merkwürdige Fantasien habe. Gleichzeitig tut es mir richtig weh, wenn ich sehe, dass andere Jungen ganz normal mit ihr reden. Das tut mir weh wie ein Stich in die Brust.

Ich komme mir da ziemlich pervers vor und weiß nicht, wie ich das wegbekomme.

Ich stelle mir nämlich ganz ausführlich Szenarien vor, wo ich mit ihr irgendwo in der Natur allein bin, also am Strand oder am Flußufer oder auf einer Waldlichtung. Ich treffe Sie da, wie sie spazieren geht oder auf einer Decke liegt und ein Buch liest. Ich spreche sie dann an, alles geht erst mal ganz normal. Dann lege ich ihr plötzlich meine Hände um den Hals, um sie zu würgen. Oder ich habe ein Seil mit einer Schlinge dabei. Oder ein Messer, mit dem ich ihr die Halsschlagader durchschneide. Ich merke dann, wie sie langsam bewußtlos wird und ihr Herz zu schlagen aufhört.

Wenn ich das denke, fühle ich mich gleichzeitig total schlecht, mir tut das auch irgendwie weh, weil ich sie ja eigentlich total liebe. Gleichzeitig fühle ich mich auch sehr gut dabei, sehr aufgeregt, irgendwie ganz intensiv bei mir. Das eigentlich Schlimme ist, dass mir diese Fantasien sehr gefallen und ich bei diesen Träumen sehr glücklich bin.

Mordfantasien – sehr glücklich und trotzdem Schuldgefühle

In Wahrheit könnte ich niemals so aggressiv sein. Ihr gegenüber am wenigsten.
Irgendwie fühle ich mich auch schuldig. Vielleicht habe ich die Fantasien aus Eifersucht. Wenn ich mich nicht traue, dann soll sie auch kein anderer Junge bekommen.

Ich hoffe, dass das Ganze nur eine Phase ist und vorübergeht. Aber das geht jetzt immerhin schon ein paar Monate so, besonders beim Einschlafen, aber auch in langweiligen Schulstunden und neulich sogar im Kino, wo ich ganze Szenen nicht mitbekommen habe, weil bei mir im Kopf ein ganz anderer Film lief…

Kevin F. (Name geändert)

Mordfantasien in der Pubertät-
Das Mädchen töten, das ich liebe

Hallo Kevin,

Sie haben sich in ein Mädchen verliebt- und nun haben Sie Fantasien, wie Sie sie töten. Und das, ohne das Sie sich vorstellen können, es jemals zu tun. Sie sind sich wegen dieser Fantasien unsicher, was eigentlich mit Ihnen los ist.

Mordfantasien
sind im Prinzip nichts Ungewöhnliches

Mordfantasien sind prinzipiell nichts Ungewöhnliches. Der amerikanische Psychologe Douglas T. Kenrick fand in einer Doppelstudie bei amerikanischen Studenten heraus, dass, dass bis zu 79% der männlichen und 66% der weiblichen Studienteilnehmer angaben, hin und wieder Mordfantasien haben. Das ist also mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

Solche „alltäglichen“ Mordfantasien richten sich in der Regel gegen Menschen, über die man sich aus irgendeinem Grunde gerade geärgert hat, also z.B. gegen Lehrer, Vorgesetzte, Kollegen….

Mordfantasien –
Therapeutische Abklärung ist erforderlich

Auffällig ist, dass sich Ihre Fantasie nicht gegen eine Person richtet, auf die Sie wütend sind oder über die Sie sich ärgern, sondern gegen das Mädchen, in das Sie sich verliebt haben. Damit paßt Ihre Fantasie nicht ganz in das übliche Schema.

Weil nicht recht erklärbare Mordfantasien immer auch ein Indiz für eine schwere psychische Erkrankung sein können, ist es unbedingt erforderlich, dass Sie mit einem Therapeuten darüber sprechen.

In einem solchen Gespräch wird die Frage nach dem Grund für die Aggressivität abzuklären sein, die sich in Ihren Fantasien findet. Das heißt konkret: Kennen Sie in Ihrem Leben auch in anderen Zusammenhängen unkontrollierte Aggressivitätsausbrüche? Gibt es in Ihrer Persönlichkeitsstruktur möglicherweise aggressive Tendenzen, die sich irgendwann zu konkreten Taten entwickeln können und vor denen Sie sich selbst schützen müssen?

Auch wenn diese Abklärung auf jeden Fall bei Ihnen notwendig ist, halte ich es persönlich für eher wahrscheinlich, dass Ihr Problem auf einer anderen Ebene liegt.

Mordfantasien –
Eine zweite mögliche Erklärung

Sie haben sich, wahrscheinlich zum ersten Mal, in ein Mädchen verliebt. Das ist ein sehr intensives, großes Gefühl, das Sie die letzten Monate sehr weitgehend in den Griff genommen hat. Damit Sie dieses Gefühl, das Ihnen im Prinzip angenehm ist, am Laufen halten und immer wieder abrufen können, brauchen Sie Bilder für ein inneres Kopfkino, die ebenso stark sind wie das Gefühl Ihrer Verliebtheit.

Nun haben Sie de facto keine Erfahrung, was Sie mit einem Mädchen eigentlich anfangen wollen: die Vorstellung, sie einfach nur anzusprechen, ist Ihnen offenbar eher peinlich, weil Ihnen nichts rechtes einfällt oder weil Sie Angst haben, von ihr einen Korb zu bekommen.

Die Vorstellung, sie umzubringen, ist da deutlich angenehmer. Sie sind eine ganze Zeit alleine mit ihr, ohne Konkurrenten, und sie kann sich definitiv nicht wehren. Die Fantasie kann also nicht in einer Abfuhr enden, Sie sind in jedem Fall derjenige, der die Szene in der Hand hat. Ihre eigenen großen Gefühle bekommen einen Riesen-Kick: Denn was wäre emotional mit einem Mord vergleichbar?

Und sogar, wenn Sie sich nach Ihrer Fantasie noch etwas schuldig fühlen, haben Sie einen großen Gewinn: Sie bleiben in Ihren Gedanken an Ihrer Angebeteten hängen. Und genau dieses gedankliche Hängenbleiben ist es, was ein verliebter Mensch genießt und haben möchte.

Ihre Mordgedanken wären demnach nichts anderes als ein Ausdruck Ihrer sehr starken Verliebtheit.

Mordfantasien –
Alternativen und Lösungen

Wenn diese zweite Erklärung stimmt, dann sind Ihre Mordfantasien nicht Ihr eigentliches Problem. Demnach drücken Ihre Fantasien viel eher Ihren Wunsch aus, ein Mädchen zu Ihrer Freundin zu machen- inklusive starker Gefühlen und erster sexuellen Erfahrungen.

Wahrscheinlich sind sie ein ziemlich schüchterner Mensch. Denn Sie haben das Mädchen selbst noch nie angesprochen, beobachten aber mit Eifersucht, wie andere Jungen ganz normal mit ihr reden. Ihre Mordfantasien sind für Sie, wie Sie selber schreiben, ein guter Grund, dass Sie selbst das Mädchen nicht anzusprechen brauchen- und somit nicht das Risiko eingehen, auf Ablehnung zu stoßen.

Insofern helfen Ihnen Ihre Mordfantasien, mit Ihrer Schüchternheit umzugehen. Sie selbst können sich trotz Ihrer Schüchternheit stark fühlen.

Langfristig werden Sie aber andere Konzepte benötigen, um mit Ihrer Schüchternheit umzugehen. Schüchternheit läßt sich überwinden- auch da könnte Ihnen Ihr Therapeut gut weiterhelfen.

Eine mögliche Strategie wäre zum Beispiel, wenn Sie den Small Talk mit dem weiblichen Geschlecht erst einmal mit anderen Mädchen üben, bei denen Ihnen nicht gleich eine solche Gefühlslawine entgegenkommt.

Wenn es Ihnen zum Beispiel gelingen sollte, am besten sogar mit einigen anderen Jungen gemeinsam, ein paar Mädchen zu gemeinsamen Unternehmungen zu gewinnen (z.B. Kino, Tanzschule…), dann wird Ihnen die Barriere zum weiblichen Geschlecht schon bald nicht mehr so hoch erscheinen.

Und ich bin mir ziemlich sicher: Wenn Sie mit Ihrem ersten Mädchen tatsächlich zusammen sind, werden Sie andere Fantasien haben, als sie ermorden zu wollen.

Wenn Sie dazu Fragen haben oder Ihr Problem sich nicht bessern will, können Sie sich jederzeit wieder an mich wenden.

Herzliche Grüße
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Dr. rer. biol. hum. Michael Petery

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